Berlin : Französischer Dom: Pächter verzweifelt gesucht

Suzan Gülfirat

Der Aufstieg über die Steinstufen der steilen Wendeltreppe zur Kuppel des Französischen Doms weckt Erinnerungen an märchenhafte Zeiten. Hinter der verschlossenen Holztür auf dem Weg zur Aussichtsplattform könnte Dornröschen im Todesschlaf liegen oder Rapunzel auf ihre Befreiung warten. Ähnlich kompliziert wie das Schicksal der beiden Märchenfiguren ist auch die Geschichte der Gaststätte, die sich tatsächlich ganz oben im Turm hinter der Tür befindet. Die Räume stehen seit zweieinhalb Jahren leer, weil die Senatsverwaltung für Wissenschaft und Kultur immer noch keinen geeigneten Pächter gefunden hat.

Den letzten Pächter hat die Behörde wegen hoher Mietschulden rausgeklagt. Genauer gesagt sucht die Kulturverwaltung seitdem nach dem richtigen Konzept. Ein Konzept, das so viel Einnahmen verspricht, dass der Interessent nicht auf dem Absatz kehrtmacht, wenn er die Renovierungskosten hört, die auf ihn zukommen, wenn er die Gaststätte übernimmt: Etwa eine halbe Million Mark.

Vier junge Männer, die die staatliche Hotelfachschule in Weißensee besuchen, glauben nun eine Idee zu haben, wie die Gaststätte aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt werden könnte. Ihre Abschlussarbeit haben sie dem Konzept gewidmet, das den Turm am Gendarmenmarkt für das Publikum retten soll. Der Vorschlag von Sebastian Kober (26), Alexander Bayer (23), Rayk Grzimek (23) und Matthias Klamerksi (31) hat sogar Anklang bei der Kulturverwaltung gefunden. Nun fehlt "nur noch" der Interessent, dem sie das Konzept schenken können.

"Schön!", rutscht es dem Besucher heraus, wenn sich die Tür zu dem gemütlichen Raum öffnet. Es gibt einen Zugang auf eine kleine Terrasse, mit Blick auf den Gendarmenmarkt. Eine Treppe mit verschnörkeltem Gelände Raum führt in die obere Ebene, so dass beim Betreten der Gaststätte der Eindruck entsteht, dass sie nicht so klein ist, wie sie auf dem ersten Blick wirkt.

Nach dem Willen der Fachmänner soll es hier einmal sehr exklusiv zugehen: Mit Cocktails, außergewöhnlichem Fingerfood, Salaten, Canapees und natürlich Lifemusik, zum Beispiel Saxophon. In der Küche dürfen wegen der Brandgefahr keine warmen Gerichte zubereitet werden, weil dafür der nötige zweite Rettungsweg fehlt. Für große Kochaktionen gibt es ohnehin kaum Platz.

15 Interessenten meldeten sich nach dem ersten Ausschreibungsverfahren der Kulturwaltung vor zwei Jahren. Bald werde ein neues Restaurant im Turm eröffnet werden, erklärte der damalige Kultursenator, Peter Radunski. Doch 12 Interessenten sprangen sofort wieder ab, die übrigen drei reichten Konzepte ein, die aber nicht realisiert wurden. "Unser Konzept wird funktionieren", sind sich dagegen die Hotelfachschüler sicher. Einer ist ausgebildeter Hotelfachmann, zwei sind Restaurantfachleute und einer ist Koch. Im Moment erarbeiten sie eine Marktanalyse, bei der der Standort der Gaststätte, die Zielgruppe und die Konkurrenz besonders berücksichtigt werden.

Im oberen Stockwerk geht es katakombenartig durch einen halbrunden Flur zur zukünftigen Zigarren-Lounge. "Die Gäste können hier eine Zeitung lesen, eine gute Zigarre rauchen oder einen Geschäftspartner treffen", sagen die Fachmänner. Bis es soweit ist, kann allerdings noch dauern. Die Fassade des Turms wird zurzeit für knapp 12 Millionen Mark renoviert.

Die Gaststätte wird frühestens im nächsten Sommer freigegeben, heißt es in der Senatsverwaltung für Kultur. In der Zwischenzeit kommen regelmäßig Anfragen, weil sich mittlerweile der Erfolg des Restaurants "Refugium" der Evangelischen Akademie zu Berlin in der ehemaligen Unterkirche der Friedrichstadtkirche nebenan herumgesprochen hat.

Interessenten für das Projekt im Französischen Dom am Gendarmenmarkt können mit den Hotelfachschülern unter der E-Mail-Adresse Studienarbeit@gmx.net Kontakt aufnehmen.

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