Berlin : Franklin-Klinikum verliert 220 Betten

Charité baut in Steglitz, aber auch in Mitte und Wedding stärker ab als geplant Vorstand sucht externe Berater und verärgert so Wissenschaftssenator Flierl

Ingo Bach

Das Universitätsklinikum Charité will bis Ende 2004 mindestens 437 Betten abbauen. Ursprünglich wollte die Universitätsklinik die Kapazitäten bis 2005 nur um 380 Betten reduzieren. Der größte Abbau steht dem Standort Benjamin Franklin bevor, denn in Steglitz sollen 220 Betten wegfallen. Dies bestätigte Martin Paul, Dekan und Vorstandsmitglied der Charité, dem Tagesspiegel. Im Benjamin- Franklin-Klinikum wird damit jedes fünfte der derzeit rund 1100 Betten verschwinden, die meisten davon in der Gynäkologie: 69 von insgesamt rund 80.

Der Klinikumsvorstand habe die Auslastung der Stationen an den drei CharitéStandorten der Krankenversorgung – Mitte, Wedding und Steglitz – analysiert und deshalb die Reduzierung festgelegt, sagt Dekan Paul. Dass es jetzt am heftigsten das Benjamin Franklin trifft, sei keine Entscheidung gegen das Steglitzer Haus. „Irgendwo müssen wir ja anfangen.“

Überdies werde es wahrscheinlich nicht bei diesem Abbau bleiben. Weitere Schritte werden in den nächsten Jahren folgen. Nur wenn man die Kapazitäten reduziere, könne man die mit den Krankenkassen vereinbarten Kosteneinsparungen von insgesamt 18 Millionen Euro für 2004 und 2005 erbringen, sagt Paul. Entlassungen werde es nicht geben – das Personal wird innerhalb der Charité versetzt.

Der Chefarzt der besonders betroffenen Gynäkologie und Geburtshilfe in Steglitz, Achim Schneider, sieht in dieser Nachricht zunächst kein Alarmsignal. „Hauptsache, die Patientinnenzahlen bleiben gleich.“ Allerdings sei eine Station mit weniger als 20 Betten nicht allein wirtschaftlich zu betreiben. Nach der Planung sollen ihm aber nur elf Betten bleiben. Trotzdem: In Steglitz werde es weiter eine familienfreundliche Geburtshilfe geben, betont Dekan Paul.

Die Eile, mit der der Bettenabbau jetzt durchgezogen wird, begründet Paul auch damit, dass der Vorstand vermeiden wolle, von externen Beratern wie beim landeseigenen Klinikkonzern Vivantes entmachtet zu werden. Wie berichtet wird die Vivantes-Geschäftsführung bei der Umsetzung des Sanierungsplanes bis 2008 von Wirtschaftsberatern unterstützt. Nun will sich auch die Charité Sachverstand von außerhalb holen. Dazu hat der Vorstand europaweit einen Auftrag ausgeschrieben – nach Tagesspiegelinformationen ohne Wissen des Aufsichtsrats unter Leitung von Wissenschaftssenator Thomas Flierl (PDS). Dieser hat dem Vernehmen nach nur durch Zufall von dem Projekt erfahren, was das Verhältnis von Vorstand und Aufsichtsratschef erheblich belastet haben soll. Doch nun habe man sich geeinigt, sagt Paul. Der Auftrag sei auf ein halbes Jahr und ein Volumen von weniger als einer Million Euro begrenzt, sagt Paul.

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