Berlin : Forschung mit tödlichen Viren

Das Robert-Koch-Institut will in Wedding für 20 Millionen Euro ein Hochsicherheitslabor bauen

Ingo Bach

Mitten im dicht besiedelten Wedding soll ein Hochsicherheitslabor zur Erforschung von tödlichen Krankheitserregern entstehen. Die Planungen für die wissenschaftliche Einrichtung, die zu dem in Berlin beheimateten Robert-Koch-Institut (RKI) gehören wird, stehen unmittelbar vor dem Abschluss. Im Jahr 2007 soll das Labor seine Arbeit aufnehmen, sagte RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher. Dann gäbe es in Berlin neben Hamburg und Marburg ein drittes derartiges Labor mit der höchsten Sicherheitsstufe. Dort können Wissenschaftler solche gefährlichen Erreger wie Ebola, Milzbrand oder auch Sars erforschen.

Das Labor, das mit zahlreichen Anlagen dagegen gesichert werden soll, dass die gefährlichen Erreger nach draußen gelangen, wird Teil eines neuen Komplexes des Robert-Koch-Institutes an der Seestraße in unmittelbarer Nähe des Virchow-Klinikums der Charité sein. Allein das Hochsicherheitslabor soll rund 20 Millionen Euro kosten, finanziert aus dem Bundeshaushalt.

Die Sicherheitsvorschriften für ein solches Labor der höchsten Risikostufe „L4“, von denen es weltweit nur wenige gibt, sind sehr streng. Dazu zählen Luftschleusen, autarke Ver- und Entsorgungskreisläufe und ein ständiger Unterdruck im Labor, um das Entweichen von Luft zu vermeiden. „So wird sichergestellt, dass keine Unfälle passieren“, sagt RKI-Sprecherin Glasmacher. Außerdem sind Notfallpläne für den Einsatz der Feuerwehr erforderlich. Die Anwohner sollten im Ernstfall schnellstens evakuiert beziehungsweise geimpft werden können.

Die Sicherheitsvorkehrungen muss das Berliner Landesamt für technische Sicherheit (Lagetsi) genehmigen. Das sei frühestens im Sommer zu erwarten, heißt es aus der zuständigen Senatsgesundheitsverwaltung.

„Völlig ungeeignet“ nennt die verbraucherschutzpolitische Sprecherin der Berliner Grünen, Claudia Hämmerling, den Standort, gerade wenn es um Vorkehrungen gegen terroristische Angriffe oder Flugzeugabstürze gehe. Dies sei nur auf einem weiträumig abgeschirmten Gelände möglich.

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