Fortschritt : Moderne Nationalgalerie: Tickets aufs Handy

Berliner Attraktionen gestalten ihren Service immer moderner. Bestes Beispiel ist die Neue Nationalgalerie - dort bekommt man sein Ticket jetzt aufs Handy.

Marion Schierz
291541_3_xio-fcmsimage-20090802215627-006000-4a75ef6b7c093.heprodimagesfotos831200908031112840.jpg Foto: Kai-Uwe Heinrich
Schöner warten. Immer mehr Museen schaffen es, das Schlangestehen für Touristen, wie seinerzeit bei den »schönsten Franzosen« an...Foto: Kai-Uwe Heinrich

Die Neue Nationalgalerie in Berlin wird seit den spektakulären Warteschlangen vor dem Eingang zu ihrer Schau des Museums of Modern Art (MoMA) vor fünf Jahren immer erfinderischer. Damals wurde den wartenden Besuchern mit Erläuterungen von Kunststudenten die Zeit verkürzt. Bei der Ausstellung des Metropolitan Museum „Die schönsten Franzosen kommen aus New York“ vor zwei Jahren wurden die Interessenten dann schon per SMS benachrichtigt, wann sie an der Reihe sind.

Für die aktuelle Schau „Bilderträume. Die Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch“ können sich die Kunstfreunde die Tickets nun gleich auf ihr Handy holen. Dazu müssen sie auf einem Poster oder Flyer zur Ausstellung ein kleines Rechteck – den Barcode – abfotografieren, erläutert André Odier vom Verein der Freunde der Nationalgalerie.

Dann öffnet sich ein Browserfenster, das Ticket kann ausgewählt und mit der Kreditkarte bezahlt werden. Dem folgt eine Bestätigungs-SMS mit persönlicher Einlassnummer, womit die Aufsicht sofort Einlass gewährt. Von dieser Variante machen vor allem junge Leute Gebrauch, sagt Odier und betont, dass der „gute, alte Kartenverkäufer“ natürlich dadurch nicht überflüssig werde. Schließlich sei das nach wie vor ein wichtiger Service.

Modern ist auch der Internet-Auftritt zur Pietzsch-Ausstellung. „Es gibt mehr zu hören als zu lesen“, freut sich Odier. Der Nationalgalerie-Direktor Udo Kittelmann begrüßt die Homepage-Besucher mit einem Film. In einem anderen Video können die Kunstinteressierten im Wohnzimmer des Sammlerehepaares Pietzsch im Grunewald – virtuell natürlich – Platz nehmen. Im Plauderton erzählen sie über ihre hochkarätige Kollektion der Klassischen Moderne, in die noch bis 22. November Einblick in der Neuen Nationalgalerie gewährt wird.

Den Kern der Privatsammlung, die das Paar in über 40 Jahren zusammentrug, bilden Werke des Pariser Surrealismus. Die Ausstellung umfasst rund 180 Arbeiten, die erstmals in diesem Umfang öffentlich präsentiert werden. „Unsere Sammlung sieht in der Nationalgalerie ganz anders aus als bei uns zu Hause“, sagen Ulla und Heiner Pietzsch. „Wir kommen oft hierher.“ Sie brauchen natürlich kein Ticket.

Dafür hat der Berliner Fernsehturm die SMS-Benachrichtigungsidee des Vereins der Neuen Nationalgalerie übernommen. „Auf dieser Grundlage haben wir ein Ticketsystem entwickelt, das wir seit vergangenem Oktober anwenden“, sagt der Kaufmännische Direktor des Turms am Alexanderplatz, Bernd Ziegler. Die Tickets haben Nummern, die auf einem Bildschirm angezeigt werden. Beträgt die Wartezeit mehr als 30 Minuten, können sich die Besucher durch eine SMS informieren lassen, wann sie an der Reihe sind. Früher standen Berliner und Touristen vor allem in der Ferienzeit bis zu zwei Stunden vor dem 368 Meter hohen Wahrzeichen an, sagt Ziegler. Schließlich dürfen aus Sicherheitsgründen nur maximal 320 Menschen in der Kugel verweilen.

Darüber hinaus gibt es die Variante, ein sogenanntes VIP-Ticket zu erwerben – auch ein bisschen abgeschaut von den Freunden der Nationalgalerie. Für 19,50 Euro statt für den regulären Eintrittspreis von 10 Euro kann man sofort auf den Turm – inklusive Audioguide. Das VIP-Ticket kann im Internet gebucht werden. Insgesamt besuchen Ziegler zufolge im Durchschnitt 1,1 Millionen Besucher jährlich den Fernsehturm.

Die Staatlichen Museen zu Berlin (SMB) sind gerade dabei, ihr Ticketsystem zu reformieren. Zur Eröffnung des Neuen Museums im Oktober sollen die Eintrittskarten für alle SMB-Einrichtungen online zu buchen sein, kündigte der Leiter des Besucherdienstes, Christoffer Richartz, an. Darüber hinaus werde auf ein System zurückgegriffen, das bereits zur großen Ausstellung „Babylon. Mythos und Wahrheit“ im vergangenen Jahr im Pergamonmuseum getestet wurde. Die Besucher können Karten für ein bestimmtes Zeitfenster buchen, um lange Wartezeiten zu vermeiden. Aber auch bei den Staatlichen Museen wird es parallel den normalen Kartenverkauf geben.

Ein besonderes Ticket-Arrangement hat sich die Berliner Dependance der Nolde-Stiftung Seebüll ausgedacht. Unter dem Motto Art & Lunch können die Museumsbesucher nach oder vor dem Kunstgenuss ein Zwei-Gänge-Menü im nahe gelegenen Restaurant „Fischers Fritz“ im Hotel „The Regent Berlin“ genießen. Diese Kombination werde vor allem als Geschenk gebucht, sagt Kurator Jörg Garbrecht. Manchmal kommen auch komplette Geburtstagsgesellschaften. Marion Schierz

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