Förderverein sammelt Spenden : Rosinenbomber wird wieder startklar gemacht

Zur Eröffnung des Flughafens in Schönefeld soll die beschädigte Maschine wieder ihre Runden drehen. Um das zu erreichen, können Unterstützer nun unter anderem per SMS spenden.

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Motorprobleme hatten den historischen Flieger am 19. Juni 2010 in Schönefeld zur Bruchlandung gebracht. Doch das zerbeulte Wrack kann wieder flugtauglich gemacht werden.Weitere Bilder anzeigen
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27.01.2011 19:03Motorprobleme hatten den historischen Flieger am 19. Juni 2010 in Schönefeld zur Bruchlandung gebracht. Doch das zerbeulte Wrack...

Im Juni 2012 will Frank Hellberg wieder Schokolade aus dem Rosinenbomber über Berlin abwerfen, so wie es der Chef des „Air Service Berlin“ zuletzt 2009 beim 60. Jahrestag der Luftbrücke getan hatte. Zur Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg International in Schönefeld könne das vor einem Jahr verunglückte „fliegende Berliner Wahrzeichen“ repariert sein, hofft Hellberg, der auch Vorsitzender des „Fördervereins Rosinenbomber“ ist. Am Mittwoch stellte er eine internationale Spendenkampagne vor, mit der die auf eine Million Euro geschätzten Kosten gedeckt werden sollen.

Seit 2001 hatte Air Service Berlin regelmäßig Rundflüge mit der 67 Jahre alten Douglas DC-3 angeboten – zuerst am Flughafen Tempelhof und nach dessen Schließung in Schönefeld. Insgesamt kamen mehr als eine Million Berliner und Touristen an Bord. Doch im Juni 2010 musste die Maschine kurz nach dem Start auf einer Wiese neben der Startbahn notlanden und wurde schwer beschädigt; von den 25 Passagieren und drei Besatzungsmitgliedern erlitten sieben leichte Verletzungen. Obwohl ein amtliches Gutachten erst im Herbst vorliegen soll, gilt die Ursache als geklärt: Eine defekte Kurbelwelle habe zum Ausfall des linken Triebwerks geführt, sagt der für Technik zuständige Geschäftsführer beim Air Service, Steffen Wardin. Noch steht das Flugzeug unrepariert in einem Schönefelder Hangar.

Um das zu ändern, können Unterstützer nun per SMS fünf Euro spenden (Telefon: 811 90, Stichwort: „Rosine“). Größere Spenden sind mit Kreditkarten und anderen Bezahlmethoden über die Webseite www.rettet-den-rosinenbomber.de möglich, wo außerdem die Geschichte des Flugzeugs und der Luftbrücke geschildert wird. Ein kurzer Werbefilm soll über soziale Netzwerke wie Facebook und das Videoportal Youtube verbreitet werden. Darüber hinaus hat sich die US-Botschaft bereit erklärt, die Aufrufe auf ihren Webseiten zu platzieren.

Auch die Betreibergesellschaft der Berliner Flughäfen unterstützt die Kampagne. Schließlich sei der Rosinenbomber ein „einmaliges Zeugnis unserer Stadt“ und stehe für den Willen der Berliner, auch „in härtesten Krisenzeiten“ wie der einstigen Berlin-Blockade durch die Sowjetunion nicht aufzugeben.

Die DC-3 ist eines der wenigen erhalten gebliebenen Flugzeuge, die damals die Stadt aus der Luft versorgten und als Rosinenbomber bekannt wurden, weil amerikanische Piloten während des Anflugs Süßigkeiten für Kinder an selbst gebastelten Fallschirmen herabschweben ließen. Der Förderverein hat die DC-3 von Hellbergs Firma erworben und bereitet die Gründung einer Stiftung vor. Bereits vor dem jetzigen Kampagnenstart war es möglich, über die Internetseite des Vereins zu spenden. Dies war jedoch wenig bekannt und brachte bisher nur 20 000 Euro ein.

An dem historischen Flugzeug sind die Rumpfunterseite, die Tragflächen inklusive beider Triebwerke, das Fahrwerk und Teile des Höhenruders beschädigt. Um die nötigen Ersatzteile zu bekommen, wollen Hellberg und seine Unterstützer eine baugleiche Maschine für 200 000 Euro in Großbritannien kaufen und ausschlachten, in der kommenden Woche fliegt eine Delegation des Fördervereins dafür nach Coventry. Dort hatte Hellberg auch schon die erste DC-3 erworben.

Das Flugzeug in Coventry soll noch flugfähig sein. Dennoch gibt es laut Technik-Chef Steffen Wardin gute Gründe, es nicht einfach umzulackieren und als Ersatz-Rosinenbomber einzusetzen. Zum einen sei nicht klar, ob jene Maschine bei der Luftbrücke zum Einsatz gekommen war. Vor allem aber gelte die Flugzulassung nur für Großbritannien. Für einen Betrieb in Deutschland müssten alle aktuellen Sicherheitsvorschriften beachtet werden, die Umbauten wären kaum möglich oder würden mehrere Millionen Euro kosten. Dagegen gelte für den Schönefelder Oldtimer trotz der Zwangspause noch die alte deutsche Flugerlaubnis.

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