Frau Freitag und Frl. Krise : Vom Blog zum Buch

Zwei Lehrerinnen bloggen regelmäßig über ihren Alltag an Berliner Schulen. Nun haben sie das Buch "Der Altmann ist tot" geschrieben und touren damit durch die Bundesrepublik, um Berlin auch mal von unten zu zeigen.

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Wenn die Schüler den Klassenraum verlassen, bloggen Lehrer über ihre Erfahrungen an Schulen.
Wenn die Schüler den Klassenraum verlassen, bloggen Lehrer über ihre Erfahrungen an Schulen.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Frl. Krise schaut den jungen Mann prüfend an, als ob er seine Hausaufgaben vergessen hätte: „Und, was machst du jetzt beruflich?“ Er lächelt schüchtern. „Ich arbeite jetzt in einer Baufirma." Der Mann überragt Frl. Krise um einiges, trotzdem merkt man, dass er aus der Schülerrolle noch nicht ganz herausgewachsen ist. Seine ehemalige Lehrerin schaut ihm hinterher. „Es gibt Hunderte von Schülern, die hier in Berlin herumlaufen, da trifft man immer jemanden“, erzählt die 65-Jährige. Eine von vielen Gemeinsamkeiten, die das echte Fräulein Krise mit ihrem Alter Ego aus ihrem Blog und ihren Büchern hat. Im am gestrigen Freitag erschienenen Buch „Der Altmann ist tot“ begegnet sie ihren ehemaligen Schülern Ömür und Emre. Die haben sich zu Polizisten gemausert und kommen daher ganz gelegen. Denn Frl. Krise und Frau Freitag sind gerade dabei, den Mord an ihrem Kollegen Herrn Altmann aufzuklären. Frau Freitag und Frl. Krise sind die Alter Egos zweier Lehrerinnen, wie sie an jeder Kreuzberger oder Neuköllner Gesamtschule unterrichten könnten – und vor allem in den Lehrerzimmern der 900 Berliner Schulen bekannt.

„Wir hätten das Buch auch unter Klarnamen schreiben können, aber das hätte unnötig Aufregung gegeben“, sagt Frau Freitag und bläst den Zigarettenrauch aus ihrem Mund. Im Gegensatz zu der literarischen Frau Freitag verheimlicht sie ihre Gewohnheit nicht. Frl. Krise wurde nach ihrem ersten Buch von ihrer Klasse auf das Buch angesprochen – die Schüler hatten sich wiedererkannt.

Lehrer-Chat. Die beiden Autorinnen wollen anonym bleiben, deshalb gibt es nur diese Zeichnung.
Lehrer-Chat. Die beiden Autorinnen wollen anonym bleiben, deshalb gibt es nur diese Zeichnung.Illustration: promo

Die beiden Autorinnen erzählen eine ähnliche Geschichte: Mit einem Blog fing alles an, dann kam das erste Buch „Chill mal, Frau Freitag“. Ihre Erfahrungen als Lehrerinnen an Berliner Schulen haben die beiden nun gebündelt und ein gemeinsames Buch geschrieben. Die Dialoge entstanden per Chatprogramm, ansonsten schrieben sie im Wechsel. Herausgekommen ist – ein neues Lehrerinnenbuch? Ein Berlin-Krimi? „Das Gute ist, dass es eigentlich überall liegen kann“, sagt Frau Freitag, „bei den Krimis, bei den Büchern über Schule oder bei den Berlin-Krimis“.

Die beiden sitzen in einem Café am Marheinekeplatz. Schräg gegenüber beginnt die Friesenstraße, die sich die beiden Ermittlerinnen im Buch auf ihren Fahrrädern hinaufquälen müssen. Hier ist Kreuzberg, hier spielt die Geschichte: Am nahe gelegenen Platz der Luftbrücke etwa lassen sich die Schüler bei einer Rallye erzählen, dass das Denkmal zum Gedenken an die Berliner Luftbrücke „Mistharke“ genannt wird – was vielleicht so nicht ganz stimmt, aber humorvoll gemeint ist. Die beiden Autorinnen gehen gelassen an den Berliner Alltag heran. Da ist zum Beispiel Ali, der Späti-Besitzer. Ihm müssen die beiden Detektivinnen erst beibringen, wie man mit ordentlich türkischem Akzent spricht. Denn eigentlich trinkt er lieber Pils und philosophiert über die guten alten Zeiten, als die Mauer stand und es ruhiger war in Kreuzberg.

Ihre Geschichten spielen im Gewusel am Reichstag, auf dem Markt am Maybachufer und in den dunklen Hinterhöfen Moabits. „Wir wollen Berlin mal ein bisschen von unten zeigen, nicht so aus dem Katalog“, sagt Frl. Krise und denkt schon laut über eine Stadtführung durch das Berlin einer Kreuzberger Gesamtschullehrerin nach. Vorher touren sie und Frau Freitag aber noch mit ihrem Buch durch Deutschland, unter anderem zu einem Krimifestival. „Eigentlich wollten wir da letztes Jahr hin, um einen Kurs zum Krimischreiben mitzumachen“, erinnert sich Frau Freitag. „Und jetzt lesen wir da selbst als Autorinnen.“

„Der Altmann ist tot“, erschienen im Rowohlt Verlag, 14,99 Euro. Lesung am 11. Juni um 19 Uhr im Kulturkaufhaus Dussmann, der Eintritt ist frei.

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