Berlin : Fluido

Frank Jansen

Ab und an reizt das Risiko, die vom drinking man hochgelobten Bars nach einer gewissen Zeit einer zweiten Prüfung zu unterziehen. Das kann blamabel werden, wenn beispielsweise ein fähiger Keeper das zu testende Lokal verlassen hat und der neue sich als Niete entpuppt. Oder plötzlich ein arroganter Tonfall dominiert. Oder auch einen talentierten Keeper (oder eine Keeperella) die Lustlosigkeit überkommt, weil viele Gäste nur Mai Tai wollen und dann noch Bier. Etwas skeptisch suchen drinking man und compañera also das Fluido auf, das sich auch „bar di notte“ nennt und vor zwei Jahren als ein Highlight in Prenzlauer Berg gefeiert wurde. Was ist heute zu erwarten?

Ein gutes Zeichen: Man muss immer noch klingeln. Das Fluido ist weiterhin keine Jedermannskneipe, allerdings verzichtet der freundlich öffnende Keeper auf jegliche Hochnäsigkeit. An der Tür hat sich also nichts geändert, innen zum Glück auch nicht. Der L-förmige Schlauch mit der vorn rechts ausbuchtenden Lounge sieht so gepflegt aus wie bei dem letzten Besuch des drinking couple vor zwei Jahren: rötliche Lederfauteuils, ein langer, schnurgerader Tresen mit armrail & footrail und eine gigantische Flaschenparade an der Wand hinter dem Tresen. Das Cocktail-Angebot ist denn auch kaum zu übertreffen. Selbst Obstbrände und -geister werden im Fluido vermixt. Der ab 22 Uhr einsetzende Andrang beweist, dass diese Bar weiterhin reichlich fans of elegant drinking anzieht.

Die beiden Keeperellas erschaffen die Cocktails rasch und routiniert. Der Kollege mit den markanten schwarzen Koteletten und dem straff nach hinten gegelten Haar verkörpert grandezza und damit die einzig sichtbare Antwort auf mögliche Fragen, warum das Fluido auch als bar di notte firmieren muss.

Zu den Drinks. Die Keeperellas servieren einen guten, nicht zu großen Gimlet und einen schönen Cosmopolitan. Dann kommt ein Orange Blossom (Plymouth Gin Black Friars, Cointreau, sizilianische Blutorange und Zitrone, Rosenöl, Orangenzeste), dessen Gin-Anteil sehr großzügig geraten ist. Es wäre nicht verkehrt, das Fluido-Team würde, wie in anderen guten Bars üblich, ab und an ein Gläschen Wasser servieren. Die compañera genießt noch einen nicht-alkoholischen Italian Connection (ah! wieder bar di notte!), einen ungemein aromatischen Mix aus Ananassaft, Mango- und Maracujasirup, Pampelmuse, Cranberry, Blutorange, sizilianischer Zitrone und Bittersirup. Lecker ist übrigens auch das im Schälchen gereichte, exotische Nüsschen-Allerlei.

Das Fluido bleibt ein Hit. Von Blamage keine Spur. So schön kann konservativ sein.

Fluido, Christburger Straße 6, Prenzlauer Berg, Tel.: 44 04 39 02, geöffnet sonntags bis donnerstags von 20 bis 2 Uhr, freitags/samstags bis 4 Uhr

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