Formel E-Rennen in Berlin : Elektro-Flitzer sollen wieder auf die Karl-Marx-Allee

Das Formel E-Rennen soll wieder auf die Karl-Marx-Allee, trotz großen Widerstands. Das Lollapalooza hat einen neuen Standort.

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Und es qualmt doch, riecht aber nicht nach Benzin, wenn die Elektromotoren glühen.
Und es qualmt doch, riecht aber nicht nach Benzin, wenn die Elektromotoren glühen.Foto: Jens Büttner/dpa

Zwei Großevents gehen im nächsten Jahr wieder an den Start: Das Elektroautorennen Formel E und das Musikfestival Lollapalooza. Die Lollapalooza-Macher wollen ihren neuen Veranstaltungsort erst in den nächsten Tagen bekannt geben. Die Verhandlungen mit dem Eigentümer eines Privatgeländes seien in den letzten Zügen, sagt Lolla-Sprecher Tommy Nick. Die Formel E will ihre Strom-Flitzer wieder über die prominente Karl-Marx-Allee sausen lassen, plus Strausberger Platz und Teile der Lichtenberger Straße. Termin für das Rennen sei der 10. Juni 2017, sagt Ulrich Weingärtner vom Organisationsteam. Der Antrag auf Ausnahmegenehmigung zur Nutzung von öffentlichem Straßenland liegt seit zwei Tagen bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Bezirke protestierten vergeblich gegen das Autorennen

Die beteiligten Bezirke Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg, Umweltgruppen und viele Anwohner hatten im Frühjahr vergeblich gegen das erste Rennen auf der Karl-Marx-Allee protestiert. "Wir bleiben bei unserer Position", sagte der neue Bezirksbürgermeister von Mitte, Stephan von Dassel (Grüne). Man habe das Rennen parteiübergreifend abgelehnt. Die erheblichen Sperrungen an der Allee hätten den Leuten das Gefühl vermittelt, die Mauer sei zurück. Außerdem gehöre ein Autorennen nicht in die Innenstadt, auch wenn die Antriebsform ökologisch sinnvoll sei.

Beim Musikfestival Lollapalooza im Treptower Park wurden die Wiesen zertreten, größere Schäden gab es nicht.
Beim Musikfestival Lollapalooza im Treptower Park wurden die Wiesen zertreten, größere Schäden gab es nicht.Foto: Britta Pedersen/dpa

Beim alten rot-schwarzen Senat verfingen diese Argumente nicht. Die Senatskanzlei wollte den Veranstaltern, die wegen der Flüchtlingsunterbringung vom Tempelhofer Flughafengelände verdrängt worden waren, eine attraktive Alternative bieten. Die Karl-Marx-Allee gefiel diesen noch besser als das Tempelhofer Vorfeld; sie vermarkten das Rennspektakel als Werbung für die Energiewende im Verkehr. Die Autobauer nutzen die Formel E als Imageträger für ihre neuen Elektroautos. Mitten in der belebten Stadt funktioniert das besser als auf einer abgezäunten Betonfläche.

Rot-rot-grün könnte anders entscheiden als Rot-schwarz

"Mal sehen, ob die neue Koalition das auch so sieht", sagte von Dassel. Rot-rot-grün könnte dem Projekt deutlich kritischer gegenüber stehen. Thema bei den Koalitionsverhandlungen dürfte das Projekt allerdings nicht sein. Erst nach Erteilung einer Ausnahmegenehmigung kann die Prüfung des Veranstaltungskonzeptes beginnen. Die Genehmigung für die Neuauflage der Formel E sei keine Formalie, sagte eine Sprecherin der Senatsverkehrsverwaltung. Neben verkehrspolitischen Belangen würden auch „gesamtpolitische Interessen" abgewogen. Und die zuständigen Ämter in den Bezirken werden um Stellungnahmen gebeten.

Weingärtner ist "ganz optimistisch", dass es auch ein zweites Mal klappt. Man habe aus der Premiere im Mai gelernt, könne die Sperrungen reduzieren sowie Auf- und Abbau beschleunigen. Grundsätzlich habe man diesmal viel mehr Zeit, um die Anwohner auf das Event vorzubereiten. Zudem sollen interessierte Nachbarn und Passanten nicht mehr vor einem blickdichten Zaun stehen. "Wo es sicherheitstechnisch machbar ist, kann man an den Absperrzaun gehen und zuschauen" – ohne Eintritt zu bezahlen. Auf den Tribünen sollen noch mehr Menschen untergebracht werden können – am 21. Mai waren es 14 000. Die Tribünenplätze kosteten ab 18 Euro aufwärts. Zu den Preisen im nächsten Jahr sagte Weingärtner nichts – der Vorverkauf soll noch vor Weihnachten beginnen.

Lollapalooza im Treptower Park war einmalig

Der etwa zwei Kilometer lange Rundkurs war extra für die Elektro-Boliden saniert worden, auf Kosten der Veranstalter. Für die Bezirke fielen rund 340 000 Euro an Sondernutzungsgebühren ab. Auch die Stadtvermarkter von Visit Berlin rechnen sich Werbeeffekte aus. Genau wie beim Musikfestival Lollapalooza. Auch das Lolla musste das Tempelhofer Flughafengelände aufgeben. Im September zogen die Musikfans über den frisch sanierten Treptower Park. Eine Wiederholung komme nicht in Frage, erklärte der Bezirk Treptow-Köpenick – und die Veranstalter schauten sich nach einer neuen Bleibe um.

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