Berlin : Frau lag 16 Monate tot in Wohnung

Hausverwaltung hatte die Polizei geholt, weil Miete ausblieb

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Es hat nicht mal im heißen Sommer 2003 gerochen im Haus. Da lag die Rentnerin Helga L. schon ein Jahr tot in ihrer Wohnung in der Katzbachstraße in Kreuzberg. Nachdem die Hausverwaltung auf mehrere Briefe, wieso denn die Miete ausbleibe, keine Antwort bekommen hatte, rief sie jetzt die Polizei. Unter der Schlafzimmertür hindurch sah ein Polizeibeamter im Flur der aufgeräumten Vorderhauswohnung die schon skelettierte Leiche direkt hinter der Tür. Um keine Spuren zu verwischen, schlug die Feuerwehr vom Hof die Scheibe des Schlafzimmerfensters ein. Schnell war klar, dass die Frau eines natürlichen Todes gestorben ist. Vermisst wurde Helga L. nicht. Die letzte Zeitung in der Wohnung sei aus dem Vorjahr, sagte ein Feuerwehrmann vor Ort. Am Nachmittag präzisierte die Polizei, dass die damals 77Jährige im August 2002 gestorben sei – der letzte aufgeschlagene Monat im Kalender.

Für die Beamten ist ein derartiger Einsatz keine Seltenheit. Teilweise liegen allein stehende Menschen viele Jahre lang unentdeckt in der Wohnung. Von Witterung und Temperatur nach Eintritt des Todes hänge es ab, wie stark der Verwesungsgeruch sei. Und wenn die Wohnungstür dicht schließe, sei es gut möglich, dass der Geruch im Treppenhaus nicht bemerkt werde, sagte ein Feuerwehrmann. Helga L. hatte Nachbarn in den Wohnungen nebenan, darüber und darunter. Da die Gardinen zugezogen waren, fiel auch den Mietern im gegenüberliegenden Hinterhaus nichts auf. Am ehesten hätte der Briefträger Verdacht schöpfen können. Der Briefkasten im Hausflur quoll zwar nicht über, war jedoch gut voll. Zuletzt hatte die Gebühreneinzugszentrale geschrieben.

Die moderne Technik fördert derartige Schicksale. Denn die meisten Menschen bezahlen Miete und Strom per Dauerauftrag oder Einzugsermächtigung. Da auch die Rente automatisch kommt, sei ein Konto nie im Minus – niemand wird stutzig. Bei allein stehenden oder zurückgezogen lebenden Menschen sei meist der Vermieter derjenige, der irgendwann die Polizei hole, hieß es. Das einzige was helfe, sei Kontakt zu den Nachbarn, sagte ein Polizist. Ha

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