Berlin : Franziskus-Schule steht nicht mehr aufs Sitzenbleiben

Alle werden in der katholischen Schule in die nächste Klasse versetzt – deshalb bekommen schwache Schüler mehr Einzelförderung und weniger „Frontalunterricht“

Katja Gartz

An der katholischen Franziskus-Schule in Schöneberg müssen Schüler der siebten Klassen im kommenden Schuljahr keine Angst mehr vor dem Sitzenbleiben haben. Ihre Wissenslücken können sie stattdessen in kleinen Gruppen im Nachhilfeunterricht schließen. „Mit gezielter Förderung wollen wir die Leistungen der Schüler verbessern. Wenn sie eine Klasse wiederholen, ändern sich die Noten kaum“, sagt Michael Kiebel, der stellvertretende Schulleiter.

Mit den siebten Klassen wird an der Franziskus-Schule ein Reform-Modell eingeführt, das von der Schulleitung, sechs Lehrern, dem Erzbistum und in Kooperation mit Wissenschaftlern der Humboldt-Universität sowie Unternehmern entwickelt wurde. Unter dem Motto „Das Kind in die Mitte“ soll sich künftig auch der Unterricht ändern. Die Franziskus-Schule vereinigt unter ihrem Dach Grund- und Oberschule bis zur zehnten Klasse. Die Aufteilung der Schüler in Haupt-, Realschul- und Gymnasialklassen gehört vom neuen Schuljahr an der Vergangenheit an. Nach dem Reformkonzept lernen Hauptschüler mit Gymnasiasten gemeinsam. „Wir müssen Unterrichtsmaterialien für schwache, mittlere und gute Schüler parat haben“, sagt Englischlehrerin Janette Beckmann.

Sie befürwortet den größeren Aufwand für Lehrer, weil die Kinder davon profitieren. „Die einen werden mit wiederholten Übungen gefördert, andere mit schwierigeren Aufgaben gefordert, dabei lernen die Schüler auch voneinander“, sagt Schulleiter und Mathematiklehrer Peter Schaumann. Geplant sind außerdem weniger „Frontalunterricht“, mehr Gruppenarbeit sowie projektorientiertes, selbständiges und eigenverantwortliches Lernen. Teamarbeit wird künftig auch von den Lehrern gefordert: „Um Projektwochen fächerübergreifend zu gestalten, müssen wir den Unterricht gemeinsam planen und uns besser absprechen als bisher“, sagt Sport- und Gesellschaftskundelehrer Michael Kiebel.

Mit der Reformschule ändert sich auch der Stundenplan. So sieht die Stundentafel der siebten Klasse in den Hauptfächern wie Deutsch, Englisch, Mathematik nur drei anstatt bisher vier Wochenstunden vor. In den neu gewonnenen Stunden werden Lerntechniken vermittelt und Wochenarbeitspläne entwickelt. Auf dem Programm stehen auch Bildungsreisen.

Gelegenheit, sich kennen zu lernen, die nähere Umgebung der Schule zu entdecken oder über die eigene Herkunft zu berichten, haben die Siebtklässler in ihrem ersten Projekt, das unter dem Stichwort „Kennenlernen“ steht.

Um schwachen Schülern zusätzlichen Förderunterricht zu ermöglichen, wurden die regulären Schulstunden von 45 auf 40 Minuten reduziert. In den dadurch gewonnenen vier Wochenstunden werden Wissenslücken geschlossen oder Arbeitsgemeinschaften besucht. Am Nachmittag kooperiert die St. Franziskus-Schule mit Mitarbeitern des Malteser Hilfsdienstes , die zur Kinder- und Jugendbetreuung an der Schule ein dreijähriges Modellprojekt gestartet haben.

Von den insgesamt 750 Schülern aus über 25 Nationen bieten die Malteser 35 Grundschulkindern bis 15 Uhr eine Hausaufgabenbetreuung an. „Die Nachfrage ist groß, aber durch Raum- und Personalknappheit können wir nicht mehr Kinder aufnehmen“, sagt Sozialarbeiterin Katja Hoffmeister, die sich am Nachmittag mit zwei ehrenamtlichen Helfern und einer Praktikantin um die Kinder kümmert. Für Oberstufenschüler werden Schulsanitätsdienst, Erste-Hilfe-Kurse und Theatergruppen angeboten. Finanziert wird das Projekt durch Spenden und Eigenmittel der Malteser.

„An fehlenden Mitteln scheiterte bislang die geplante Zusammenarbeit mit Kinderzirkustrainern der Ufa-Fabrik“, sagt Projektleiter Klaus Kaiser. Neben Ferienaktivitäten organisieren die Malteser an der Schule auch eine Cafeteria, in der Schüler belegte Brötchen, warme Suppen und Getränke kaufen können. Nach Auskunft von Schulleiter Peter Schaumann sollten alle Schüler mittags essen und das Kursangebot am Nachmittag nutzen können. Der Antrag für eine Ganztagsschule ist bereits gestellt.

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