Frachtverkehr : Spree und Havel werden ausgebaut

Noch ist nicht entschieden, wie Spree und Havel ausgebaut werden. Trotzdem sollen im nächsten Jahr die ersten Schiffe mit in zwei Lagen gestapelten Containern von Hamburg nach Berlin fahren können.

Klaus Kurpjuweit

Noch ist nicht entschieden, wie Spree und Havel ausgebaut werden – und trotzdem sollen im nächsten Jahr die ersten Schiffe mit in zwei Lagen gestapelten Containern von Hamburg nach Berlin fahren können. Speziell für den Transport von Containern soll der Wasserweg zwischen beiden Städten ausgebaut werden. Umstritten sind vor allem die letzten Ausbauabschnitte in Berlin und Brandenburg. Die Koalitionsparteien SPD und Linke haben sich in Berlin dafür ausgesprochen, die Pläne abzuspecken und den Ausbau „zügig qualifiziert abzuschließen“. Und die Grünen wollen den Ausbau sofort beenden. Heute will sich das Parlament damit beschäftigen.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hat das seit Jahren laufende Genehmigungsverfahren vor wenigen Wochen stoppen lassen, um eine umweltverträglichere Lösung für den Spreeabschnitt zwischen der Schleuse Charlottenburg und der Mündung in die Havel in Spandau finden zu können. Bis zu 1000 Bäume an den Ufern hätten nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fallen müssen. Während zunächst vorgesehen war, die Böschungen so abzubaggern, dass sich große Schiffe begegnen können, wird jetzt erwogen, hier nur jeweils Verkehr in eine Richtung zuzulassen. Winfried Lücking vom BUND sieht hierbei keine Probleme, weil ohnehin nur mit einem großen Schiff in der Woche zu rechnen sei.

Dagegen erwartet der Leiter des Wasserstraßen-Neubauamtes Berlin, Rolf Dietrich, ein erhebliches Wachstum im Verkehr mit Binnenschiffen. In den vergangenen drei Jahren habe allein der Massengutumschlag in den Berliner Häfen um 30 Prozent zugenommen. Ein Einrichtungsverkehr auf dem Abschnitt von der Schleuse Charlottenburg bis zur Mündung in die Havel würde den Schiffsverkehr – auch für Ausflugsdampfer – erheblich behindern, argumentiert Dietrich.

Damit Schiffe mit aufeinandergestapelten Containern fahren können, muss zudem bei vielen Brücken die Durchfahrtshöhe auf 5,25 Meter vergrößert werden. An diesem Ziel halten auch die Ausbaukritiker von SPD und Linken fest. Zuletzt war die Mörschbrücke am Tegeler Weg deshalb neu gebaut worden, derzeit ist die Ludwig-Hoffmann-Brücke, die die Beusselstraße über den Westhafenkanal führt, an der Reihe. In den Ausbau des Westhafenkanals und den Neubau der Charlottenburger Schleuse hat der Bund nach Angaben von Dietrich bisher 120 Millionen Euro gesteckt. Weitere 95 Millionen Euro seien noch vorgesehen.

Nach dem Abriss und Neubau der beiden letzten niedrigen Brücken am ElbeHavel-Kanal bei Genthin und Ihleburg seien vom Frühjahr 2009 an alle Brückendurchfahrten mindestens 4,50 Meter hoch, teilte Dietrich mit. Damit könnten Schiffe mit in zwei Lagen gestapelten Containern, allerdings nur mit Ballast, wirtschaftlich zwischen den Nordseehäfen und Berlin fahren, was sich derzeit noch nicht rentiert. Klaus Kurpjuweit

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