Frauenclub Zonta in Berlin : Raus aus dem Korsett

Seit 50 Jahren fördert der Club Zonta Frauen bei Karrierefragen und Gleichberechtigung. 1966 durften Frauen allein noch nicht mal ein Konto eröffnen. Doch auch heute gibt es noch viel zu tun.

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Zonta-Präsidentin Anett Hoffmann-Theinert (2.v.r.) mit Marianne Gaehtgens, Karen Hiort, Ute Freifrau von Rechenberg und Sabine Röder (v. l.). Der Vorsitz wechselt jedes Jahr.
Zonta-Präsidentin Anett Hoffmann-Theinert (2.v.r.) mit Marianne Gaehtgens, Karen Hiort, Ute Freifrau von Rechenberg und Sabine...Foto: Mike Wolff

Im Grunde genommen ging es immer um die Förderung der Beweglichkeit. Vor allem der Beweglichkeit nach oben. Zonta ist ein Frauenservice-Club, der Gutes tut und Netzwerke bietet. Anfang April feiert der Berliner Zonta-Club sein 50-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass soll kräftig gefeiert werden mit Gästen aus dem In- und Ausland. Aber weil Zonta-Frauen immer auch bleibende Spuren hinterlassen, wird es eine Aktion für die Allgemeinheit geben. Am 7. April um 17 Uhr verlegen sie vor der Muthesius-Villa in der Potsdamer Straße 48 in Wannsee vier Stolpersteine für die von den Nazis verfolgten Besitzer des berühmten Modehauses Herrmann Gerson, Helene Freudenberg, ihren Mann Hermann Mayer und deren in Auschwitz ermordeten Töchter Bertha Helen Mayer und Margrete Helene Mayer.

Die Idee zu der Aktion, die gemeinsam mit dem Netzwerk Textil organisiert wird, kam bei einem Ausflug in die neu eröffnete Modeabteilung des Kunstgewerbemuseums zustande. Der Kuratorin Christine Waidenschlager erzählten die Zonta-Frauen von dem Stolperstein, den sie für Eugenie Isaac gelegt hatten, der Tochter des Besitzers der größten Fischbeinfabrik in der Chausseestraße. Die gemeinsame Lektüre des Buchs von Gesa Kessemeier „Ein Feentempel der Mode“ führte dann zu dem Beschluss den Modemachern ein Andenken zu setzen. Mit moderner Berufskleidung haben die sich für die Sache der Frauen auch verdient gemacht. Die Befreiung von Fischbeinkorsetts hat die Geschwindigkeit der Frauen schließlich erheblich erhöht.

Frauen zum selbstbestimmten Leben verhelfen

Bei mancher Karrieregeschwindigkeit hat auch der Club aufs Tempo gedrückt. Als Zonta Berlin 1966 von einer Journalistin gegründet wurde, durften Frauen ohne das Einverständnis ihrer Ehemänner noch kein eigenes Konto eröffnen. Daran erinnert die aktuelle Präsidentin Anett Hoffmann-Theinert. Insofern war der Zusammenschluss von Frauen in Führungspositionen mit hoher gesellschaftlicher Verantwortung außergewöhnlich. Bis heute geht es den Frauen darum, anderen Frauen weltweit zu einem selbstbestimmten Leben zu verhelfen. Die Frauen setzen sich für Bildung und Gleichstellung ein, kämpfen gegen Genitalverstümmelung und zu frühe Hochzeiten. Die Organisation wirkt beratend auch bei den Vereinten Nationen mit.

Die aktuelle Präsidentin ist Optikerin von Beruf, ihre Vorgängerinnen Ute Freifrau von Rechenberg, Karen Hiort und Marianne Gaethgens sind Notarin, Stadtplanerin und Frauenärztin. Gezielt fördern die Frauen Karrieren in Bereichen, die nicht als typisch weiblich identifiziert werden. Clubfrauen finden Bewerberinnen für internationale Stipendien in Luft- und Raumfahrttechnik, fördert Schülerinnen, die sich in der Politik einsetzen, und um Frauen das Studium der Ingenieur- oder Naturwissenschaften zu erleichtern, engagieren sich die „Zontians“ auch als Mentorinnen.

Seit vielen Jahren setzt sich der Club zudem für den Verein ZUFF ein, der Frauen in Not- und Gewaltsituationen zusammen mit ihren Kindern einen sicheren Ort in Zufluchtswohnungen bietet. Mehrsprachige Mitarbeiterinnen helfen den Frauen dabei, neue Perspektiven zu entwickeln.

Anders als die männlichen Serviceclubs versammeln sich die Zontafrauen nur einmal im Monat, die Jahresmitgliedschaft kostet derzeit 230 Euro. Für Frauen, die sowieso schon viel Mühe haben, Familie und Karriere zu bewältigen, gibt es eine Mitgliedschaft light. Marianne Gaethgens hat zudem einen Freundeskreis geschaffen, ohne Präsenzpflicht und mit reduzierten Beiträgen. Aber die Freundinnen werden zu fast allen Veranstaltungen eingeladen. Auch Männer können Mitglied werden, sind aber bislang nur ausnahmsweise dabei.

Häufiger ist das Phänomen zu beobachten, dass Väter ihre Töchter ermutigen, Mitglied zu werden bei Zonta, weil die Netzwerke so gut sind, und weil man Frauen aus den unterschiedlichsten Berufen trifft. Die Kunsthistorikerin Sabine Röder etwa ist vor einiger Zeit aus Krefeld nach Berlin gezogen und fand durch Zonta einen Freundeskreis schon vor.

Gala und Benefizkonzert

Schon jetzt haben fast 100 Gäste zur Jubiläumsgala zugesagt, die in der 11. Etage des Golden Tulip Hotels stattfinden soll. Am 8. April gibt es in der St. Matthäus-Kirche im Kulturforum ein Konzert mit dem israelischen Trio Galil. Da sind statt Eintritt großzügige Spenden zugunsten der Serviceprojekte willkommen. Mindestens 20 Euro sollten es schon sein, sagt Karen Hiort.

Zu den Höhepunkten des Wochenendes gehört dann eine gemeinsame Führung durch die Modegalerie des Kunstgewerbemuseums. Da wurde ja nicht nur die Idee mit den Stolpersteinen geboren. Man kann dort wunderbar darüber reflektieren, welche Rolle Kleidung bei der Befreiung von Frauen aus erstarrten Rollen gespielt hat.

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