"Forum Museumsinsel" in Mitte : Ein Pizza-Multi baut Klein-Paris

Teure Apartments mit Blick auf den Park, Kunst und Antikes im Parterre: Star-Architekt Chipperfield plant in der kommerziellen Mitte ein Luxusquartier. 250 Millionen investiert Unternehmer Ernst Freiberger. Und bald ist Baustart.

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Noble Mitte. Aus Haus wird Palais, aus Wohnung Residenz: Mitten im Touristen-Kiez, zwischen Oranienburger Straße, Monbijou- und Tucholskystraße, startet ein 250-Millionen-Bauprojekt von Investor Ernst Freiberger.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Kitty Kleist-Heinrich
15.05.2011 18:50Noble Mitte. Aus Haus wird Palais, aus Wohnung Residenz: Mitten im Touristen-Kiez, zwischen Oranienburger Straße, Monbijou- und...

In aller Stille treibt der Pizza-Multi und Bauherr des Innenministeriums, Ernst Freiberger, im Herzen der Stadt sein Projekt voran. Er will das 250 Millionen Euro teure Wohn- und Kunstquartier „Forum Museumsinsel“. Die Pläne dafür stammen von dem britischen Stararchitekten David Chipperfield, der für die Sanierung des Neuen Museums auf der Museumsinsel viel gelobt wurde. Auch auf dem vis-à-vis gelegenen Freiberger-Areal wird Chipperfield behutsam zu Werke gehen müssen: Neun Baudenkmäler aus drei Jahrhunderten gibt es auf dem 32 000 Quadratmeter großen Gelände zwischen Spreeufer und Oranienburger Straße. Die früheren Klinik-, Universitäts- und Bürogebäude sollen zu Wohnhäusern werden – und der Telekom-Konzern will eine Eliteakademie dort öffnen.

Vier Anträge auf Baugenehmigungen liegen den Ämtern im Bezirk Mitte bereits vor, bestätigte man dort auf Anfrage. Noch in diesem Jahr sei mit dem Beginn der Bauarbeiten im südlichen Teil des Gebietes zu rechnen. Dort steht unter anderem das 1906 gebaute „Ida-Simon-Haus“ mit Blick auf Spree und Museumsinsel. Die Ausstattung der darin geplanten sechs Mietwohnungen wird vom Feinsten sein, das Haus wird in „Ida-Simon-Palais“ umgewandelt. Doppelt so viele Wohnungen wird die benachbarte Monbijou-Residenz bieten, ebenfalls Anfang 1900 gebaut. Deren Bewohner werden einen freien Blick über den gegenüber gelegenen, gleichnamigen Park genießen können.

Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) freut sich, dass „Bewegung in das Projekt“ kommt und begrüßt die Pläne: „Die Spandauer Vorstadt leidet unter Kommerz und Remmidemmi, da ist die beabsichtigte ruhige Nutzung gut.“ Dem Vernehmen nach sollen Kunst- und Antiquitätenhändler in den Erdgeschossen der Altbauten eröffnen, ähnlich wie es in der Pariser Innenstadt in der Nähe der Museen der Fall ist. Die Lage des Freiberger Areals, an der Schnittstelle zwischen Kiezkultur im Norden und Hochkultur im Süden, ist dafür wie geschaffen.

Zügig voran gehen die Planungen auch deshalb, weil in der ehemaligen Universitätsfrauenklinik der Charité bereits im Herbst kommenden Jahres die „Telekom School of Transformation“ öffnen soll, auch „Zukunftsuniversität“ genannt. Um die neue Einrichtung macht der Konzernsprecher ein großes Geheimnis. Mehrere Gespräche mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wurden dazu schon geführt. Doch wie viele Telekom-Mitarbeiter in welcher Materie in der „einzigartigen“ Einrichtung geschult werden sollen, will man nicht verraten. Auch bei Freiberger äußert man sich noch nicht zu dem Vorhaben.

Wie bei Großprojekten üblich, herrscht nicht nur Harmonie zwischen Bezirk und Bauherr: Freibergers Planer möchten kleinere Grundstücke von der Stadt erwerben, unter anderem am Spreeufer, was bisher auf wenig Gegenliebe stößt. Auch soll ein neuer Weg angelegt werden, der das „Forum Museumsinsel“ von Norden nach Süden durchquert, um Passanten ins Innere des neuen Quartiers zu lotsen. Auch hier ist der Bezirk zurückhaltend, weil befürchtet wird, dass darunter die heute wenig belebte Tucholsky- und die Monbijoustraße leiden könnten.

Der Startschuss für die Entwicklung des Gebietes kommt zehn Jahre, nachdem Freiberger die ersten nördlichen Grundstücke an der Oranienburger Straße erworben hat. Im Jahr 2007 kam er bei einer Ausschreibung des Liegenschaftsfonds zum Zuge und übernahm für 30 Millionen Euro den zweiten an der Spree gelegenen Teil des Gebietes. Der historische Hörsaal der Charité, das klassizistische Logenhaus an der Oranienburger Straße, errichtet 1789 nach Plänen von Bauakademie-Mitbegründer Friedrich Becherer, sowie der 1929 entstandene Bauhausriegel von Walter Wolff zählen zu den wichtigen Baudenkmälern auf einem Areal, wo um die Jahrtausendwende noch in den legendären Clubs „WMF“ und „103“ gefeiert wurde.

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