Frauen-WM : Das nächste Sommermärchen

In 101 Tagen beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen Im Olympiastadion wird gekickt, im Tiergarten gefeiert – aber ohne Leinwand

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Tolle Mieze. Karla Kick, das katzenartige Maskottchen der Frauen-Fußball-WM, zählt schon die Tage bis zum Anstoß. Foto: dpa
Tolle Mieze. Karla Kick, das katzenartige Maskottchen der Frauen-Fußball-WM, zählt schon die Tage bis zum Anstoß. Foto: dpaFoto: dpa

Ein neues Sommermärchen? Mittwochmittag erschien das im zugigen Hauptbahnhof noch weit weg. Vom Quietschen der einfahrenden Züge begleitet, versuchte Sportsenator Ehrhart Körting (SPD) etwa 100 Schaulustige vom Gegenteil zu überzeugen. Gemeinsam mit Hertha-Manager Michael Preetz und Bernd Schultz, Präsident des Berliner Fußballverbandes, enthüllte er eine rückwärts laufende Uhr, die anzeigt, wie viele Tage es noch bis zur Frauenfußball-Weltmeisterschaft sind – und wie viel Zeit dem deutschen Team somit bleibt, sich auf das Projekt Titelverteidigung im eigenen Land vorzubereiten. Am heutigen Donnerstag sind es noch genau: 101 Tage.

Beginnen soll das Sommermärchen der Frauen dort, wo das Turnier der Männer 2006 endete: im Berliner Olympiastadion. Hier tritt das Team von Bundestrainerin Sylvia Neid am 27. Juni im Eröffnungsspiel gegen Kanada an, mehr als 70 000 Fans werden zusehen. Die Karten sind schon fast weg. „Berlin liebt es zu feiern“, verkündete Ehrhart Körting. Der Auftakt in der Hauptstadt solle daher die Freude über das Frauen-Turnier ins ganze Land tragen. Partylaune war bei der Präsentation im Hauptbahnhof bereits dem Maskottchen „Karla Kick“ anzusehen, das locker neben dem Senator hin und her tänzelte.

Damit sich Karla Kicks euphorische Stimmung auf die Berliner überträgt, sind rund um das Eröffnungsspiel in der Stadt einige Feste geplant. Hinterm Kreuzberg ist bereits alles klar. Im Willy-Kressmann-Stadion, das vielen unter dem alten Namen Katzbachstadion ein Begriff ist, liegt ein neuer Rasen, im Juni findet dort das Frauen-Fußball-Kultur-Festival „Discover Football“ mit Mannschaften aus Indien, Afghanistan und Kamerun statt. Länder, in denen Frauenfußball weitaus weniger populär ist als hierzulande. Internationale Musikerinnen sollen bei der Kreuzberger Mini-Weltmeisterschaft für zusätzliche Bewegung sorgen.

Über die Feier am Brandenburger Tor hingegen gibt es noch ein paar Geheimnisse, aber auch die sollen in den nächsten Tagen gelüftet werden. Wenn nämlich die Fußball-WM in Berlin angepfiffen wird, rückt auch die Fanmeile kurz wieder in den Mittelpunkt. Da, wo sich die männlichen Fußballer vor fünf Jahren unter dem Gesang Xavier Naidoos von hunderttausenden Schwarz-Rot-Gold-Geschminkten für ihren dritten Platz feiern ließen. Am Tag vor dem Eröffnungsspiel im Olympiastadion sollen sich die Berliner mit Bier, Wurst und Musik im Tiergarten auf das Weltturnier der Frauen einstimmen. Das WM-Organisationskomitee des Deutschen Fußballbundes plant das Fanfest gerade gemeinsam mit dem Weltverband Fifa, dem Senat und einem großen Musikkonzern. Bei der WM 2006 traten hier Popstars wie Nelly Furtado, Ronan Keating und die Simple Minds auf – und diesmal? „Wir nennen noch keine Namen“, sagt Stephan Eiermann vom DFB-Organisationskomitee, noch sei nicht „alles in trockenen Tüchern“. Es würden aber ganz bestimmt Künstler von Weltruhm zum Auftakt in die Hauptstadt kommen. Nelly Furtado? Auch den Namen der kanadischen Sängerin, die mit „Forca“ für den Ohrwurm des Sommers 2006 verantwortlich war, habe er in dem Zusammenhang schon mal gehört.

Zu einer festen Institution wird die Party am Brandenburger Tor in diesem Sommer allerdings nicht. Anders als während der WM 2006 oder zur EM 2008 wird es hier keine TV-Übertragungen auf Leinwänden geben. Der Aufwand hierfür wäre einfach zu groß, sagt Eiermann. Mit dem Spiel im Olympiastadion und dem Fanfest findet zwar ein großer Auftakt in Berlin statt, danach aber geht es in weitaus kleineren Städten wie Sinsheim, Augsburg oder Bochum weiter. Selbst wenn das deutsche Team Weltmeister werden sollte, käme es nicht zurück. Das Finale ist in Frankfurt und dort, auf dem Rathausbalkon, würden die Damen den Titel vermutlich auch feiern

Berlin dient gewissermaßen als Anheizer für die Frauen-WM. Bis es so weit ist, plumpst am Hauptbahnhof jeden Tag zwischen 12 Uhr und 16.30 Uhr ein roter Fußball aus dem großen Countdown-Kasten.

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