Berlin : Fotos schießen

Die Nationalmannschaft kam zum Bildtermin vors Brandenburger Tor

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Vor der Hoteltür am Potsdamer Platz verteilen die Sicherheitsleute schon mal gedruckte Autogrammkarten, um die Fans bei Laune zu halten. Etwa 100 Menschen warten am Absperrband auf die Nationalmannschaft. Auf Klinsmanns Elf, die inklusive Trainer aus zwei Dutzend Männern zwischen 19 und 45 besteht. Gleich sollen sie zum Fototermin am Brandenburger Tor starten, der Bus mit den verdunkelten Scheiben vor der Tür brummt schon, die Menge auch. Die Frauenquote liegt deutlich über 50 Prozent. Könnte mit Ballack zu tun haben; vielleicht auch mit Fußball, aber sicher ist das nicht.

„Basti! Bastiiie!!!“, kreischen plötzlich ein paar Mädels im BravoAlter. Bastian Schweinsteiger biegt kurz links ab und unterschreibt ein paar hingehaltene Zettel, bevor er in den Bus steigt. Die Nächsten kommen unbehelligt durch, dann schreit die Menge schon wieder „Basti!“ Basti, Deisler diesmal, winkt schüchtern, steigt ein. Bierhoff folgt, dann Klinsmann. Auch er nimmt sich Zeit für eine Signierminute. Dann sagt einer: „Alle komplett!“, der Bus fährt los, die Polizei voraus. Die Mädels bleiben ratlos zurück: „Und Ballack? Hä?“

Der Pariser Platz ist großzügig mit Flatterband umspannt. Vielleicht etwas zu großzügig für eine Busbesatzung. Hier warten ein paar Männer, der Bus biegt um den Bauzaun. Er muss mit aufs Foto, auch wenn er den Leuten so die ohnehin bescheidene Sicht versperrt. Ein paar sind sauer, aber viele waren eh nur zufällig hier. „Is auch nicht so wichtig“, sagt ein Hesse zu einem anderen und dreht ab. Vorn am Flatterband erklären Freunde ihren Freundinnen, wer wer ist. Die Elf klettert auf Stühle, die Fotografen fluchen, weil sie genau gegen die Sonne knipsen müssen. Plötzlich ist auch Ballack da, wer weiß, wo er herkam. Schweinsteiger gibt wieder Autogramme, die anderen steigen gleich in den Bus. „War ja lahm“, murrt einer. Morgen, nach dem Spiel gegen die Slowakei, wird er entscheiden, ob er sich mit seinen Helden versöhnt. obs

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