Berlin : Forsa-Chef Manfred Güllner

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Offensichtlich ernährt das Geschäft mit der Meinungsforschung seinen Mann. Nicht eben hager sitzt er mir da gegenüber in seinem Berliner Büro in Mitte, ein großer Kopf, kurze Haare, Brille ohne Rand. Mit knappen, klaren Aussagen erklärt er sein Leben und sein Metier. Nach dem Krieg hatte es die Familie aus Remscheid nach Nordhessen verschlagen. Das Dorf heißt Mengeringhausen, die Stadt dazu Arolsen. In der Elektrofabrik dort gab es Arbeit für seinen Vater. Damals war es eine Hochburg der Nazis, und mit den Heimkehrern kam die NPD nach dem Krieg wieder auf bis zu 20 Prozent der Stimmen.

Der Direktor seiner Schule dagegen war ein aktiver Sozialdemokrat. Da ortet Manfred Güllner die Wurzel für sein unverändert hohes Interesse an Politik. So wurde er der jüngste Abgeordnete – für die SPD – im Rat der Stadt Köln. Gar kein Interesse dagegen hatte er für Sport. Da hält er es mit Churchill: No sports! Dafür liebte er das Fotografieren. Einen Preis gab es für eine Reportage über Ost- und West-Berlin im Jahr 1958. Da wusste er noch nicht, dass er viele Jahre später ein respektables Unternehmen in dieser Stadt besitzen und führen würde, mit 70 festen Mitarbeitern, einem Pool von 1200 freien Befragern und einem Umsatz von rund neun Millionen Euro. Allein die Telefonkosten machen im Jahr gut 400 000 Euro aus.

Die Erklärung: Forsa gehört zu den Pionieren, die das – computergestützte – Telefon-Interview zur Erforschung von Meinungen eingeführt haben. Der enorme Vorteil für seine Kunden: Sie erhalten die Ergebnisse ihrer Befragungen innerhalb weniger Tage. Das hat 1985 schon den „Stern“ begeistert und bis heute zu einem treuen Kunden gemacht. Heute nutzt das Institut auch das Internet.

Mit Meinung verdient Forsa nun schon seit 21 Jahren Geld und genießt breite Aufmerksamkeit. Vor allem wegen der Wahlforschung, auch wenn sie kaum ein Fünftel zum Umsatz beiträgt. Die weit wichtigeren Geschäftsfelder sind die Medienforschung für die großen TV-Anstalten und Verlage und Marktforschung quer durch die Wirtschaft.

Gelernt hat der angewandte Sozialforscher sein theoretisches und methodisches Handwerk zunächst als Student der Soziologie und wissenschaftlicher Mitarbeiter in Köln, als leitender Mann bei Infas (Institut für angewandte Sozialforschung) und als Chef des Statistischen Amtes in Köln. In Berlin, wo er nun schon seit 1991 „sitzt“, fühlt er sich weit wohler als vorher in Dortmund. Hier hat er wieder viel Kontakt zur Wissenschaft. Von seiner Wohnung im 4. Stock blickt er durch ein übergroßes Fenster auf das Charlottenburger Schloss. Für eine Erforschung seiner eigenen Meinung zur aktuellen politischen Lage hatten wir keine Zeit mehr. Das Engagement von seinem Freund Gerhard Schröder bei Gazprom findet er aber in Ordnung.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

Manfred Güllner (64)

ist Diplom-Kaufmann und Honorarprofessor an der FU. Er ist geschäftsführender

Gesellschafter des Markt- und Meinungsforschungsinstitutes

Forsa.

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