Berlin : Franklin-Klinikum: Eine Frau und vier Männer sollen das Benjamin Franklin retten

U.S.

Das Gremium ist komplett: Das sind die Mitglieder der Expertenkommission

Die Expertenkommission ist auf Vorschlag des Vorsitzenden des Wissenschaftsrats, Karl Max Einhäupl, mit drei Medizinern und zwei Juristen, die zugleich Finanzexperten sind, besetzt worden.

Vorsitzender der Expertenkommission ist der langjährige Generalsekretär des Wissenschaftsrats Winfried Benz (65). Benz war zwölfeinhalb Jahre Generalssekretär des Wissenschaftsrats und ist zum 31. Januar in den Ruhestand versetzt worden. Benz hatte in Freiburg und München Jura und in Speyer Verwaltungswissenschaften studiert. Bevor er 1989 Generalsekretär des Wissenschaftsrats wurde, hatte er als Kanzler der Fachhochschule Köln, danach der medizischen Hochschule in Lübeck und der Universität Mannheim Erfahrungen in der Hochschulleitung gewonnen. Der Kanzler ist der Beauftragte für den Haushalt.

Volker ter Meulen (64) ist Virologe und Immunbiologe und vertritt den Bereich der Vorklinik. Der Würzburger Forscher wurde im Jahr 2000 mit dem Emil-von-Behring-Preis, dem höchstdotieren Mediziner-Preis in Deutschland, ausgezeichnet. Volker ter Meulen gehört zu den weltweit führenden Forschern auf dem Gebiet der Virusinfektionen des Zentralnervensystems. Zeitweilig war ter Meulen Mitglied des Wissenschaftsrats und kennt als Aufsichtsratsmitglied das Max-Delbrück-Centrum in Buch.

Professor Guido Adler (55) leitet die Innere Medizin an der medizinischen Universitätsklinik in Ulm. Zeitweilig war er Dekan der Medizinischen Fakultät in Ulm, gehörte der Expertenkommission des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft zur Reform des Dienstrechts an, wirkt im Gesundheitsforschungsrat des Ministeriums mit und ist Sprecher einer Großvorhabens der Forschung, des Sonderforschungsbereichs über "Entzündung, Regeneration und Tansformation im Pankreas".

Jörg-Rüdiger Siewert (61) ist Ärztlicher Direktor der Chirurgie des Münchner Universitätsklinikums rechts der Isar und war Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft. Der international renommierte Krebsforscher ist ein Anhänger der Idee, "Centers of Excellence" in der Krebstherapie in Deutschland einzurichten. Berlin kennt er noch aus seiner Zeit als Medizinstudent an der FU.

Die einzige Frau in der Expertenkommission ist die ehemalige Hamburger Finanzsenatorin Ingrid Nümann-Seidewinkel (59). Die Juristin war 1995 von Bürgermeister Henning Vorscherau als Staatsrätin in die Finanzbehörde geholt worden und wurde unter Bürgermeister Ortwin Runde Senatorin. Sie erwarb sich den Ruf, eine strenge Sparkommissarin zu sein. Sie setzte sich für eine Reduzierung der Neuverschuldung im Haushalt der Hansestadt ein und war eine Verfechterin der Modernisierung der Hamburger Verwaltung. U.S.

Klaus Wowereit probt seine Regierungserklärung - unter dem Protest der Mitarbeiter

Der Humboldt-Saal der Urania hat eine tolle Akustik. Der Begrüßungsapplaus für Klaus Wowereit klingt richtig satt. Aber reihenweise ruhen die Hände. Gut die Hälfte des Publikums ist als Opposition zur Rede über "Die deutsche Hauptstadt zwischen Mentalitätswechsel und Berlin-Pakt" gekommen. Ein strengeres Publikum für die Generalprobe seiner Regierungserklärung am 21. Februar kann Wowereit nicht finden. In der Rolle der Opposition sehen sich am Montagabend nämlich etwa 300 Mitarbeiter des Noch-Uniklinikums Benjamin Franklin, das Wowereit abwickeln wollte, um 98 Millionen Mark Landeszuschuss für Lehre und Forschung im Jahr zu sparen. So einen beklatscht man nicht.

Das Schreckensszenario von der Stadt, die eigentlich zum Insolvenzrichter gehen müsste, lassen sie Wowereit noch entwerfen. Sogar zu einem Applaus reißt der listige Politiker die Opposition anfangs hin: Dem strukturellen Defizit der Stadt könne er nur durch strukturelle Entscheidungen - etwa durch den Verzicht auf Schwimmbäder oder die Reiterstaffel - beikommen, sagt Wowereit. Dagegen stünden aber Proteste auf den Straßen und in den Medien. Wenn er gegen die Stimmung in der Stadt daran festhalte, gelte er als stur, wenn nicht - als Umfaller. Atemlose Spannung im Mediziner-Block. Jetzt kommt gleich das Klinikum. Wowereit grinst und sagt: "Natürlich soll man nicht stur bleiben bei falschen Entscheidungen." Applaus brandet auf. Alle wissen, er meint die Expertenkommission zur Hochschulmedizin, die er nach langem Zögern doch noch einberufen hat. Aber der Regierende will die Schleusen noch nicht öffnen, redet lieber von der blockierten Fusion von BVG und S-Bahn, von Olympia und fehlenden Flugverbindungen. Die Berlin-Mentalität in Stadt und Land lässt noch zu wünschen übrig.

Dann, ganz plötzlich, spricht Wowereit die Klinikums-Leute direkt an. Er ist jetzt bei der Attraktivität der Stadt. Wissenschaftspolitik, ein wichtiger Standortfaktor - nach der Kultur. "Aber wir haben in der Hochschulmedizin Strukturen, die sind nicht effizient", sagt Wowereit abrupt. Er hebt an, zu erklären, wie eine Struktureform seit 1995 an der Mentalität der Status-Quo-Bewahrer gescheitert ist. Aber nun prasseln die Fragen auf ihn ein: Wieso 98 Millionen? Wieso erst jetzt die Expertenkommission? Wie kann man ein Klinikum schließen, wenn doch der Mittelstand gefördert werden soll, der sich auch um so ein Zentrum ansiedelt? Wowereits eine Antwort auf alle Fragen: "Ich gebe nicht Geld im Namen der Wissenschaft aus, wenn es für ineffektive Strukturen ist." Zwischendurch versucht er immer wieder, über den Mentalitätswandel und den Berlin-Pakt zu sprechen. Er wird es bei der echten Regierungserklärung noch einmal versuchen müssen. -ry

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