Folge 14: Mehr Durchblick für Patienten : Lücken im Krankenkassen-Klinikführer

Die Techniker-Kasse hat ebenfalls einen Klinikführer veröffentlicht. Doch der Guide ist umstritten, denn er basiert auf Patientenbefragungen und weist zudem deutliche Lücken auf.

Ingo Bach

Wie informieren sich Patienten, bevor sie ein Krankenhaus für eine stationäre Behandlung auswählen? Am häufigsten bei ihrem Hausarzt, so das Ergebnis einer aktuellen Studie der Barmer Ersatzkasse. Auf Platz zwei folgen Zeitungen, Zeitschriften und das Internet.

Auch die Techniker-Krankenkasse (TK) hat kürzlich ihre Versicherten um ihre Meinung gebeten. Vier von fünf Befragten gaben an, sie würden für die Wahl eines Krankenhauses gern auf die Erfahrungen anderer Patienten zugreifen, jeder Zweite bevorzugte für diese Informationssuche das Internet.

Kein Wunder also, dass beide Kassen eigene Klinikführer-Projekte planen, die fast all das vereinen sollen, was auch der Klinikvergleich von Tagesspiegel und Gesundheitsstadt Berlin in den vergangenen drei Wochen als Zeitungsserie zu bieten hatte: laienverständliche Erklärungen von Klinikbehandlungen, Daten zur Behandlungsqualität und Patientenzahl sowie die Ergebnisse einer Patientenbefragung. Eine Umfrage unter einweisenden Ärzten, die beim Berliner Klinikvergleich die vierte Datensäule bildet, gehört noch nicht dazu.

Der Klinikführer, den die TK in dieser Woche vorstellte, basiert auf Ergebnissen der gesetzlich vorgeschriebenen Qualitätsberichte der Kliniken aus dem Jahr 2004 und einer Befragung von über 100 000 TK-Versicherten, die zum Jahreswechsel 2005/2006 in einer von 200 deutschen Kliniken behandelt wurden. Außerdem kooperiert die Kasse mit dem Hamburger Krankenhausspiegel, der Qualitätsdaten der Kliniken der Hansestadt im Internet veröffentlicht hat.

Unter den Krankenhäusern, für die die TK Ergebnisse der Patientenbefragung veröffentlichte, sind 22 aus Berlin – von insgesamt 71 in der Stadt. Die Charité, immerhin eine der ganz großen Kliniken in Berlin, fehlt in dieser Übersicht. Dies liege an dem geringen Rücklauf von verwertbaren Fragebögen, heißt es bei der Techniker-Krankenkasse. Aber auch andere Kliniken, wie die meisten Vivantes-Häuser, tauchen in der Patientenbefragungsliste nicht auf. Denn die Methodik schrieb vor, dass mindestens 300 TK-Versicherte in dem ausgewählten Zeitabschnitt 2005/2006 in dem jeweiligen Haus behandelt worden sein mussten, um ein statistisch belastbares Befragungserbegnis zu erhalten.

Trotzdem liegen auch für die nicht berücksichtigten Kliniken Ergebnisse einer Patientenbefragung vor, zumindest für die chirurgischen Abteilungen. Denn in der Befragung von über 4100 Chirurgiepatienten für den Berliner Klinikvergleich ist die Charité vertreten, ebenso wie weitere 31 Krankenhäuser.

Aber nicht nur wegen der Lücken ist die TK-Patientenbefragung umstritten. Inzwischen wurden schon die ersten Rankings mit den TK-Zahlen veröffentlicht. Doch die besten Kliniken Deutschlands aus den Daten herauszulesen, ist schwierig – abgesehen von dem grundsätzlichen Problem, dass sich so ein komplizierter von vielen Faktoren abhängender Prozess, wie eine Klinikbehandlung, anhand eines einzelnen Indikators kaum nach „den Besten“ ordnen lässt.

Zum einen hat die Kasse nur für zehn Prozent aller deutschen Kliniken Ergebnisse der Patientenbefragung veröffentlicht. Zum anderen kritisieren Berliner Klinikmanager das Umfragedesign. Es sei wenig aussagekräftig, wenn – wie für die meisten Häuser im TK-Klinikführer geschehen –, die Befragungsergebnisse nur für das komplette Krankenhaus vorliegen, nicht aber für jede einzelne Abteilung. Denn es gibt zwischen den Stationen in der Zufriedenheit große Unterschiede. Patienten von Augenabteilungen etwa gelten wegen des oft schnell sichtbaren Behandlungserfolges als zufriedener im Vergleich zu Kranken, die auf einer onkologischen, also auf die Behandlung von Krebs spezialisierten Station versorgt werden. Deshalb sei ein Vergleich auch nur zwischen den gleichen Fachabteilungen überhaupt fair.

Aus diesen Gründen hat die Kasse ihrem Klinikführer auch selbst ein Vorwort vorangestellt, dass sich die Daten nicht für ein Ranking eigneten – gleichzeitig aber eine Sortierfunktion in die elektronischen Tabellen eingebaut.

Eine zusammenfassende Darstellung der Befragung der Patienten der Berliner Chirurgien finden Sie im Internet unter

www.tagesspiegel.de/kliniktest (Tabelle 14: Patientenbefragung)

Den Klinikführer der Techniker-Krankenkasse im Internet unter www.tk-online.de

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