Berlin : Forsche Pläne für morsche Karussells

Studenten wollen den verwaisten Spreepark im Plänterwald übernehmen Ein Teil soll Biotop bleiben, ein anderer Teil für die Besucher zugänglich sein

Steffen Hudemann

Es begann mit einem Seminar in Berlin und einem Ausflug am freien Tag. Im vergangenen September spazierten vier Studenten durch den Treptower Park, als sie ein kleines Paradies entdeckten. Direkt an der Spree sahen sie, wie sich die Natur ihr Land zurückholte. Gräser und Büsche wucherten ungestört über rostige Pfähle und morsche Planken, die früher zu Karussellen gehörten. Graureiher zogen ihre Bahnen. Seit mehr als fünf Jahren liegt der ehemalige Spreepark im Plänterwald brach, mehrere Versuche, Investoren zu finden, scheiterten. In dieser Zeit ist aus dem alten Vergnügungspark ein Biotop geworden.

Die Studenten des Fernstudiengangs Permakultur an der privaten Akademie Huntlosen in Niedersachsen hatten an jenem Tag im September eine Idee: Im Plänterwald soll eine Bildungsstätte für Permakultur, eine Form ökologischer Landwirtschaft, entstehen. Aus der Idee wurde eine Projektarbeit, aus der Projektarbeit ein ernsthafter Plan. Heute Abend um 19 Uhr wollen die Studenten diesen im Rathaus Treptow (Neue Krugallee 4) vorstellen. „Für eine kommerzielle Nutzung ist das Gelände ohnehin nicht mehr zu gebrauchen“, sagt Daniel Enstler, einer der Initiatoren. Die Studenten wollen dagegen die vorhandenen Strukturen nutzen. Außer einigen Reparaturarbeiten müsse nichts verändert werden, sagt Enstler. Die Schaustellerfamilien, die noch immer im alten Westerndorf auf dem Gelände leben, haben die Studenten offenbar schon überzeugt. Seit einer Woche sind die Öko-Enthusiasten dort zu Gast und malen sich aus, wie es werden könnte. Die Gebäude sollen für Lehrbetrieb, Mensa und Studentenwohnheim genutzt werden. Ein Teil des Parks soll Biotop bleiben, ein anderer für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das Riesenrad soll sich wieder drehen. Die Pläne, die manche naiv nennen, bezeichnet Enstler als „Demokratie von unten“.

Doch damit die Visionen Wirklichkeit werden, müssen noch einige Hindernisse überwunden werden: Das Gelände ist im Bebauungsplan des Bezirks als „Festspielplatz“ geführt und müsste umgewidmet werden. Noch schwerer wiegt, dass das Grundstück seit der Insolvenz des letzten Betreibers mit einer Grundschuld in Höhe von elf bis zwölf Millionen Euro belastet ist. „Diese Schulden kann man sich nicht wegträumen“, sagt Irina Dähne, Sprecherin des Liegenschaftsfonds Berlin. Deswegen wären in den vergangenen Jahren schon einige Investoren abgesprungen. Zuletzt scheiterten Verhandlungen des Senats mit den Betreibern des Tivoli aus Kopenhagen, die den Park gern übernommen hätten. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Gläubigerbanken aus reiner Menschenfreundlichkeit auf ihre Forderungen verzichten“, sagt Dähne. Genau darauf scheinen die Studenten aber zu hoffen. Denn einen Investor haben sie nicht in der Hinterhand. Man habe sich mit dem Hauptgläubiger, der Deutschen Bank, in Verbindung gesetzt, sagt Daniel Enstler. Vielleicht werde die Bank jemanden zur Info-Veranstaltung entsenden. Und vielleicht ist es ein Menschenfreund.

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