Förderkreis-Dinner der Deutschen Oper : Unverhülltes Begehren

Der Förderkreis der Deutschen Oper tafelte auf und sammelte für einen neuen Vorhang. Auch eine Gesangsstunde für 1000 Euro wurde ersteigert.

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Die 180 tafelnden Mitglieder genossen Speisen, Musik und käufliche Kunst in den Salonkulissen der Puccini-Oper "Rondine".
Die 180 tafelnden Mitglieder genossen Speisen, Musik und käufliche Kunst in den Salonkulissen der Puccini-Oper "Rondine".Foto: promo

Dass es eng werden würde auf der Bühne, hatte Dietmar Schwarz schon vorab gesagt. Der Intendant der Deutschen Oper freute sich aus Anlass des jährlichen Förderkreis-Dinners über so viele Zusagen wie nie. In Anspielung auf die Oper „La Rondine“, die es als Hors d’œuvre gab, erinnerte er an den fröhlich überquellenden Ballsaal Bullier im 2. Akt.

Vom Blick in den Hummercocktail des Nachbarn gab es dann freilich reichlich Ablenkung. Zum einen war nach der „Rondine“ mit dem Opernprogramm noch längst nicht Schluss. Zweimal trat die australische Sopranistin Siobhan Stagg exklusiv für die rund 180 auf der Bühne tafelnden Mitglieder des Förderkreises auf. Zuerst sang sie die Juwelenarie aus dem „Faust“ von Charles Gounod, später Edith Piafs „Hymne à l’Amour.“ Das passte wunderbar in die glitzrigen Salonkulissen der von Rolando Villazón inszenierten Puccini-Oper und schürte die Vorfreude darauf, dass aus einer einstigen Stipendiatin des Förderkreises ein festes Ensemble-Mitglied wird.

Versteigerung mit Peter Raue

Jedes Jahresdinner dient einem besonderen Zweck. Diesmal wurde für einen neuen roten Vorhang gesammelt. Die Stopfnähte des alten waren deutlich zu sehen. Die Versteigerung mit Peter Raue als passioniertem Auktionator war auch für die Entsorgung des alten nützlich. Die Frage, was man mit vier Teilen à 11 x 12 Meter zerschlissenem roten Samt anfangen kann, lieferte Stoff für Mutmaßungen. Kissen oder Dekos nähen, lautete ein Vorschlag, das Material an Kitas oder Schulen stiften, ein anderer. Bei immerhin 1600 Euro fiel der Hammer.

Raues Begeisterung für die Kunstobjekte wirkte echt bis ins Mark. Das Bild einer Balletttänzerin von Nikolai Makarov pries er mit unendlichem Begehren in der Stimme an, schwärmte von „der wunderbaren Eleganz“, von „dem Hauch von Musik“ dieses Bildes und war geradezu schmerzlich berührt, das es für nur 15.000 Euro einen Besitzer fand, der nicht er selber war.

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1 von 4Foto: Archiv Deutsche Oper Berlin, Pedersen/dpa
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Bei den Gold-VIP-Tickets fürs Hahnenkammrennen in Kitzbühel verlegte der gebürtige Münchner das Event dann in seinem hier womöglich künstlich gesteigerten Enthusiasmus nach Oberbayern und relativierte so die Mär vom kleinen Peter, der sich einst nichts sehnlicher gewünscht habe, als an genau diesem Rennen teilzunehmen. Die beiden Tickets gingen trotzdem für 25.00 Euro weg.

Gesangsstunde für 1000 Euro

Hoteliersgattin Marylea van Daalen ersteigert sich für 1000 Euro eine exklusive Gesangsstunde bei Karan Armstrong. Und der vielfältig aktive Startenor Rolando Villazón hatte ein Stück „Concept Art“ gestiftet. „Der ruft Sie an und fragt, was Sie sich vorstellen!“, seufzte der Auktionator verlockend. Am Ende waren tatsächlich 50.000 Euro für den neuen Vorhang zusammengekommen. Für Berliner Verhältnisse ein großes Ergebnis.

Was fehlte, waren Politiker. Schirmherr Tim Renner hatte absagen müssen. Und so hörte niemand, den es hätte angehen können, wie Dietmar Schwarz ausführte, dass nur 2,17 Prozent der Landesmittel in die Kultur gehen – und das, obwohl das Image der Stadt doch gerade davon lebe. „Wir freuen uns über jedes neue Mitglied, weil wir dringend Geld brauchen,“ betonte folgerichtig der Förderkreis-Vorsitzende Karlheinz Knauthe beim Empfang vor dem Dinner, das unter dem Motto „Salon de Paris“ stand.

550 Mitglieder hat der Förderkreis

Einzelpersonen ab 35 Jahren können für 300 Euro im Jahr unter anderem an Generalproben, Begleitreisen zu Tourneen und Pausenempfängen teilnehmen, junge Freunde bis 30 Jahren sind schon mit 50 Euro dabei, und Familienmitgliedschaften gibt es auch.

Rund 550 Mitglieder hat der Förderkreis derzeit, darunter die engagierte stellvertretende Vorsitzende, Kunsthändlerin und Salonière Marion Knauf, die nach ihrem Umzug aus Baden-Württemberg Mitglied wurde, „weil diese Oper am gefährdetsten“ war. Wie etwa auch der langjährige Förderkreisvorsitzende Harald Wiedmann ist sie ebenfalls im Freundeskreis der Staatsoper. Man wolle ja wissen, was die anderen so machen, zumal „die Hofoper“ im Vorteil sei. „Vor allem geht es aber um die Musik“, sagte Wiedmann, der auch in vielen anderen Freundeskreisen aktiv ist.

Eine besondere Attraktion dieses nächtlichen Dinners ist unveränderbar und selbst für altgediente Mitglieder immer noch bewegend: der freie Blick in den Zuschauerraum. Zwar sind die Ränge so weit nach Mitternacht leer. Aber sie stimulieren auf eigenartige Weise die Fantasie mit der gefühlten Frage, wie es wohl sein mag, auf dieser Bühne zu stehen – und der Vorhang öffnet sich neu.

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