Frank Henkel in China : "Es ist absurd, mir Lustreisen zu unterstellen"

Während seine CDU in Berlin wahlkämpfte, fuhr Innensenator Frank Henkel zu einer Dienstreise nach China. Im Interview erklärt er, warum.

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An den Dienstreisen des Berliner Innensenators und CDU-Landesvorsitzenden Frank Henkel gibt es immer wieder Kritik.
An den Dienstreisen des Berliner Innensenators und CDU-Landesvorsitzenden Frank Henkel gibt es immer wieder Kritik.Foto: dpa

Herr Henkel, Sie waren zum Wahlkampfauftakt Ihrer CDU in China. Ist Ihr Wahlkampfmotto statt „Starkes Berlin“ jetzt „Starkes Peking“?

Wenn wir Wahlkampfauftakt gehabt hätten, wäre ich da gewesen. Aber der findet sieben oder acht Wochen vor den ersten Plakatierungen statt, also im Juli. Es ist also kompletter Unsinn, dass ich diesen Termin nicht wahrgenommen habe.

Ihre Wahlkämpfer waren am Wochenende erstmals in der Stadt unterwegs – ohne Sie. Ist das die richtige Strategie, um Michael Müller zu schlagen?
Wir sind als CDU ständig unterwegs, um mit den Bürgern zu sprechen. Alle vier Wochen gibt es Standaktionen, im Wahlkampf noch häufiger. Das ist völlig losgelöst von Reisen, die ich als Senator und Bürgermeister unternehme.

Was haben Sie denn in China gemacht?
Ich war auf Einladung des Ministeriums für öffentliche Sicherheit dort; wir haben uns ausgetauscht über die Sicherung von Großveranstaltungen, die Terrorabwehr und die Organisierte Kriminalität. Hintergrund des Besuchs ist auch die zehnjährige polizeiliche Kooperation, die mein Vorgänger Ehrhart Körting abgeschlossen hat. Wenn man solche Partnerschaften eingeht, muss man sie auch mit Leben erfüllen.

Aber ist es wirklich eine gute Idee, von einem Polizeistaat wie China etwas über öffentliche Sicherheit lernen zu wollen?
Ein Austausch kann nie schaden. Wir haben uns zum Beispiel über den Einsatz und die Führungsstruktur von Spezialeinsatzkräften unterhalten, das wird auch beim Gegenbesuch der Chinesen wieder Thema sein. Und es ist eine gute Gelegenheit, die offene und kommunikative Arbeit der Berliner Polizei darzustellen.

Herr Henkel, im Abgeordnetenhaus gibt es Kritik an Ihren vielen Reisen.
Wenn ich eingeladen werde, um das Land Berlin etwa in Warschau und Jerusalem bei wichtigen Jubiläen zu vertreten, werde ich dies weiterhin tun. Das gehört zu meinen Aufgaben. Es ist absurd, mir hier Lustreisen zu unterstellen. Zumal die Fahrt am Wochenende stattgefunden hat. Und zur politischen Führung meiner Verwaltung gehören zwei Staatssekretäre, die mich im Zweifel auch vertreten können.

Frank Henkel, 52, ist Innensenator und Bürgermeister von Berlin. Er tritt bei den Wahlen im Herbst als Spitzenkandidat der CDU an. Das Gespräch mit ihm führte Robert Ide.

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