Berlin : Frankreich erfahren

Adenauer-de-Gaulle-Preis für ein ganz besonders mobiles Projekt

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Sie legen mit ihren Autos bis zu 13000 Kilometer in einem Jahr zurück – im Auftrag der französischen Sprache. Und sie bewirken laut TagesthemenModerator und Laudator Ulrich Wickert Wunder gegen das Vorurteil, französisch sei zu schwer. Die Lektoren von „France Mobil“, neun sind es insgesamt, sind am Donnerstag mit ihren Kollegen von „Deutsch-Mobil“ mit dem Adenauer-de-Gaulle-Preis für deutsch-französische Sprachförderung ausgezeichnet worden. Die französische Europaministerin Noëlle Lenoir und Staatsminister Hans Martin Bury übereichten gestern im Weltsaal des Auswärtigen Amtes den Preis.

Seit August 2002 fahren die neun „France Mobil“-Lektoren mit eigens gestylten Smarts, Kangoos und einem Siebentonner durch Deutschland, von Schule zu Schule, jeden Tag eine andere. In den Schulen und Kindergärten spielen sie mit den Kleinsten, singen aktuelle französische Songs, erzählen aus dem Alltag von französischen Jugendichen und teilen Broschüren aus.

Und das kommt gut an. Weil der Andrang so groß ist, geben die Lektoren sogar Kurse in der Aula vor bis zu 200 Kindern. Die sechs deutschen Lektoren haben die gleiche Aufgabe an französischen Schulen. Viele Kinder sehen so zum ersten Mal einen Franzosen. Eine häufige Reaktion: „Cool!“ Und viele Fragen, die auf die jungen Lektoren einprasseln. Delphine Juillet, Sophie Lemaire, Hélène Tabourier, Magalie Desgrippes und Nathalie Ramière sind zur Preisverleihung nach Berlin gekommen. Die fünf jungen Frauen, zwischen 24 und 33 Jahre alt, können nach mehreren Monaten Fahrt durch deutsche Schulen viele Anekdoten erzählen. „Gibt es französischen Hip Hop?“, fragen einige Schüler, und dann gibt es oft Applaus für die Besucher, Lächeln, E-mails, Liebesbriefe und Betteln, ob sie nicht die Lehrer weiter vertreten könnten. So schreibt ein Viertklässler Lektorin Sophie Lemaire: „Eine der besten Sachen war das Spiel und das ich einer der Gewinner war.“

Länger als einen Tag können die acht Frauen und ein Mann aber nicht in einer Schule bleiben, denn das von der Robert-Bosch-Stiftung finanzierte Programm ist zum Selbstläufer geworden. Mehr als 300 Schulen stehen bei einigen von ihnen auf der Warteliste. Das ist in einem Schuljahr nicht aufzuholen. Daher soll ein weiterer Lektor samt Auto dieses Jahr das Team verstärken. Mit den 10000 Euro Preisgeld wollen die deutschen und französischen Lektoren etwas für Europa tun. Weil die Osterweiterung ansteht, wird zwei Monate lang ein Lektor aus einem der zehn Beitrittsländer die jungen Leute in Deutschland und Frankreich begleiten.cof

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