Fortbewegung : Gehen ist im Kommen

Die Berliner laufen viel und fahren weniger Auto als noch vor zehn Jahren. Während der Autoverkehr um sieben Prozent zurückgegangen ist, haben die zu Fuß zurückgelegten Wege um über vier Prozent zugenommen.

Klaus Kurpjuweit

 Auch beim umweltfreundlichen Fahrradfahren gab es eine Zunahme um drei Prozent. Eine Haushaltsbefragung der TU Dresden hat ergeben, dass im vergangenen Jahr 30,9 Prozent aller Wege in der Stadt mit dem Auto erfolgten, 29,8 Prozent wurden zu Fuß absolviert, 26,2 Prozent mit Bahnen und Bussen und 13,1 Prozent per Rad.

Dies zeige, dass man in Berlin besser denn je auch ohne Auto mobil sein könne, sagte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD). Der Senat will in den kommenden Jahren vor allem die Wege für Radler und Fußgänger ausbauen; trotz des Rückgangs bei den Autofahrten hält die Senatorin aber auch am Bau der Stadtautobahn vom Dreieck Neukölln zum Treptower Park fest. Hierdurch würden Wohnstraßen weiter entlastet, argumentiert Senatorin Junge-Reyer.

Der Autoverkehr in Berlin ist auch relativ gering, weil es hier mit die wenigsten Autos aller Großstädte in Deutschland gibt. Pro tausend Einwohner gibt es in Berlin nach der Statistik 358 Autos, aber 721 Fahrräder. 45 Prozent aller Haushalte sind ohne Auto. In München haben dagegen mehr als 610 von 1000 Einwohnern ein Auto, deutschlandweit sind es rund 570 – mit steigender Tendenz.

Die Autos auf den Berliner Straßen sind zudem nur schwach besetzt. Statistisch sitzen 1,3 Personen in jedem Fahrzeug. Die meisten Wege werden zum Einkaufen zurückgelegt, gefolgt vom Freizeitverkehr. Erst dann folgen die Strecken zum Arbeitsplatz; ein Indiz für die hohe Arbeitslosigkeit in der Stadt.

Um den Anteil des öffentlichen Verkehrs weiter zu steigern, schlägt der Deutsche Bahnkunden-Verband vor, eine Jahreskarte zum Preis von 75 Euro pro Monat für den gesamten Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) einzuführen. Vorbild ist die Seniorenkarte für über 65-Jährige zum Preis von 45 Euro, von der über 50 000 Abos verkauft worden seien. 

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar