Berlin : Fotografien von Frank Thiel in der Galerie Haas & Fuchs

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Niebuhrstraße 5, bis 30. Oktober; Dienstag bis Freitag 10-18 Uhr, Sonnabend 11-14 Uhrph

Überwachungskameras gehören zum städtischen Alltag. Niemand überquert einen großen Platz, betritt eine Bank, sucht ein Amtsgebäude auf oder tankt sein Auto, ohne dass seine Bewegungen beobachtet würden. Jeder weiß das. Der Fotograf Frank Thiel hat nun die kleinen Beobachter im öffentlichen Raum fotografiert und zeigt eine Serie von Hochformaten in Petersburger Hängung im Schauraum der Galerie Haas & Fuchs: Videokameras im gleichem Licht und Nahblick. Der Zoom hat Methode. Selten erkennt man das Gebäude. Dadurch gewinnen Thiels Gegenschüsse den Anschein, die Videokontrollanlagen seien überall.

Frank Thiel begann vor Jahren, Berlin mit der Kamera zu beobachten. Er fotografierte Soldaten und galt irrtümlich als Berliner Ruff. Dann fotografierte er Baustellen und galt irrtümlich als Berliner Gursky. Jetzt fotografiert er Überwachungskameras und zieht erstmals die Fotos rahmenlos auf Platten auf, um die Ausschnitthaftigkeit zu betonen: Segmente eines panoptischen Blicks. Eine agitatorische Mission ist nicht erkennbar. Aber Thiel macht seine Arbeit für politische Belange durchlässig und liefert Belege für die Frage, was öffentliches Leben heute bedeutet: nicht nur gesehen, sondern auch beobachtet zu werden; hingehen zu können, wohin man will, aber auch vom Blick einer fernen Kontrollstation lokalisierbar zu sein.

Frank Thiel reagiert als Fotograf, der den richtigen Winkel sucht. Doch ein Gespräch über die Fotoinstallation führt zwangsläufig auch zu Fragen über Schutz, Kontrolle und Überwachung von Orten, die im öffentlichen Raum als gefährdet eingestuft werden. Für einen Fotografen bedeutet das Fotografieren von Videokameras mehr als eine weitere Motivkette. Er konfrontiert sich mit seinen unermüdlichen, niemals schlafenden Kollegen, die Gebrauchsbilder am laufenden Band produzieren und einem funktionalen Verwendungszusammenhang unterliegen. Thiel hat jedoch nicht das System der Vernetzung im Blick; er beschränkt sich auf die Sichtbarkeit im Kontrollraum Berlin.Galerie Haas & Fuchs, Niebuhrstraße 5, bis 30. Oktober; Dienstag bis Freitag 10-18 Uhr, Sonnabend 11-14 Uhr.
© 1999

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