Folgekrankheiten : Selbstüberwachung

Diabetes verursacht regelmäßig schwere Folgekrankheiten Wer sich nicht beobachtet, dem drohen Augen- und Herzleiden

Hannes Heine

Warum neigen Diabetiker dazu, unter schweren Folgeerkrankungen zu leiden?


Diabetes ist eine Krankheit, bei der der Körper nicht ausreichend vom lebenswichtigen Insulin produziert oder diesen Stoff nicht mehr richtig nutzen kann. Insulin ist ein Hormon der Bauchspeicheldrüse, das für die Umwandlung von Zucker in Energie verantwortlich ist. Fehlt die nötige Energie auch nur vorübergehend, kann das bestimmte Körperfunktionen dauerhaft beeinträchtigen. Diabetiker haben vor allem für Durchblutungsstörungen ein hohes Risiko: Schlaganfälle, Nierenversagen, Erblindung, Amputationen, Herzerkrankungen und Nervenschäden. Hinzu kommt, dass Diabetes häufig lange unerkannt bleibt, da viele Symptome einzeln betrachtet unbedenklich erscheinen. Eine frühe Entdeckung von Diabetessymptomen und sorgfältige Überwachung kann die Wahrscheinlichkeit von Folgeerkrankungen minimieren. Deshalb sollten bei häufigem Harndrang, extremem Hunger, verschwommener Sicht und chronischen Wunden ein Arzt aufgesucht werden.

Was verursachen Durchblutungsstörungen auch bei Typ-1-Diabetikern?

Arterienverkalkung – die sich bei jedem Menschen mit zunehmendem Alter mehr oder wenig ausgeprägt entwickelt – läuft bei Diabetes, abhängig von der Qualität der Stoffwechsellage, sehr viel schneller ab. Verengungen und Schäden an den Blutgefäßen erhöhen das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen vor allem der Beine. Dies gilt insbesondere dann, wenn Diabetiker rauchen. Oft sind kleinere Gefäße, etwa im Unterschenkel, betroffen. Eine Therapie sei dort viel schwieriger als bei großen Blutgefäßen, da der Gefäßdurchschnitt klein und die Gefäßwand empfindlicher sei, erklärt der Spandauer Diabetes-Experte Albrecht Fießelmann. Auch Erektionsstörungen können auf Diabetes zurückgeführt werden.

Drohen Diabetikern Erblindungen?

Veränderungen in den Blutgefäßen drohen auch an den Augen und können die Versorgung der Netzhaut beeinträchtigen. Verschlüsse und Aussackungen kann ein Augenarzt meist gut erkennen. Eine mangelnde Durchblutung der Netzhaut kann zu brüchigen Gefäßen führen. Diese reißen leicht, was zu Einblutungen ins Auge führt, wodurch sich die Netzhaut ablösen kann, was schließlich den Verlust des Sehvermögens bedeutet. Ein unbehandelter Diabetes ist eine der häufigsten Ursachen für Erblindung in Europa. Zwar lässt sich auch im späten Stadium mit einer Laserbehandlung das Erblindungsrisiko senken. „Mindestens einmal im Jahr sollte man aber zur Kontrolle, da häufig schon behandlungbedürftige Veränderungen vorliegen, bevor Sehstörungen auftreten“, rät Fießelmann.

Wie wirkt sich Diabetes auf die Nieren aus?

In den Nieren schädigt überhöhter Blutzucker die kleinen Blutgefäßknäuel, was deren Filterwirkung beeinträchtigt. Als Frühzeichen einer Nierenschädigung gilt verstärkte Eiweißausscheidung. Droht völliges Versagen der Nieren, muss sich der Patient meist dreimal wöchentlich einer Blutwäsche – als Dialyse bekannt – unterziehen. Dazu ist ein mehrstündiger Praxisbesuch erforderlich, auch bei Urlaubsreisen. Langjährig erhöhter Blutzucker kann auch an den Nervenzellen seine Spuren hinterlassen: Betroffene berichten von Kribbeln oder Taubheit in Händen und Füßen. Hitze und Kälte wird undeutlicher wahrgenommen – vor allem wenn der Betroffene nicht auf Nikotin und Alkohol verzichtet.

Kennen Betroffene diese Risiken?

Einer internationalen Umfrage zufolge haben viele Diabetiker überraschenderweise kaum Angst vor Langzeitschäden. Ein langfristig überhöhter Blutzucker kann sich an praktisch jedem Organ auswirken. Immerhin drei von vier Diabetikern entwickeln im Laufe der Krankheit Komplikationen – diese recht hohe Zahl gilt allerdings für Patienten des Typs 2 der Krankheit. Hannes Heine

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