Berlin : Formel-Eins-Rennen durch den Tiergarten?

CHRISTIAN VAN LESSEN

BERLIN .Nach den Ravern der Love Parade werden vielleicht bald zwei Raser der Formel Eins die Straße des 17.Juni für sich haben: Michael Schumacher und Mika Häkkinen sollen am 9.August die Straße zur Rennstrecke machen.Die Fernsehproduktionsfirma MedienKontor, die Sabine Christiansen ARD-Talkshow produziert, hat dafür eine Genehmigung beantragt.Verkehrssenator Jürgen Klemann (CDU) hat Wohlwollen angedeutet, die Polizei prüft noch.Umweltsenator Peter Strieder (SPD) lehnt den Plan ab.

Christiansen will am 9.August in ihrer Show über das bevorstehenden Tabakwerbeverbot bei Auto-Rennen diskutieren.Zuvor will sie zwei Flitzer ins Rennen schicken - am liebsten Schumacher und Häkkinen.Die Fernsehfirma hofft, daß sich die prominenten Formel-Eins-Piloten zum Wettstreit einfinden und mit maximal 170 Kilometer pro Stunde durch den Tiergarten rasen, die Siegessäule in gemäßigtem Tempo umrunden, deutlich langsamer über Hofjägerallee, Stüler- und Budapester Straße rollen und vor dem "Kugelkino" haltmachen, in dem die ARD-Talkshow produziert wird.Die Polizei als Straßenverkerkehrsbehörde prüft noch, ob die Sicherheit für die Zuschauer - erwartet werden rund 75 000 - gewährleistet werden kann.

Stephan Clausen von der Christiansen-Produktionsfirma MedienKontor teilte mit, die Idee für das Rennen sei ursprünglich von der Firma Reemtsma gekommen, Sponsor von Formel-Eins-Rennen.Mercedes/McLaren habe bereits zugesagt, um Ferrari und Schumacher bemühe man sich noch.Es sei vorgesehen, mit den Vorbereitungen des Rennens auf dem Pariser Platz zu beginnen, die beiden Fahrzeuge dann als "symbolischen Akt" im Schrittempo durch das Brandenburger Tor rollen zu lassen und mit dem Start dann in gehörigem Abstand vom Tor aus zu beginnen.

Man wolle die Fahrzeuge nicht einfach auf die freie Strecke schicken, sondern auch noch Schikanen aufbauen.Das Rennen, in dessen Planung der ADAC eingebunden sei, werde jedenfalls "ernsthaften Wettbewerbscharakter" haben, und die Veranstalter würden sämtliche Sicherheitsauflagen erfüllen, beispielsweise Schutzgitter und Prellbande aufstellen und für Sicherheitspersonal auf der 4,2 Kilometer langen Strecke sorgen.Clausen sprach von einem "Ereignis für die Stadt", das zwar mit ohrenbetäubendem Lärm verbunden sei, für die Zuschauer aber Spaß bedeute, der allerdings nur vier Minuten dauere.Man wolle das Projekt erst vorstellen, wenn beide Rennteams zugesagt hätten.Es bestehe die Gefahr, daß vorab vieles zerredet und die Teilnahme der Rennfahrer fraglich werde, womit sich Berlin einen "gewissen Bärendienst" erweisen könnte.

Staatsekretär Ingo Schmitt aus der Verkehrsverwaltung sieht in der geplanten Veranstaltung eine seltene Gelegenheit für Berliner, Formel-Eins-Rennwagen nicht nur im Fernsehen, sondern in Wirklichkeit kennenzulernen.Es bereite keine Schwierigkeiten, die von den Veranstaltern beantragte Strecke vorübergehend zu sperren.Die Sicherheit müßte im Vordergrund stehen.Über die geplante Geschwindigkeitsollte man wohl noch reden.Er könne sich zwar 170 Kilometer pro Stunde auf der Straße des 17.Juni vorstellen, doch dann hätten die Zuschauer wenig zu sehen und der Show-Effekt ließe sich kaum erzielen.Im übrigen sollte man bei der Berichterstattung über dieses Vorhaben "an Weltstadt denken".

Umweltsenator Strieder sieht das anders: "Die Stadt darf nicht zur Kulisse von privaten Profit-Interessen degradiert werden".Eine Ausnahmegenehmigung von der Lärmschutzverordnung werde vermutlich nicht erteilt.Tiergartens Baustadtrat Horst Porath, jahrelanger Kritiker der Love Parade im Tiergarten, zeigte sich gelassen: "Was sollen die beim Rennen kaputtmachen?" Durch die Straßensperrungen werde der Große Tiergarten sogar vom Verkehr entlastet.

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