Forum Museumsinsel : Berlins exklusivste Immobilie wird bezogen

Es ist das größte und ungewöhnlichste Immobilienprojekt der Berliner Innenstadt: Acht historische Bauten werden im Forum an der Museumsinsel neu belebt. Ein Rundgang mit dem Investor Ernst Freiberger.

Alfons Frese
Zu vermieten. Eine der kostspieligeren Wohnungen im neuen Forum Museumsinsel - mit Rundumblick auf die Spree, den Fernsehturm, den Monbijou-Park und das Bode-Museum.
Zu vermieten. Eine der kostspieligeren Wohnungen im neuen Forum Museumsinsel - mit Rundumblick auf die Spree, den Fernsehturm, den...Foto: Mike Wolff

Vielleicht wird der Perfektionist niemals fertig. Und der Unternehmer, der immer etwas Neues auf den Weg bringen muss, um im Geschäft zu bleiben, auch nicht. Eigentlich ist Ernst Freiberger mit 65 Jahren im passenden Alter, um auf Golfplätzen kleine weiße Bälle in kleine dunkle Löcher zu befördern. Doch dafür sei er viel zu ungeduldig, sagt Freiberger über Freiberger. Stattdessen widmet sich der Bayer aus Amerang mit preußischer Disziplin einem der „wichtigsten Projekte zur Entwicklung der Mitte“, wie Klaus Wowereit einst die Wiederbelebung des Forums an der Museumsinsel charakterisiert hat. Die Mitte Berlins.

In seiner mehr als 200-jährigen Geschichte war das Areal zwischen Spree und Oranienburger Straße, Monbijoupark und Tucholskystraße ein Standort der Kommunikation und der Wissenschaften. Und nun? Ende 2017, nach mehr als zehnjähriger Planungszeit und Sanierung sind ein paar hundert Millionen Euro verbaut. Jedes der acht denkmalgeschützten Gebäude bekommt eine neue Funktion. „Ich finde es spannender, bei einem Objekt seine historische Substanz zu erhalten und einer zeitgemäßen Nutzung zuzuführen, als einen Neubau auf die grüne Wiese zu stellen“, sagt Freiberger. Das wäre ja auch viel zu einfach. Und womöglich auch weniger profitabel.

Das Haus ist saniert und steht vor der Vermietung

Klack, klack, klack, die Schuhe der Besucher hallen nach beim Gang über die Flure des Gebäudes, das der Investor als „Das Bauhaus“ bezeichnet, es gehört zur ehemaligen Frauenklinik der Charité an der Ziegelstraße. Der Name bezieht sich auf die klare, schnörkellose Funktionalität der Bauhaus- Architekten Anfang des 20. Jahrhunderts. Das Haus ist saniert und steht vor der Vermietung. Wo sich früher die Liegehalle der Frauenklinik befand, denken sich demnächst die hellen Köpfe der Werbeagentur Serviceplan Sprüche aus. Bevor die Kreativen und die Wohnungsmieter einziehen, lässt Freiberger in den Fluren noch Beläge aufbringen, um die Schritte zu dämpfen. In einem ungewöhnlichen Haus muss alles stimmen. Erst recht, wenn David Chipperfield, der auf der anderen Seite der Spree das Neue Museum saniert hat, für den Umbau zuständig war.

„Die Wohnungen haben alle etwas Besonderes“, sagt Bauherr Freiberger. Die Zimmer und Bäder verteilen sich über mehrere Stockwerke, jede Wohnung hat eine Dachterrasse Richtung Süden, ganz oben ziehen sich Terrasse und Wohnraum bugartig im Halbrund um drei Seiten des Gebäudes, sodass der Blick gen Süden (Spree und Museumsinsel), Osten (Monbijoupark und Fernsehturm) und Norden (Haupttelegraphenamt und Synagoge) geht. Ein Raum für Künstler, meint Freiberger. Die sollten allerdings Geld haben. Unter 20 Euro pro Quadratmeter kommt hier keiner rein. Das ist der Preis des Besonderen.

Freiberger vermietet nur, er verkauft seine Immobilien nicht. „Wenn man etwas mit dem Ziel baut, es zu verkaufen, fehlen womöglich das nötige Herzblut und die Liebe zum Detail.“ Bei der Größe des Ganzen die Kleinigkeiten nicht zu unterschätzen, darin liegt die Kunst der Instandsetzung, die sich am ursprünglichen Zustand orientiert. Permanent kollidieren dabei Investoreninteressen und Denkmalschutz. Wer so etwas in Angriff nimmt, braucht Geld, Engagement und Gestaltungsfreude. Seine Frau, eine Innenarchitektin, habe oft bis spät in die Nacht an Grundrissen und Interieurs gefeilt und historische Abbildungen in Büchern zu Rate gezogen, erzählt Freiberger. „Ein Investor, der schnell weiterverkaufen will, macht unter Umständen zu viele Kompromisse.“ Er dagegen wolle „das Bestmögliche“. Zum Anspruch passt ein Kirchenmaler aus Regensburg, der die Treppenhäuser in der Residenz Monbijou und die erneuerten, frisch gebrannten Fassadenrosetten des Gropius Ensembles veredelt.

100.000 Quadratmeter umfasst das Gelände

Das ganze Areal hat eine Bruttogeschossfläche von 100 000 Quadratmetern, was ungefähr 14 Fußballplätzen entspricht. Bebaut ist es mit denkmalgeschützten Gebäuden aus mehreren Epochen. Die gehörten nach der Wende zwei Eigentümern: der Telekom und dem Liegenschaftsfonds Berlin. Das südliche Gelände mit Bauhaus, Gropius Ensemble, Residenz Monbijou und Simon Palais kaufte Freiberger vor knapp zehn Jahren für rund 35 Millionen Euro vom landeseigenen Liegenschaftsfonds – ein Preis, der damals doppelt so hoch war wie der Verkehrswert. Für das Nordgelände mit Haupttelegraphenamt, Fernsprechamt, Logenhaus und Torhaus dürfte die Telekom nicht viel weniger bekommen haben. Aber über Geld spricht der Investor nicht.

Den kompletten Artikel lesen Sie am Sonnabend, 6. August, auf den Mehr Berlin-Seiten des gedruckten Tagesspiegels - oder im Online-Kiosk Blendle.

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