Frauenpreis : "Aggressiv und karrieregeil"

Die IT-Managerin Anke Domscheit erhält den Berliner Frauenpreis – weil sie sich selbstbewusst für die Gleichstellung stark macht.

Anne Gonschorek
Domscheit
Anke Domscheit -Foto: Davids

Frauen kommunizieren einfach anders. Im Prinzip gebe es nur zwei Varianten, sagt Anke Domscheit, die am Montagabend im Schloss Charlottenburg mit dem Berliner Frauenpreis 2010 ausgezeichnet wurde: Eine Frau gelte entweder als Mäuschen – oder als karrieregeil und aggressiv. „Ich entscheide mich definitiv für aggressiv und karrieregeil“, stellt sie gleich zu Anfang klar. Die 42-Jährige aus Mitte, die heute beim Konzern Microsoft in Tiergarten arbeitet, musste für ihren Erfolg kämpfen. In der DDR studierte sie angewandte Textilkunst, doch nach der Wende war dieser Studiengang nicht mehr viel wert.

Schon von Kindesbeinen an sei ihr wichtig gewesen, unabhängig zu sein. Sie entschied sich, internationale Betriebswirtschaft und Management in Deutschland und England zu studieren. Nach Abschluss ihres Studiums stieg sie in der Arbeitswelt zunächst rasch auf. Dann jedoch, nach der Geburt ihres inzwischen neunjährigen Sohnes Jacob, ging es plötzlich nicht mehr weiter. Die sicher geglaubte Beförderung blieb aus. Die „gläserne Decke“, so empfand es Domscheit, war erreicht.

Damals arbeitete sie nach ihrem Erziehungsurlaub zunächst nur halbtags. Dass ihrer Leistung offenbar nur noch der halbe Wert zugemessen wurde, wollte Domscheit aber nicht hinnehmen. Man könne eben nicht beides haben, hieß es in ihrer Firma. Sie solle froh sein, mit Kind überhaupt arbeiten zu dürfen. Auch das Wort „Rabenmutter“ fiel häufig. „Hätte ich nicht meine DDR-Sozialisierung gehabt, dann wäre ich doch davon total eingeschüchtert gewesen. So aber wusste ich, dass das einfach bullshit war“, sagt sie und ärgert sie sich noch immer. „Ich habe mich dann mit einer Mischung aus Kompetenz, Charme und Penetranz durchgesetzt.“ Dazu gehöre eben auch, dass man deutlich sage: Ich will Karriere machen. Wenn nötig, auch mehrmals. Außerdem sei strategisches Vorgehen gefragt. Als sie feststellte, dass Frauen in ihrem Bereich bei der Beförderung mehrmals übergangen wurden, wechselte sie in einen frauenfreundlicheren Bereich – die Beförderung ließ nicht lange auf sich warten.

Für ihren langjährigen Einsatz für die Gleichstellung von Frauen in der Wirtschaft und die Bemühungen, junge Frauen auch für Berufe in von Männern dominierten Branchen zu motivieren, wurde sie am Abend durch den Frauen - und Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) ausgezeichnet. Wolf erklärte zur Entscheidung: „Anke Domscheit engagiert sich national und international in der ersten Reihe, oft als Pionierin und Initiatorin, wenn es darum geht, den ökonomischen Status von Frauen in der Welt zu verbessern.“ Ihre „Meisterleistung“ sei es gewesen, 2007 den Weltfrauengipfel nach Berlin geholt zu haben. Domscheit kündigte bei der Verleihung an, das Preisgeld einem indischen College, dem „Barefoot-College“ in Rajasthan zu stiften. Dort werden Solaringenieure ausgebildet, die später helfen sollen, die Energieversorgung der Dörfer zu verbessern. Anne Gonschorek

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