Franz-von-Mendelssohn-Medaille : Unternehmen soziales Berlin

Die Franz-von-Mendelssohn-Medaille, eine Ehrung für gesellschaftlich engagierte Betriebe, wird 2014 zum zehnten Mal ausgelobt. Stephan Schwarz und Eric Schweitzer, die Chefs von Handwerkskammer und IHK, erzählen, was der Preis für die Stadt bedeutet.

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Die Medaille. Benannt ist die Auszeichnung nach dem Bankier und Wohltäter Franz von Mendelssohn (1865–1935).
Die Medaille. Benannt ist die Auszeichnung nach dem Bankier und Wohltäter Franz von Mendelssohn (1865–1935).Foto: IHK Berlin / Kruppa

Es ist ein besonderes Jubiläum des Engagements in Berlin: Zum zehnten Mal wird in diesem Jahr die Franz-von-Mendelssohn-Medaille verliehen, eine Auszeichnung für Unternehmen mit Sitz in Berlin, die sich sozial besonders engagieren. Gestiftet wurde die Ehrung von den Präsidenten der Handwerkskammer und der Industrie- und Handelskammer, Stephan Schwarz und Eric Schweitzer. Sie loben aus ihrer privaten Schatulle das Preisgeld von 10 000 Euro aus, das in drei Summen zu 5000, 3000 und 2000 Euro aufgeteilt wird. Zusätzlich gibt es einen undotierten „Corporate Social Responsibilty (CSR)“-Sonderpreis.

Die Würdigungen werden am 23. September in der Mendelssohn-Remise am Gendarmenmarkt, einem Veranstaltungs- und Ausstellungssaal, der durch ehrenamtliches Engagement getragen wird, überreicht. Musikalisch gestaltet wird die Feier durch den „MendelssohnKammerChor Berlin“.

Der Tagesspiegel ist auch in diesem Jahr wieder Medienpartner – und hat zum Auftakt des gesellschaftlichen Wettstreits mit den Initiatoren des Preises gesprochen.

Die von Ihnen beiden gestiftete Mendelssohn-Medaille wird in diesem Jahr zum zehnten Mal ausgeschrieben – was für eine Bilanz ziehen Sie im Rückblick?

Schwarz: Eine durchweg positive. Wir haben nicht nur viele Betriebe zum Mitmachen animieren können, sondern haben es ebenso geschafft, das soziale Engagement der Betriebe in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.

Eric Schweitzer ist Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin und des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).
Eric Schweitzer ist Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin und des Deutschen Industrie- und Handelskammertages...Foto: dpa

Schweitzer: Und damit haben wir auch schon eines der Ziele erreicht: auf solche Unternehmen aufmerksam zu machen, denn das ist uns wichtig. Die Unternehmen tun jedes Jahr etwas Besonderes und tragen durch Kreativität und Engagement einen großen Teil für den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft bei. Die Unternehmer sind eines der wenigen verbliebenen Vorbilder: Sie sorgen für sich selbst als Unternehmer und beteiligen darüber hinaus andere an ihrem Erfolg.

Was hatten Sie erwartet, als Sie beschlossen, sozial engagierte Unternehmer auszuzeichnen? Ermutigung? Anschub, mehr zu tun? Ein Beispiel setzen?

Schweitzer: Es gab jede Menge verschiedene Motive – aber um es auf den Punkt zu bringen: Unternehmer und ihre Mitarbeiter, die etwas leisten, sollten damit in die Öffentlichkeit gehen und andere Betriebe ermutigen, sich ebenfalls zu engagieren oder über ihr Engagement zu sprechen.

Schwarz: Soziales Interesse sollte sichtbarer gemacht werden. Berlin ist eine Stadt, in der es unzählige Möglichkeiten gibt, sich zu engagieren. Mit der Mendelssohn-Medaille sollte auch darauf aufmerksam gemacht werden.

Wenn Sie die Bewerbungen der zurückliegenden neun Jahre bewerten, hat Sie etwas überrascht? Und hat sich an der Struktur der Bewerber, an der Art ihres Engagements im Lauf der Zeit etwas geändert?

Schweitzer: Vor wenigen Jahren hieß es noch, dass die Berliner Unternehmen „Luft nach oben“ hätten, wenn es um soziales Engagement geht. Wenn ich mich recht erinnere, kamen diese Worte sogar aus dem Mund meines Kollegen Schwarz. Betrachtet man jedoch die heutige Lage oder misst man die „Luft“, kann man nicht nur beobachten, dass die Beteiligung immer größer geworden ist, sondern auch, dass sich die Bandbreite des Engagements durchaus verändert hat.

Stephan Schwarz ist Präsident der Berliner Handwerkskammer und hat die Mendelssohn-Medaille gemeinsam mit IHK-Chef Schweitzer gestiftet.
Stephan Schwarz ist Präsident der Berliner Handwerkskammer und hat die Mendelssohn-Medaille gemeinsam mit IHK-Chef Schweitzer...Foto: Mike Wolff

Schwarz: Selbstverständlich zum Positiven, Eric. Besonders die Vielfalt der Engagements und die grenzenlose Ideenvielfalt, wenn es darum geht zu helfen, beeindruckt jedes Jahr aufs Neue. Von der Unterstützung eines Sportvereins über Gratisessen für Schulen und Kitas, bis hin zu praktischer Nachbarschaftshilfe – der Raum für soziales Engagement wächst und wächst.

Hat die Auslobung der Mendelssohn-Medaille so etwas wie einen Schneeballeffekt gehabt? Engagieren sich heute mehr Unternehmen sozial, weil Sie als die Präsidenten von Handwerkskammer und IHK das quasi als Zielvorstellung beschreiben?

Schweitzer: So weit würde ich nicht gehen. Da es keine konkrete Zielvorstellung gibt, liegt das soziale Engagement der Betriebe auch nicht in unserer Hand. Schließlich ist das Thema für viele Unternehmen ohnehin selbstverständlich – allein die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Tatsache, dass Sie Rückgrat für unseren Wohlstand sind, bestätigt dies. Jedoch haben wir es mit der Auszeichnung geschafft, Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken Die Mendelssohn-Medaille soll die Betriebe anregen, sich ihres Engagements bewusster zu werden, es auszubauen und es auch zu kommunizieren.

Schwarz: Schon in den ersten Jahren haben sich bereits viele Unternehmen beworben, was uns gezeigt hat, dass diese Auszeichnung durchaus ankommt bei den Berliner Unternehmen.

Heute nennen wir ja etwas hochtrabend Corporate Social Responsability, CSR, was viele gerade kleinere Unternehmen in ihrer unmittelbaren Umgebung auch schon früher praktiziert haben. Ist das nun nur ein neuer Name für eine alte Tugend, oder hat sich doch etwas geändert?

Schwarz: Das Leitbild des „ehrbaren Kaufmanns“ gab es schon lang, bevor der Begriff „CSR“ aus den USA zu uns rüberschwappte. Geändert hat sich demnach nicht wirklich etwas. Viele Berliner Unternehmen engagieren sich schon lange, ohne in die Öffentlichkeit zu treten, weil soziales Engagement schon lange eine Selbstverständlichkeit für sie ist.

Schweitzer: Richtig, ein neuer Name für eine alte Tugend – aber neue Namen bringen auch neue Aufmerksamkeit.

Was bewirkt soziales Engagement im Unternehmen selbst? Stärkt es das Zusammengehörigkeitsgefühl?

Schwarz: Zweifellos wird das Zusammengehörigkeitsgefühl dadurch gestärkt. Anders würde es solch einen Preis auch nicht geben können – wenn Menschen sich sozial einsetzen, gehört immer eine große Portion Zusammengehörigkeitsgefühl dazu. Wenn man etwas als Team auf die Beine stellt, ist das nicht nur ein gutes Gefühl, sondern macht einen auch sehr stolz.

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