Berlin : Fortsetzung erfolgt

Der HipHop-Film „Status Yo!“ hatte für einige der Darsteller aus Kreuzberg ungeahnte Folgen

Judith Jenner

Sie kiffen, sprayen und rappen im wahren Leben genauso wie auf der Leinwand. Die Protagonisten des HipHop-Films „Status Yo!“, der zurzeit in den Kinos läuft, sind junge Erwachsene aus Kreuzberg, Neukölln und Prenzlauer Berg, für die Rap-Musik und Graffiti ihr Leben bedeutet. Ihre Biografien dienten dem 33-jährigen Regisseur Till Hastreiter als Vorlage für seinen Episodenfilm. Doch auch nach Abschluss der Dreharbeiten gehen die Geschichten von Sassion, Vern, Sera, Jamie, Yesmin und den anderen weiter.

So schildert ein Handlungsstrang die Suche eines Jungen nach seinem Vater. „Tatsächlich hat sich der Vater eines Darstellers gemeldet, als der Film in die Kinos kam“, sagt Hastreiter. Den zehn und zwölf Jahre alten Brüdern Hassan und Maradonna, die im Film an einer Tankstelle eine Breakdance-Show liefern, droht in einigen Monaten die Abschiebung. Und bei Sera, der im Film immer wieder aus seiner Wohnung fliegt, stand vor kurzem wirklich um ein Haar der Gerichtsvollzieher vor der Tür. Yesim wird als einzige Protagonistin von einer Schauspielerin, Selda Kaya, gespielt. Die echte Yesim wird von ihrem Vater bis heute verfolgt.

Auf einer Tour haben die Berliner den Film in 15 deutschen Städten gezeigt. „Wenn man nach der Vorstellung um Autogramme gebeten wird, ist das schon befremdlich“, sagt der 29-jährige Sassion. In Berlin werden er und seine Kumpels auf der Straße erkannt. „Die Reaktionen sind durchweg positiv, in den Feuilletons genauso wie in der Szene“, sagt Regisseur Till Hastreiter. Außer Ruhm und Ehre hat ihm „Status Yo!“ einen Berg Schulden und sehr viel Arbeit eingebracht. Drei Jahre haben Recherche, Dreh und Postproduktion gedauert. Till Hastreiter hat sogar zeitweise in einem besetzten Haus gelebt, um die Miete zu sparen. „Wahrscheinlich muss ich erst einmal etwas Mainstream machen, um zu Geld zu kommen“, sagt er. Sera wird im Frühjahr sein erstes Soloalbum rausbringen. Auch Vern, im Film der Aufschneider, macht momentan im Studio Musik. „Die Berliner HipHop-Szene ist heute viel mehr miteinander verwoben als noch vor einigen Jahren“, sagt Sera. Seit der gemeinsamen Tour gibt es Anfragen für Auftritte der „Status Yo!“-Crew aus ganz Deutschland.

„Status Yo!“ läuft im Central, High End 54, Rollberg-Kino und Sputnik.

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