Berlin : Frau am Steuer

Heidi Hetzer rettete einst das Autohaus ihres Vaters – Jetzt wurde das Berliner Traditionsunternehmen 85 Jahre alt

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Bei einer AutoRallye ist Heidi Hetzer vor einigen Jahren mal als Beifahrerin eingesprungen und in einem Alfa Romeo mitgefahren. Danach hat sie monatelang Briefe von enttäuschten Kunden bekommen. Denn für viele von ihnen ist die Chefin des Berliner Traditions-Autohauses Opel Hetzer eben „Frau Opel“ und gehört in keinen Alfa. „Es hat mich damals geehrt zu wissen, wie sehr ich mit meiner Marke identifiziert werde“, sagt die heute 67-Jährige. Mit mehr als 1000 Gästen, Live-Bands und Artistengruppen feierte das Unternehmen gestern im Oldtimmer-Depot Meilenwerk in der Wiebestraße in Moabit 85-Jähriges Firmenjubiläum. 2500 Neu- und Gebrauchtwagen verkauft das Autohaus mit Filialen in Charlottenburg, Steglitz und Mitte pro Jahr, mit 75 Millionen Euro Umsatz gehört es zu den ganz Großen in Berlin. Dass es soweit kommen würde, war nicht immer klar.

Gestern auf den Tag genau vor 85 Jahren eröffnete Heidi Hetzers Vater Siegfried eine Ein-Mann-Werkstatt für Motorräder in der Bismarckstraße. In den 30er Jahren wurde daraus ein florierendes Autohaus, aber nach dem Zweiten Weltkrieg musste er von vorne anfangen. Bei seinem Tod 1969 hinterließ er seiner Tochter ein angeschlagenes Unternehmen und Millionen Schulden. Junge Leute kauften damals kaum noch Opel – zu altbacken, nur was für „Autofahrer mit Hut“, fanden sie.

Heidi Hetzer war Schwierigkeiten gewohnt. In den 50er Jahren als Frau eine Kfz-Mechaniker-Ausbildung zu machen, bedeutete, sich durchbeißen zu müssen. Mit flotterem Marketing („Berlin hat einen neuen Senator“, „Veni, vidi, Vectra“) verkaufte sie Opel bald auch wieder an Jüngere. Gut fürs Image war auch Heidi Hetzer selbst. Denn die „schnelle Heidi“ liebt Rennwagen. Seit 40 Jahren fährt sie selbst Rallyes. Nach der Präsentation des neuen Astra am kommenden Wochenende steht wieder eine Rallye auf Mallorca an. Ihre Corvette hat sie vorsichtshalber schon hin transportieren lassen – nicht, dass sie am Ende einen Alfa Romeo fahren muss. jule

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