Folge 10: Schlaganfall : Damit der Schlag nicht trifft

Für rund die Hälfte aller Schlaganfälle ist eine Verengung der Halsschlagader die Ursache. Durch Operationen können Ärzte das Risiko für eine Durchblutungsstörung im Gehirn senken

Moritz Honert
Karotis

Was ist ein Schlaganfall?

Ein Schlaganfall ist eine plötzliche Durchblutungsverschlechterung im Gehirn. Dadurch wird das Organ nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Blutzucker versorgt und Nervenzellen können absterben. In etwa 45 Prozent der Fälle ist dafür eine Verengung der Halsschlagader die Ursache (s. nebenstehende, vergrößerbare Grafik). Diese kann durch Kalkablagerungen an der Wand der Ader ausgelöst werden oder durch ein aus dem Herzen stammendes und über die Blutbahn in das Gehirn gewandertes Blutgerinnsel.



Welche Symptome treten auf?

Ein Schlaganfall kann halbseitige Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen, Schwächeanfälle oder auch Sehstörungen zur Folge haben. Ob die linke oder die rechte Halsschlagader sich verengt, ist Zufall. In schweren Fällen wird der Patient bewusstlos und fällt ins Koma. Schlimmstenfalls führt ein Schlaganfall innerhalb von Minuten zum Tod. Die Symptome können wenige Sekunden bis mehrere Stunden andauern. Einem großen Schlaganfall gehen in rund 40 Prozent der Fälle kleinere Anfälle voraus. In jedem Fall sollte so schnell wie möglich Hilfe über die Notfallnummer 112 gerufen werden. Durch frühes Handeln lassen sich größere Hirnschläge oft vermeiden. In Berlin sind die Häuser Charité Benjamin Franklin und Mitte, Helios-Klinikum Buch, Unfallkrankenhaus Berlin und Vivantes Klinikum Neukölln und Friedrichshain von der Deutschen Schlaganfall-Hilfe als Spezialkliniken – sogenannte „Stroke Units“ – zertifiziert.



Wie viele Menschen sind betroffen?

In Berlin erleiden pro Jahr rund 6500 Menschen einen Schlaganfall, in Deutschland jedes Jahr rund 160 000. Etwa 24 000 davon werden an der Halsschlagader operiert. Christoph Albiker, Chefarzt der Gefäßchirurgie am Evangelischen Krankenhaus Hubertus in Zehlendorf, geht davon aus, dass die Zahl der Schlaganfälle in Zukunft steigt, weil die Menschen stetig älter werden und die Gefahr eines Anfalls mit dem Alter zunimmt. Von den rund 160 000 Betroffenen werden etwa 20 Prozent Dauerpflegefälle. Jeder dritte Patient stirbt sofort oder binnen eines Jahres. Ein Schlaganfall ist damit die dritthäufigste Todesursache in Deutschland, nach Herzkrankheiten und Krebs. Von den Überlebenden hat die Hälfte auch noch nach einem Jahr mit Einschränkungen zu kämpfen. Viele Patienten müssen alltägliche Handlungen wie Sprechen, Gehen, Lesen oder Schreiben komplett neu erlernen.

Welche Risikofaktoren gibt es?

Besonders riskant leben Raucher und Menschen mit hohem Blutdruck, hohen Blutfettwerten, Übergewicht und Diabetes. Dies sind die Hauptursachen für eine Gefäßverkalkung, die zu einer Verengung der Halsschlagader führen kann.



Welche Operationsmöglichkeiten gibt es?

Ist eine Schlagader verengt, gibt es drei Alternativen. Die älteste ist, die verengte Halsschlagader der Länge nach aufzuschneiden und die Ablagerungen an der Engstelle auszukratzen. „Diese Methode wird allerdings nur noch selten angewandt, weil die Ader nach der Operation mit einem Stück Kunststoff verschlossen werden muss, und die entstehenden Narben wiederum eine Verengung bewirken können“, sagt Christoph Albiker. Bei der zweiten Methode wird die Hauptschlagader durchtrennt und wie ein Hemdsärmel aufgerollt, bis man bei der Verengung angelangt ist und sie abschaben kann. „Der Vorteil ist, dass es selten zu einer erneuten Verengung und kaum zu Narbenbildung kommt und keine Fremdmaterialien eingesetzt werden müssen“, sagt Albiker. Ein dritte Möglichkeit ist die Behandlung mit einem so genannten Stent. Dabei handelt es sich um eine Drahtröhre, die von der Leistengegend über die Hauptschlagader in das Halsgefäß eingeführt und bis zur Verengung vorgeschoben wird. Diese Methode kommt häufig bei Menschen zum Einsatz, die keine Narkose vertragen. „Der Nachteil dabei ist, dass die Verstopfung durch den Stent nur plattgedrückt und nicht entfernt wird.“

Welche Gefahren birgt eine Operation?

Das kurzzeitige Abklemmen der Hauptschlagader verursache bei einem nicht vorgeschädigten Hirn keinen Schaden, sagt Albiker. Eine Gefahr bei den Standardeingriffen ist, dass ein Stück des abgelösten Gerinnsels ausgeschwemmt wird und so einen Schlaganfall auslöst. Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft warnt deshalb vor vorbeugenden Operationen, wenn die Verengung der Ader noch unter 70 Prozent liegt und noch keine Symptome verursacht hat. Anstelle einer Operation ist dann eine medikamentöse Behandlung mit blutverdünnenden Mitteln wie Aspirin oder blutfettsenkenenden Präparaten möglich.

Wo bekomme ich weitere Informationen?

Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, Telefon 01805/093093 (14 Cent/Min.), www.schlaganfall-hilfe.de. Weiter Informationen im Netz unter www.schlaganfall-info.de. Moritz Honert

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