Berlin : Foulspiel

Gerd Nowakowski

Auch die gerechteste Glatze aller Zeiten, deren Adlerblick jeden unfairen Tritt, jedes Abseits, jede Schwalbe mit stechendem Blick ahndete, bekommt manchmal nicht alles mit. Pierluigi Collina, lange Jahre coolster Pfeifenmann in allen Stadien der Welt, kam in Berlin zu spät, um die rote Karte zu zücken. Der Frau des italienischen Ex-Schiris wurde die Tasche gemoppst, und der plaudernde Collina bleib ahnungslos. Pech: Denn trotz 15 Millionen WM-Besuchern in Berlin gab es nur 1800 Taschendiebstähle. Die Hilfe der zweitgerechtesten Glatze aller Zeiten, des New Yorker Polizei-Kugelkopfs Kojak mit seinem ewigen Lolli im Mund, war aber nicht vonnöten. Die Polizisten der Soko „Tasche“ schnappten den Übelfinger sofort. Ein Glück. Sonst könnte jemand auf den Gedanken kommen, das sei ein Revanchefoul für den WM-Rauswurf der Deutschen. Immerhin hat auch Collinas Pfeiferei schicksalhaft der Deutschen Glück gedämpft, etwa bei Bayern Münchens Niederlage im unseligen Champions League Finale 1999 gegen Manchester oder beim WM-Finale 2002 gegen Brasilien. So bleibt nur: Auch der beste Schiri ist eben nichts ohne seine Linienrichter.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben