Berlin : Fortsetzung folgt

Ab Donnerstag führt ein neues Teilstück der A113 bis Adlershof. Wir waren jetzt schon drauf

Stefan Jacobs

Wie fühlen sich 130 Millionen Euro an? Die Skater werden es erfahren, wenn sie am Sonntag als Erste auf die neue Autobahn 113 zwischen Späthstraße und Adlershof dürfen. Am Donnerstag wird die 4660 Meter lange Strecke am Teltowkanal für den Autoverkehr freigegeben,die die chronisch verstopften Ausfallstraßen im Berliner Südosten entlasten soll.

Nüchtern betrachtet führen die sechs Spuren plus Standstreifen einfach geradeaus. Bauleute hieven eine riesige „Schönefeld“-Tafel auf eine Schilderbrücke. Zwischen offenen Gullydeckeln und orange gewandeten Vermessern rauscht ein Rennradler vorbei, der sich durch die Absperrung geschlichen hat. Über die Gegenfahrbahn rollt eine Polizeistreife, unter einer Brücke pinselt ein Maler die Betonkante an. Bei Tempo 80 ist nach vier Minuten Fahrt zwischen Schallschutzwänden die Anschlussstelle Adlershof erreicht. Kurz hinter der Abfahrt führt die Fahrbahn über den Kanal, dann bricht sie ab und gibt den Blick auf Sandberge und zwei halb fertige Tunnelröhren frei: die Durchquerung der Rudower Höhe. Von hier ist schon fast der Flughafen Schönefeld zu sehen. Die Verlängerung dorthin soll Ende 2007 freigegeben werden – und ist in den 130 Millionen nicht enthalten.

Roland Wittig sieht mehr als nur Beton und Schallschutzwände. Als Projektleiter weiß er, wo das Geld steckt. Wittig ist ein unaufgeregter, schmaler Mann, dessen Habitus eher an einen Feinmechaniker erinnert als an einen Bauingenieur. „Die eigentliche Straße kostet nur 15 Millionen“, sagt der 59-Jährige. Oben 25 Zentimeter Beton, darunter eine 20 Zentimeter dicke Trag- und Frostschutzschicht und ganz unten zehn Zentimeter Asphalt.

Wittig bittet durch eine Tür in der Schallschutzwand. Neun Meter ist das Bauwerk hier nahe der Johannisthaler Chaussee hoch – mehr als doppelt so viel wie die Mauer, die bis 1990 genau hier an der Grenze zwischen Treptow und Neukölln stand. Die neue A 113 verläuft auf dem Todesstreifen – zum Kummer der Anwohner, die den nach der Wende entstandenen Grünzug schätzen gelernt hatten.

Wittig macht auf die halbrunden Hölzer an der Wand aufmerksam: „Lärchenkernholz, das ist besonders haltbar.“ Später sollen sich Pflanzen daran hochranken. Der obere Teil der Wand und die Abschnitte auf Brücken sind aus Plexiglas, damit die neue Mauer nicht so schlimm aussieht wie die alte. Sie soll den Krach von täglich 140000 Autos schlucken. Der Dreck, soweit er nicht in die Luft geht, läuft durch Bodenfilter, die so gut sein sollen, dass das Regenwasser von der Autobahn am Ende den Teltowkanal reinigt: Nachdem in einem Vorklärbecken Öl und fester Schmutz entfernt werden, sickert das Wasser durch eine mit Schilf bepflanzte Reinigungsschicht. Sechs solcher millionenteuren Filter gibt es entlang der neuen Autobahn. Das meiste Geld aber, sagt Wittig, sei für den Ankauf von Grundstücken ausgegeben worden: über 40 Millionen Euro dürften es sein. Davon, dass die Autobahn sich so breit macht, profitieren aber auch die Radfahrer: Im Frühjahr wird ein parallel verlaufender Radweg eröffnet.

Skater-Rennen: So., 11 Uhr, Adlershof

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