• Förderverein wirbt mit einer Gala um Spenden für den Umbau des Jüdischen Krankenhauses

Berlin : Förderverein wirbt mit einer Gala um Spenden für den Umbau des Jüdischen Krankenhauses

Alexander Pajevic

"Es ist vier Stockwerke hoch, und 20 Fenster breit. Es faßt 300 bis 400 Kranke von welchen selten mehr als 10 bis 12 sterben", schrieb ein Zeitgenosse über das 1756 in der Oranienburger Straße 56 gebaute Jüdische Krankenhaus. "Es werden Kranke aller Art darin aufgenommen. Einheimische, Ansässige, Dienstboten, Studierende, dergleichen Fremde, aus Polen, Preußen, aus dem Reiche etc. Es ist die einzige große und öffentliche Anstalt, welche die Juden in ganz Deutschland haben." Lang ist die Geschichte des Jüdischen Krankenhauses in Berlin, das in dieser Zeit von der Oranienburger über die Auguststraße schließlich im Jahr 1914 nach Wedding zog.

Der "Förderverein Freunde des Jüdischen Krankenhauses Berlin" nimmt jetzt den 85. Geburtstag an diesem Standort zum Anlass, am 5. September eine Benefizgala zugunsten des Wiederaufbaus einer Synagoge auf dem Gelände zu veranstalten. Denn das Krankenhaus in der Heinz-Galinski-Straße ist seit langem ohne Andachtsraum.

Tatsächlich ist dies jedoch erst Resultat der Nachkriegsentwicklung. Denn die bis in die sechziger Jahre existierende Krankenhaussynagoge war ein symbolträchtiger Ort für das jüdische Leben in Berlin nach dem Ende der Naziherrschaft: Schon am 11. Mai 1945 wurde hier wieder der erste Gottesdienst von einem Militär-Rabbiner abgehalten; am gleichen Tag wurde im Krankenhaus das erste Kind geboren. Das Krankenhaus hat als einzige explizit jüdische Einrichtung in Deutschland die Zeit des Holocausts überstanden - als jüdisches Ghetto, das jedoch von den Machthabern auch als Sammellager für die Deportation missbraucht wurde.

Vor der Machtergreifung hatte sich das Krankenhaus einen Ruf als "kleine Charité" erworben. Schon immer wurden Juden wie auch Nichtjuden behandelt. In einer vom Förderverein herausgegebenen Dokumentation erinnert sich der Sohn des Krankenhausrabbiners Siegfried Alexander: "Ich kannte das Jüdische Krankenhaus bis zum Dritten Reich gar nicht, auch nicht als Besucher, denn all unsere Verwandten gingen woanders hin. Das Krankenhaus war jüdisch, ja, aber nicht soo religiös." Heute zeigt sich die Jüdischkeit des Jüdischen Krankenhauses nur in Ansätzen. So ist koschere Verpflegung zwar prinzipiell möglich; das Essen muss aber nach Bedarf von der Küche der Jüdischen Gemeinde geholt werden.

Dass die konfessionelle Bindung im Augenblick keinen stärkeren Einfluss auf den Krankenhausalltag mehr hat, ist jedoch nicht verwunderlich. Denn das Krankenhaus ist schon seit 1963 nicht mehr in jüdischer Trägerschaft, sondern als Stiftung bürgerlichen Rechts ein Allgemein- und Unfallkrankenhaus. Die Möglichkeit zur Andacht war jedoch noch eine Zeitlang vorhanden, denn das angeschlossene Pflegeheim blieb im Besitz der Jüdischen Gemeinde. Dort befand sich auch die Synagoge, die jedoch bald zugunsten der Synagoge in dem gegenüber gelegenen Jüdischen Altersheim geschlossen wurde. 1980 zog diese mit dem Altersheim nach Charlottenburg um, so dass dem Krankenhaus kein Ort zur religiösen Einkehr mehr blieb. Die ehemalige Synagoge, jetzt Umkleide- und Therapieraum, soll nach den Plänen des Fördervereins wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung zukommen. "Man hat schon lange darüber geredet, dass in so ein Krankenhaus auch ein Andachtsraum gehört", sagt die Vorsitzende des Fördervereins, Genja Katz. Doch erst, als durch das Anwachsen der Jüdischen Gemeinde in den vergangenen Jahren auch der Anteil der jüdischen Patienten im Krankenhaus wieder anstieg, wurde laut Katz die Gelegenheit jetzt endlich "beim Schopf genommen".

Ziel des Fördervereins ist es, dass jüdisches Leben wieder im Krankenhaus Fuß fassen kann. "Dies ist ein gewaltiger Schritt dorthin", sagt Katz. "Vielleicht ist es der dritte Schritt vor dem ersten - aber es ist ein guter Anfang." Die Synagoge soll auch anderen Konfessionen für Andachten offenstehen. Für Katz ist dies kein Widerspruch zu dem Bemühen, das jüdische Element wieder stärker hervorzuheben. Die Offenheit des Krankenhauses für alle, sagt Katz, sei ja das Besondere an dem Haus und entspreche auch seiner Tradition. Tatsächlich ist der Anteil der jüdischen Patienten auch schwer zu beziffern, denn niemand ist verpflichtet, über seine Konfession Angaben zu machen. Einen Zeitplan für die Bauarbeiten gibt es noch nicht; wahrscheinlich wird jedoch das Krankenhaus nicht als Bauherr für die Synagoge auftreten.

Zu der Benefizgala haben sich bekannte Namen angemeldet: Eberhard Diepgen hat die Schirmherrschaft übernommen; das musikalische Programm werden unter anderem die bekannte israelische Sängerin Chava Alberstein und der Pianist Vladimir Stoupel bestreiten.Karten für die Gala zum Preis von 75 bis 200 Mark können von Montag an unter der Telefonnummer 030-28 39 23 60 bestellt werden.

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