Forschung : Berlin will Wissen schaffen

Die Hauptstadt soll nach dem Willen des Senats in den kommenden Jahren zu einer führenden internationalen Wissenschaftsregion ausgebaut werden. Bis 2011 sollen mehr als 300 Millionen Euro zusätzlich investiert werden.

FU-Rostlaube
Symbol für Neues am Wissenschaftsstandort Berlin: Bibliothek der Freien Universität in Dahlem. -Foto: Thilo Rückeis

BerlinDie Hauptstadt soll nach dem Willen des Senats in den kommenden Jahren zu einer führenden internationalen Wissenschaftsregion ausgebaut werden. Das sieht ein Masterplan vor, den der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und Bildungssenator Jürgen Zöllner (beide SPD) vorgestellt haben. Wowereit erklärte die Umsetzung des Plans zu einem der Schwerpunktthemen der Legislaturperiode. Die Stärkung Berlins bedeute auch eine Stärkung für Deutschland, sagte Zöllner. Der Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften Günter Stock betonte, dass Berlin eine der wenigen Städte sei, die für ein derart ambitioniertes Vorhaben bereits einen Finanzierungsplan hätten. Insgesamt sollen bis 2011 mehr als 300 Millionen Euro zusätzlich in das Vorhaben investiert werden.

Der Plan sieht vor, dass zwischen 2008 und 2011 zusätzliche Haushaltsmittel in Höhe von 185 Millionen Euro in die Bildungs- und Forschungsoffensive gesteckt werden. Hinzu kämen rund 100 Millionen Euro, die die Bundesregierung aus Exzellenzinitiativen und dem Hochschulpakt zur Verfügung stelle, sowie weitere 18 Millionen Euro aus einem speziellen Fonds. Ziel des Masterplans ist es, Spitzenforscher nach Berlin zu holen und den Nachwuchs in der Stadt zu halten. Bis zum Ende des Jahres soll über die ersten Investitionsvorhaben entschieden sein.

Mehr Juniorprofessuren

An Universitäten und Hochschulen sollen den Angaben zufolge weitere Juniorprofessuren eingerichtet werden. Ältere Professoren sollen länger an den Hochschulen gehalten werden, ohne dabei auf die frühzeitige Nachfolgebesetzung der Lehrstühle zu verzichten. Zudem sei geplant, den Anteil von Frauen in der Forschung zu erhöhen. Das Papier sieht weiter vor, die Zahl der Studienanfängerplätze um 1000 auf jährlich 20.500 zu erhöhen. Dafür stünden zehn Millionen Euro bereit.

Nach Angaben Wowereits hängt der wirtschaftliche Erfolg der Stadt entscheidend von Investitionen in Ausbildung und Forschung ab. Zwar stünden die Hochschulen Berlins in internationalen und nationalen Rankings gut da, doch seien in Zukunft noch weitere Anstrengungen nötig, sagte er. Dazu gehöre auch die Einrichtung eines Wissenskollegs, das mit halbjährlichen Tagungen die Umsetzung des Plans begleiten soll. Wowereit kündigte zudem an, dass Berlin einen mit insgesamt 50.000 Euro dotierten Wissenschaftspreis auflegen werde. Mit ihm sollten Spitzen- und Nachwuchsforscher ausgezeichnet werden.

"Risikokapital" für Spitzenforschung

Zöllner fügte hinzu, dass der Masterplan auch vorsehe, mit "einer Art Risikokapital" Forschungsprojekte zu fördern, die erst in den kommenden Jahren Spitzenleistungen erbrächten. Zudem könnten mit den Mitteln zukünftig vermehrt international renommierte Forscher mitsamt teurer Erstausstattungen an Berlin gebunden werden. Er könne sich zudem vorstellen, dass ausgewählte Spitzenforschung aus unterschiedlichen Hochschulen in neuen Institutionen zusammengefasst werde, ohne in ihnen aufzugehen. "Auch die Charité ist die Tochter zweier Universitäten", sagte der Senator.

Stock betonte, dass über die Mittelverteilung allein die Qualität der einzelnen Projekte und nicht der Proporz entscheiden dürfe. Zudem dürfen nach seiner Einschätzung die Fachhochschulen in Berlin nicht vergessen werden. (mit ddp)

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