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Frank Henkel auf USA-Besuch : Ein Bearleaner ehrt John F. Kennedy in Washington

27.06.2013 19:40 Uhrvon
Vorbild Kennedy. Wie der frühere US-Präsident benutzte auch Innensenator Frank Henkel phonetische Hinweise in seinem Manuskript für seine Rede in Washington. In der Schule hatte Henkel, der im Osten geboren wurde, kein Englisch.Bild vergrößern
Vorbild Kennedy. Wie der frühere US-Präsident benutzte auch Innensenator Frank Henkel phonetische Hinweise in seinem Manuskript für seine Rede in Washington. In der Schule hatte... - Foto: dpa

In der amerikanischen Hauptstadt würdigte der Berliner Innensenator und Bürgermeister Frank Henkel die historische Rede Kennedys.

Die Witwe Jackie Kennedy wunderte sich später, dass die Welt von ihrem Mann in erster Linie einen Satz in Erinnerung behielt, den er nicht einmal in seiner Muttersprache ausgesprochen hatte. Der Präsident hat bei seinem Berlinbesuch vor 50 Jahren vermutlich einen ganz anderen Zettel mit phonetischer Umschrift benutzt, um diesen berühmten Satz auszusprechen, als in den letzten Wochen in Deutschland berichtet wurde. Und Berlins Bürgermeister Frank Henkel überraschte in Washington mit einer guten Rede, obwohl er nie Englisch in der Schule hatte. Das Erfolgsrezept, sagte er, habe er sich bei Kennedy abgeschaut.

Mit mehreren Stunden Zeitverschiebung hat auch die US-Hauptstadt der Rede John F.

Kennedys am Schöneberger Rathaus 1963 gedacht. Der Ort für die Gala, das Newseum zwischen Weißem Haus und Capitol, war gut gewählt. Original-Mauersegmente, die zur permanenten Ausstellung gehören, und US-Fernsehberichte über den Besuch mit „Ken- ne-dy, Ken-ne-dy“-Sprechchören stimmten die Gäste auf die Atmosphäre knapp zwei Jahre nach der Teilung der Stadt ein.

Kennedy vor dem Berlin-Besuch: „Besser eine Mauer als ein Krieg“

Der Historiker Richard Smyser, der damals als US-Diplomat und enger Mitarbeiter des Generals Lucius Clay in Berlin war und mehrere Bücher über Kennedy und die Mauer geschrieben hat, erzählte, wie der berühmte Satz entstand. Die Nachricht vom Mauerbau hatte der junge Präsident 1961 beim Segeln nahe dem Familienanwesen in Hyannis Port, Massachusetts, erhalten. Seine kühle Reaktion „Besser eine Mauer als ein Krieg“ ließ die West-Berliner am Beistandsversprechen zweifeln.

Kennedy stand vor der Herausforderung, einen Atomkrieg zu vermeiden, ohne in der Berlinfrage oder der Kubakrise nachzugeben. So machte er Lucius Clay, den Helden der Luftbrücke, zu seinem Berlin-Beauftragten, schickte eine zusätzliche Brigade nach Berlin und ließ Panzer am Checkpoint Charlie auffahren, um Entschlossenheit zu zeigen. „Die Berliner sahen: Er ist kein Schwächling“, begründete Smyser den begeisterten Empfang für Kennedy 1963 in Berlin.

John F. Kennedy hinterließ „ein Versprechen und nicht eine flüchtige Rede“

Die Rede, die die Mitarbeiter vorbereitet hatten, passte nicht zu den intensiven Emotionen an diesem Tag, Kennedy habe das instinktiv verstanden. Auf der Suche nach einem Satz, der die Stimmung in Worte fasst, habe er sich an den Stolz der Römer in der Antike erinnert, Bürger einer Republik zu sein und sich an den deutschen und den amerikanischen Dolmetscher mit der Bitte gewandt, ihm den Satz, der später berühmt wurde, in amerikanischen Lautwerten aufzuschreiben. Das Blatt mit der Fassung des deutschen Dolmetschers wird in Berlin aufbewahrt: „Ish bin ein Bearleener.“ Kennedy habe aber die Version des amerikanischen Dolmetschers benutzt, die in Washington liegt: „ISH bin ine BEar-LEAN-er“. Er hinterließ „ein Versprechen und nicht eine flüchtige Rede“, resümierte Smyser.

Auch Bürgermeister Frank Henkel hat sich phonetische Hinweise zur Aussprache in sein Redemanuskript eingetragen. Er hatte ja nie Englisch in der Schule, da er 1963 im Osten geboren ist und erst mit 17 Jahren in den Westen kam. Umso mehr Respekt trug ihm sein Auftritt bei den amerikanischen Gästen der Gala in Washington ein. Kennedys Rede machte auch den Ost-Berlinern Mut, „dass wir nicht vergessen sind“, erinnert er. Viele hätten sie im Radio gehört und Hoffnung geschöpft, dass sich die Mauer nicht verfestigt. Seine Großmutter habe ihm in seiner Kindheit oft davon erzählt. Es dauerte, bis die Freiheit siegte – aber das Happy End verbindet Amerikaner und Deutsche.

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