Berlin : Franklin-Klinikum: Brandenburg rügt "Berlins Alleingang"

Thorsten Metzner

Der Alleingang des neuen Senats zur Umwandlung des Benjamin-Franklin-Klinikums in ein Allgemeinkrankenhaus stößt in Brandenburg auf Kritik - bis in die Reihen von SPD und PDS hinein. Im Landtag verwies CDU-Wissenschaftsministerin Johanna Wanka gestern darauf, dass beide Länder ihre Hochschullandschaft kurz nach der Wende eng aufeinander abgestimmt hätten. Brandenburg verzichtete damals auf den Bau eines eigenen Uni-Klinikums, weil es in Berlin schon die Charité und das Franklin-Klinikum gab. "Wenn diese Prämisse jetzt nicht mehr gilt, weil Berlin ohne Absprache Einschnitte in seinem Spektrum vornimmt, dann erfüllt mich das mit Sorge", sagte Wanka im Namen der Landesregierung.

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Hochschulmedizin sollte für beide Länder nur in Berlin betrieben werden - so steht es im Staatsvertrag. Dazu gehört, dass angehende Mediziner aus Brandenburg in Berlin ausgebildet werden. Derzeit sind dies etwa 250 Studenten. Darüber hinaus kommen 9 Prozent aller Patienten des Franklin-Klinikums aus dem Umland. Viele nehmen diagnostische und therapeutische Spezialabteilungen in Anspruch, die eng mit Lehre und Forschung verbunden sind. Diese Stationen würden aufgelöst, falls der rot-rote Senat an seinem Sparplan festhält. Ein Nachteil auch für Kranke in Brandenburg, hieß es im Landtag.

Die Landesregierung rügt den Berliner Beschluss vor allem aus zweierlei Gründen: Zum einen fürchtet sie den Abbau von Studienplätzen. Wenn Berlin reduziere, führe dies zu einem unterdurchschnittlichen Studienplatzangebot in der Region, warnte Wanka. "Das ist ein eklatanter Wettbewerbsnachteil." Zum anderen wird aus Sicht der Ministerin durch den umstrittenen Klinikbeschluss ein wissenschaftliches Netzwerk in Berlin / Brandenburg zerstört. Medizin sei beispielsweise unerlässlich für Forschungsvorhaben in den Bereichen Biotechnologie und Bioinformatik, die Brandenburg besonders fördere.

Nach Wankas Worten wäre durch die Abwicklung des Uniklinikums besonders dessen enge Kooperation mit dem Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Rehbrücke bei Potsdam gefährdet. Dessen Forschung sei "zum Teil existenziell mit der medizinischen Fakultät am Franklin-Klinikum verbunden". Es sei "laienhaft" zu denken, dass diese Kooperation einfach auf die Charité übertragen werden könne.

Im Hinblick auf die geplante Fusion beider Länder übten auch Sprecher von PDS und SPD Kritik. Es sei nicht gut, wenn Berlin ohne Abstimmung mit Brandenburg Fakten schaffe, sagte der PDS-Wissenschaftsexperte Andreas Trunschke. Und PDS-Landeschef Christoffers erklärte, "es wäre tatsächlich problematisch, ohne das Franklin-Klinikum die gemeinsame Biotechnologieregion fortzuentwickeln". Er könne sich jedoch vorstellen, dass die "Berliner Entscheidung überdacht werde". Die wissenschaftspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Uta Müller sah dies ähnlich. Da in der Berliner SPD die Entscheidung umstritten sei, habe man das letzte Wort noch nicht gesprochen.

"Eine Schließung schadet der wirtschaftlichen Entwicklung der Region", sagte CDU-Wirtschaftsminister Wolfgang Fürniß. "Die Entscheidung ist schädlich." Ob sich Potsdam an der künftigen Finanzierung der Berliner Hochschulmedizin beteiligen sollte, um das Uni-Klinikum zu retten, war im Landtag allerdings umstritten. Während PDS-Landeschef Christoffers finanzielle Zuschüsse zumindest "eine Option" nannte, schloss SPD-Fraktionschef Gunter Fritsch einen solchen Schritt kategorisch aus.

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