Berlin : Förster klagen über Falschparker Rettungswege werden auch an Seen blockiert

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Bei der Jagd nach einem Parkplatz, der möglichst nahe und bequem am Wasser liegt, vergessen viele Berliner im Sommer sämtliche Verkehrsregeln. Auf Straßen und Zufahrtswegen zu den Badestellen stehen sie Stoßstange an Stoßstange, kreuz und quer, im Wald und auf Wiesen. Die Ordnungsämter sind an heißen Tagen im Dauereinsatz. Sie verteilen Knöllchen und lassen abschleppen, wenn die Fahrzeuge die Durchfahrt für Rettungswagen versperren. Die Förster beklagen sich über Umweltverschmutzung – und erinnern an die hohe Waldbrandgefahr in diesen Tagen. Erst am Mittwochabend loderten wieder Flammen im Forst Grunewald auf 1000 Quadratmetern Fläche. Die Feuerwehr konnte den Qualm mit einem Hubschrauber entdecken und den Brand löschen. Die Polizei ermittelt; die Brandursache ist unklar.

Das Forstamt weist explizit auf die Gefahren hin, die von im Wald abgestellten Autos ausgehen. „Die Leute sollen nicht auf Gras oder trockenem Laub parken“, sagt Elmar Kilz vom Forstamt Grunewald. „Heiße Katalysatoren und Motoren könnten einen Brand auslösen.“ Trotz der Regenfälle in der vergangenen Woche seien die Böden schon wieder „rappeltrocken“. Das heißt: Keine Entwarnung fürs Parken in Wald und auf Wiesen – auch nicht nach dieser Nacht, in der sich die Regenwolken über Berlin entluden.

Ein weiteres Problem bei Wildparkern: Auslaufendes Öl verschmutzt das Grundwasser. Ärger machen Förster Kilz vor allem Wildparker an der Havelchaussee. „Die Leute parken sogar im Wald, ich hab schon einen Smart in einer Bushaltestelle gesehen.“

Auch die Ordnungsämter in den Bezirken klagen über falsch abgestellte Autos in der Nähe von Badestellen. Am Strandbad Rahnsdorf am Müggelsee musste neulich ein Querparker abgeschleppt werden, damit der Rettungswagen durchfahren konnte – auf dem Rückweg stand schon das nächste Auto im Weg. Vor dem Strandbad Wannsee blockieren oft Autos von Badegästen die Wendeschleife des Busses, in Spandau suchen die Parker vor allem die Uferpromenade am Glienicker See in Kladow heim und die kleine Badewiese an der Gatower Straße. Auch zum Ärger der vielen Anwohner, die nicht mehr nach Hause können: 60 Knöllchen muss das Spandauer Ordnungsamt an manchen Wochenenden schreiben. Dass die Wege frei zu halten sind, hat sich erst am Donnerstag wieder gezeigt: Da mussten Feuerwehr und Polizei mit Booten und mobilen Tauchinseln zum Ufer des Müggelsees ausrücken, weil ein 19-Jähriger ertrunken war (Seite 7).

Falschparken kostet 15 Euro, bei einer Behinderung oder im Waldgebiet sogar 25 Euro. Doch dabei bleibt es nicht immer. Beim Abschleppen werden 180 Euro plus eine Anzeige fällig – Geld, das viel besser in ein erfrischendes Eis oder einen kühlen Drink investiert werden könnte. Christoph Spangenberg

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