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Frau unterrichtet jahrelang mit gefälschten Examensurkunden : Falsche Lehrerin in Berliner Klassenzimmern

Eine 48-Jährige soll 17 Jahre lang in Berlin und anderen Bundesländern mit gefälschten Examensurkunden als Lehrerin gearbeitet haben. Erst nach Klagen über ihren Unterricht fielen die Fälschungen auf.

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Ein leeres Klassenzimmer
Die Lehrerin mit gefälschten Examensurkunden soll sogar Abiturprüfungen abgenommen haben.Foto: dpa

Eine Frau soll jahrelang in Berlin, Brandenburg und anderen Bundesländern mit gefälschten Examensurkunden als Lehrerin gearbeitet und Abiturprüfungen abgenommen haben. In Schleswig-Holstein, wo sie von 2008 bis 2012 unterrichtete, wird inzwischen wegen schweren Betrugs und Urkundenfälschung gegen die 48-Jährige ermittelt. Ihr droht eine Haftstrafe von sechs Monaten bis zehn Jahren. Außerdem haben Berlin und andere Länder, in denen sie unterrichtete, bereits Verfahren eingeleitet, um zu Unrecht ausgezahlte Gehaltsanteile zurückzufordern. Die Schadenssumme beträgt alleine in Berlin laut Bildungsverwaltung rund 70.000 Euro. Die Frau habe für ihre tatsächliche Befähigung ein zu hohes Entgelt erhalten, heißt es.

Berlin hat Strafanzeige erstattet

Zusätzlich hat auch Berlin gegen die Frau Strafanzeige erstattet. Vorfälle aus den Jahren vor 2008 sind allerdings mittlerweile strafrechtlich verjährt. Brandenburg hat deshalb auf diesen Schritt verzichtet. In Berlin war die Frau nach Angaben der Bildungsbehörde von 2000 bis 2002 als angestellte Lehrerin tätig. Danach wurde sie verbeamtet und unterrichtete dem Vernehmen nach bis 2008 in einer Berufsschule in Charlottenburg.

Mehr als ein Jahrzehnt war die aus Wismar stammende Hochstaplerin mit ihrer Masche durchgekommen. In der DDR absolvierte sie eine Ausbildung zur Diplom- Lehrerin – in den Fächern Deutsch und Staatsbürgerkunde. Mit Letzterem konnte sie nach der Wende aber nicht mehr viel anfangen. In Brandenburg bewarb sie sich dennoch erfolgreich auch für dieses Fach – mit gefälschten Examenszeugnissen, die ein in Nordrhein-Westfalen mit Bestnoten absolviertes Zusatzstudium in Pädagogik und Politik nachweisen sollten. Von 1995 bis 2000 war sie dort im Beamtenstatus tätig. Dann kündigte sie wegen dienstrechtlicher Probleme und ging nach Berlin.

Dass sie schon in Brandenburg Lehrerin war, teilte sie den Bildungsbehörden nicht mit. Aus gutem Grund: Dann hätte Berlin die Personalakten aus Brandenburg angefordert. Nach ihrer Berliner Zeit suchte sich die Frau eine neue Stelle in Mölln in Schleswig-Holstein. Auch dort ließen sich die Behörden von den gefälschten Zeugnissen täuschen. Diese waren nach Tagesspiegel-Informationen selbst für Experten in den Bildungsbehörden kaum als Fälschungen zu erkennen.

Direktor kommt ihr auf die Schliche

Der Direktor des Möllner Marion-Dönhoff-Gymnasiums, wo sie bis Ende 2012 arbeitete, kam ihr schließlich auf die Schliche. Ihm war die Diskrepanz aufgefallen zwischen dem vermeintlichen Super-Unizeugnis und dem fachlich schwächeren Eindruck, den die Frau bei Kollegen, Eltern und Schülern hinterließ. Zuvor hatte es bereits mehrfach Klagen über ihren Unterricht gegeben. Im Dezember 2012 wurde sie dann suspendiert und verlor zugleich den Beamtenstatus.

Die 48-Jährige war sich ihrer Sache aber offenbar derart sicher, dass sie sich nun mit dem gleichen Täuschungsmanöver in Mecklenburg-Vorpommern bewarb. Und wieder mit Erfolg. Sie erhielt eine neue Lehrerstelle in Lübstorf und Bad Kleinen bei Schwerin. Es dauerte aber nicht lange, bis die Mecklenburger Behörden von der Staatsanwaltschaft in Schleswig-Holstein über den Fall informiert wurden. Danach flog sie auch dort aus dem Schuldienst. (mit dpa)

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