Berlin : Frau Berlin meldet sich zurück

Die Berolina war fast vergessen. Jetzt soll die Symbolfigur der Stadt gleich zwei Mal wiederkehren. Ein Wettbewerb und eine Spur zum Müggelsee

Christian Hönicke

Es gibt Berolina-Häuser, Berolina-Straßen und wer weiß wie viele Firmen und Sportklubs, die sich Berolina nennen. Nur die Berolina, jene Statue, die Berlin versinnbildlichen soll, hat schon seit fast 60 Jahren niemand mehr gesehen. Dabei gab es früher sogar zwei Berolinas. Die erste wurde 1889 am Potsdamer Platz, sechs Jahre später am Alexanderplatz aufgestellt. 1895 entstand ein Kontorhaus am Hausvogteiplatz, über dessen Portal eine Berolina-Büste angebracht wurde. Sie verschwand 1918 nach einem Brand im „Haus zur Berolina“. Knapp dreißig Jahre später war auch der Alex seine Statue endgültig los – vermutlich wurde sie eingeschmolzen. Der Sockel diente noch bis 1958 als Litfaßsäule, dann wurde er demontiert.

Nun, viele Jahre später, gibt es Bemühungen, die beiden Sinnbilder wieder aufleben zu lassen – wenn auch mit unterschiedlichen Ansätzen. Am Hausvogteiplatz, der mit seinen schicken Bürohäusern das neue Berlin repräsentiert, soll die Berolina den Weg in die Zukunft weisen. Niemals habe man einen Gedanken daran verschwendet, die alte Büste an der Fassade zu kopieren, betont Hans Jürgen Biet von der TLG Immobilien, die das „Haus zur Berolina“ gerade saniert. Mit ihrem Rüstungshelm und dem finsterem Blick habe sie für die „deutsche Großmachtattitüde“ gestanden.

Deshalb wurde ein Wettbewerb ins Leben gerufen, in dem Studenten neue Berolinas entwerfen sollen. Die zehn besten sind noch bis zum 13. Juli im „Haus zur Berolina“ (Hausvogteiplatz 12) zu sehen. Dann wird eine Jury, in der auch Senatsbaudirektor Hans Stimmann und Mittes Bürgermeister Joachim Zeller vertreten sind, den Siegerentwurf küren, die vor dem Haus errichtet wird.

Weniger konkret sieht die Lage am Alex aus. Zwar hat Annabelle Berger eine Initiative gegründet, um dort eine Kopie der 7,5 Meter hohen Berolina aufzustellen. Sie kann auch Befürchtungen zerstreuen, wonach ein exakter Nachbau nicht möglich wäre, weil das Original fehle. „Wir haben eine kleine Berolina, die der Künstler Emil Hundrieser zusätzlich zur großen gefertigt hat.“ Doch da sind noch die Kosten von 600 000 Euro, die Berger über Spendengelder finanzieren will, und die Bürgerbeteiligung zur Neugestaltung des Platzes: Die Hälfte der Menschen empfindet das Standbild als rückwärts gewandt. Im Herbst soll die Entscheidung fallen.

Bis dahin könnte auch der alte Sockel wieder zu Tage gefördert sein (siehe Kasten). Bleibt die Frage, ob durch die neue Skulptur am Hausvogteiplatz die Berolina am Alex gefährdet ist. Beide Projekte stehen in keinerlei Konkurrenzkampf, betonen Biet und Berger unisono. „Hauptsache, die Berliner besinnen sich wieder auf ihre Symbole“, sagt Berger.

Senatsbaudirektor Stimmann merkt an, dass die Berolina beim Wettbewerb zur Platzgestaltung „eine gewichtige Rolle“ spielt. Falls es jemandem gelänge, die Figur in den umgebauten Alexanderplatz einzubinden, „dann wird sie wieder aufgestellt. Wenn man schon mal den Sockel hätte, wäre das ein wichtiger Schritt.“

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