Berlin : Flugzeugunglück: Nur in der Flughafen-Lounge steht ein Krisenteam bereit

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Der Frühflug der Crossair aus Zürich kommt am Sonntag mit 38 Minuten Verspätung um 9.33 Uhr in Tegel an. Nur wenige Abholer warten auf die lediglich 23 Passagiere des Avrojets mit der Flugnummer 3590. Gleich nebenan am Gate 1 checken die letzten der 31 Reisenden für den Gegenkurs LX 3591 in Richtung Schweiz ein. Wie fast immer seien die Flüge am Samstagabend und Sonntagfrüh nur schwach frequentiert, sagt ein Mitarbeiter der Abfertigungsgesellschaft Aerogate.

In der Flughafen-Lounge wartet das noch in der Nacht aus Basel eingeflogene, vierköpfige Krisenteam der Crossair zunächst vergeblich auf Angehörige der Opfer. Auch Beamte des Bundesgrenzschutzes und eine Seelsorgerin stehen bereit. Doch bis zum späten Morgen hat sich erst ein Verwandter gemeldet und angekündigt, nach Tegel zu kommen. "Wir gehen davon aus, dass viele Menschen erst im Laufe des Tages von dem Unglück erfahren", sagt Crossair-Vizepräsident Björn Näf. Selbst könne man zunächst nur darauf warten, dass sich Betroffene melden.

"Auf den Passagierlisten stehen nur die Familiennamen, die Anfangsbuchstaben der Vornamen, die Sitznummer und die Buchungsklasse. Adressen fehlen." Nähere Personenangaben können nur mühselig über den Reservierungsvorgang ermittelt werden. Angehörigen wird von der Fluggesellschaft ein kostenloser Flug nach Zürich angeboten. Auf den insgesamt fünf Crossair-Flügen ab Tegel waren gestern ausreichend Plätze frei.

Die freundlichen Damen am Crossair-Tresen müssen kaum Fragen beantworten. Noch scheint in Berlin kaum jemand etwas von der Katastrophe in Zürich mitbekommen zu haben, niemand will von der Reise zurücktreten. Der für alle Fälle bereitstehende Mitarbeiter der Crossair kann sich im Hintergrund halten. Diejenigen, die von dem Unglück gehört haben, sind nicht verunsichert. "Es ist gefährlicher, in Berlin über die Straße zu gehen", sagt Horst Fenzlau aus Teltow, der geschäftlich nach Zürich muss. Er düst "jede Woche in alle Richtungen", oft auch in die ehemaligen Ostblockstaaten. Da kann er sich keine Flugangst leisten. "Die Wahrscheinlichkeit, dass es zweimal auf der gleichen Strecke passiert, ist mehr als gering", beruhigt er sich.

Der Schweizer Reto Savoia hat vor dem Start nach Berlin aus Schweizer Zeitungen vom Absturz erfahren. "Ich habe keine Angst gehabt", erklärt er in Tegel. "Das ist so wie ein Autounfall." Am Flughafen Kloten sei der Betrieb wie immer gelaufen. Auch Michael Weise aus Prenzlau ist unbesorgt in den Jet gestiegen, obwohl er von der Katastrophe wusste. "Dass es passiert ist, ist schlimm, aber so etwas kann vorkommen. Ich finde es gut, dass es weiter geht."

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