Fotostudio am Ku'damm : Die Urbschats schießen weiter

Der traditionsreiche Familienbetrieb darf in seinem Fotoatelier zwischen Adenauer- und Olivaer Platz bleiben. Das Gebäude soll einem Neubau weichen – doch die Töchter des Firmengründers hatten gegen die Kündigung geklagt.

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Der Ku’damm-Clan. Die Urbschats haben dort seit 1969 ihren Sitz. 
Der Ku’damm-Clan. Die Urbschats haben dort seit 1969 ihren Sitz. Foto: promo

Am Ku’damm 170 haben Büromieter die oberen Etagen geräumt und das Teppichgeschäft soll im Dezember schließen – denn der Hauseigentümer will das Gebäude aus den 60er Jahren zugunsten eines größeren Neubaus abreißen. Vorerst aber wird daraus nichts: Das im Haus ansässige Fotostudio Urbschat hat erfolgreich gegen die Kündigung geklagt, die vor einigen Monaten für Ende Juni ausgesprochen worden war. Gerade noch rechtzeitig vor dem Stichtag hat die 25. Zivilkammer des Landgerichts jetzt geurteilt, dass der gekündigte Mietvertrag „zu unveränderten Konditionen fortbesteht“, wie ein Gerichtssprecher sagte.

Eine Räumungsklage des Vermieters wurde abgewiesen. „Der Abrissbagger muss wohl noch warten“, sagt Nicole Urbschat. Der Mietvertrag laufe erst 2019 aus, da man im vorigen Jahr die schriftlich vereinbarte Verlängerungsoption genutzt habe. Die 45-Jährige führt das von ihrem Vater Horst gegründete Fotostudio mit ihrer 55-jährigen Schwester Daniela und deren drei Töchtern. Ohne die Räume am Ku’damm „würde unsere gesamte Familie pleitegehen“, sagt Nicole Urbschat. Das Haus zwischen Adenauer- und Olivaer Platz gehört der Holler-Stiftung aus München. Deren Immobiliengesellschaft will sich nicht äußern. Es läuft noch ein zweiter Rechtsstreit um die hauseigene „Photoacademy Urbschat“, die einen separaten Mietvertrag hat.

„Art & Photo Urbschat“ ist nach eigener Einschätzung der älteste Familienbetrieb am Ku’damm. Der heute 84-jährige Horst Urbschat hatte das Porträtstudio nach seiner ersten Karriere als Pressefotograf gegründet, indem er 1969 die Berliner Niederlassung des Hamburger Familienunternehmen Dürkoop kaufte.

Der erste Fimensitz war nur ein paar Häuser vom heutigen entfernt. Zur Reihe prominenter Kunden zählten dort Curd Jürgens, Bill Clinton, Arnold Schwarzenegger, Robert Kennedy jr. und Brigitte Grothum. Nach dem Umzug in die größeren Räumen ging es mit vielen bekannten Namen weiter – darunter Claudia Pechstein, Marianne Birthler, Walter Scheel und Dieter Hallervorden.

Insgesamt hat die Familie mehr als 200 000 Köpfe abgelichtet. Für Kundinnen, die keine Stars sind, entwickelten Nicole und Daniela Urbschat ihr Konzept „Jede Frau ist eine Diva“: Mit der Unterstützung von Visagisten und Friseuren entstehen glamouröse Aufnahmen – in Berlin oder in einer Finca auf Mallorca.

Das Unternehmen ist auch ein großer Ausbildungsbetrieb. Die „Photoacademy“ kombiniert Fotografie mit Mediengestaltung und bildet zurzeit 55 Schüler zum „Photo-Artist“ aus. Laut Nicole Urbschat enstand die Idee nach dem Umzug an den Ku’damm 170: „Wir konnten hier nicht expandieren, weil uns Fachpersonal fehlte.“ Inzwischen bildet man über den eigenen Bedarf hinaus aus.

Derzeit beschäftigt das Studio zehn Angestellte, außerdem sind 50 Freiberufler tätig. Im Standort am Ku’damm „stecke das ganze Familienvermögen“, sagt Nicole Urbschat. Sie und ihre Schwester hätten Lebensversicherungen aufgelöst, um Investitionen in Höhe von mehr als einer Million Euro zu finanzieren. Ihre Alterssicherung hänge nun genauso vom laufenden Geschäft ab wie die des Vaters, der eine Leibrente beziehe.

Der Familie sind keine anderen geeigneten Räume in der Nähe bekannt. „Es ist schwierig, große Flächen mit einem Handwerksbetrieb zu finanzieren“, sagt Nicole Urbschat, am Ku’damm müsse man heute mit doppelt so hohen Mieten rechnen. Alternativen sieht sie nicht. An der Friedrichstraße oder Unter den Linden seien die Mieten ebenfalls hoch, und „dort gibt es keine gewachsene Urbanität wie am Ku’damm“. Allein von Touristen könne man nicht leben, und die Stammkunden „würden wohl nicht mitkommen“.

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