Berlin : Fotos statt Kreuze

Flierl eröffnet Mauer-Schau am Checkpoint Charlie

Lars von Törne

Der bei internationalen Besuchern beliebteste Berliner Mauer-Ort wird ab Ende dieser Woche zum Freiluftmuseum. Am Freitag um 11 Uhr will Kultursenator Thomas Flierl (Linkspartei/PDS) die seit langem geplante 360 Meter umfassende Bauzaun-Ausstellung an den beiden Brachflächen östlich und westlich der Friedrichstraße eröffnen. Das sagte der Arbeitsgruppenleiter für das Mauergedenken in der Kulturverwaltung, Rainer E. Klemke, dem Tagesspiegel gestern. Für die Eröffnung der Schau will Flierl seinen Sommerurlaub unterbrechen.

Texte und Fotos sollen die Geschichte des Ortes erzählen und den internationalen Kontext beleuchten, in dem die Mauer bis 1989/90 hier stand, erläutert Klemke. Die bekannteste der historischen Szenen, die auf den Bildern zu sehen sein werden, ist die dramatische Konfrontation russischer und amerikanischer Panzer im Jahr 1961. Klemke hat gemeinsam mit Experten unterschiedlicher Mauergedenk-Institutionen das Gesamtkonzept erarbeitet, mit dem Berlin künftig an die Teilung Deutschlands und der Stadt erinnern will. Beim Checkpoint Charlie will man damit auch einen Schlussstrich ziehen unter die Auseinandersetzung mit dem privaten Museum am Checkpoint Charlie. Deren Betreiberin Alexandra Hildebrandt hatte mit einer vorübergehenden Installation schwarzer Holzkreuze an die Mauertoten erinnert. Diese waren vergangenes Jahr unter Protest mehrerer SED-Opferverbände abgebaut worden.

Das Konzept der Kulturverwaltung enthält nun auch eine kleine Geste des guten Willens in Richtung Alexandra Hildebrandt: Auf vier Informationstafeln sollen wechselnde Plakate auf vorerst acht weitere Orte hinweisen, an denen die Mauer und die Ost-West-Konfrontation jener Jahre behandelt wird. Darunter befindet sich neben Institutionen wie dem Alliiertenmuseum auch Hildebrandts Museum gleich um die Ecke. Diese so genannten Stadtinformationsanlagen stellt die Wall AG als Sponsor zur Verfügung. Konzernchef Hans Wall wird am Freitag ebenfalls zur Eröffnung erwartet.

Ursprünglich sollte die Ausstellung an diesem prominenten Ort bereits zur Fußballweltmeisterschaft Anfang Juni eröffnet werden. Unter anderem wegen inhaltlicher Auseinandersetzungen mit der Bank, die die Brachflächen verwaltet, war der Termin aber verschoben worden. Da unklar ist, was aus den Grundstücken langfristig wird, ist die jetzt erarbeitete Schau nur ein Provisorium – allerdings eines, das möglicherweise einige Jahre zu sehen sein wird. Eine Dauerlösung für den Checkpoint Charlie will man suchen, sobald sich Investoren finden, die hier bauen.

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