Berlin : Frank Steffel: "Typisch jüdische Sichtweisen"

Frank Jansen

Frank Steffel gerät wieder in Erklärungsnot. Diesmal geht es um einen Brief, den der Berliner CDU-Spitzenkandidat vor mehr als zwei Wochen von Paul Spiegel erhielt - und bis heute nicht beantwortet hat. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland wollte von Steffel wissen, wie dessen Äußerung über "typisch jüdische Sichtweisen" zu verstehen sei. Dieses Zitat Frank Steffels findet sich im Nachrichtenmagazin "Spiegel", in der Ausgabe vom 3. September.

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Demnach hatte Steffel am Abend des 29. August, nach seinem Auftritt in der Talkshow "Friedman" mit Fernsehleuten zusammengesessen. Anlässlich Steffels angeblicher Jugendparolen über "Kanaken", "Bimbos" und "Mongos" habe Michel Friedman den Berliner CDU-Spitzenkandidaten darauf hingewiesen, der Umgang mit Minderheiten sei eine "Frage des Bauches als auch des Kopfes". Steffel soll dann laut über "typisch jüdische Sichtweisen" sinniert haben.

Nachdem Paul Spiegel den Bericht des Nachrichtenmagazins gelesen hatte, verfasste er noch am 3. September einen kurzen Brief an Steffel. Spiegel bat den CDU-Politiker, "möglichst bald" zu erläutern, was er unter "typisch jüdischen Sichtweisen" verstehe. Doch bis gestern ging bei dem Präsidenten des Zentralrats der Juden keine Antwort ein. Die Sprecherin der Berliner CDU-Fraktion, Christiane Uhl, gab dazu zwei Erklärungen ab.

Zunächst sagte Uhl, "der Brief an Herrn Spiegel ist Ende letzter Woche rausgegangen". Uhl betonte, sie habe selbst gesehen, wie Steffel das Schreiben unterzeichnet habe. Unklar blieb, wieso der Brief bei Spiegel nicht angekommen war. 20 Minuten später meldete sich Uhl erneut beim Tagesspiegel: "Das Schreiben an Herrn Spiegel liegt seit letzter Woche auf Steffels Schreibtisch." Ohne Unterschrift.

Uhl wollte auch nicht sagen, was Steffel jetzt schreibt oder schreiben lässt oder schon geschrieben haben (lassen) könnte. Doch die Sprecherin versuchte eine Erklärung, warum Spiegel nichts von Steffel vernommen hat: "Wir befinden uns im Wahlkampf, da dauert alles länger". Dass der Wahlkampf nach den Anschlägen in den USA fast eine Woche unterbrochen war, blieb unerwähnt. Uhl gab hingegen an, was Steffel wichtig ist - und was weniger. Auf die Frage, ob die Antwort auf einen dringlichen Brief des Präsidenten des Zentralrats der Juden keine Priorität habe, meinte die Sprecherin knapp: "Es gibt auch sonst Prioritäten, die leider etwas zu kurz kommen".

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