Frauenrechte : Anwältin Ates macht weiter

Die Frauenrechtlerin Seyran Ates wird nach Angaben des Berliner Anwaltsvereins (BAV) weiterhin als Rechtsanwältin in Berlin tätig sein. Politiker zollen Respekt für den Schritt - und fordern besseren Schutz.

Berlin - Ihre Entscheidung habe Ates nach einem Gespräch mit dem Deutschen Juristinnenbund (djb) und dem BAV mitgeteilt, sagte ein BAV-Sprecher. "Ich bin überwältigt von der Solidarität, die mir von so vielen Menschen und auf sehr vielen Ebenen entgegengebracht worden ist, damit habe ich nicht gerechnet", wird Ates zitiert.

Die 43-jährige Rechtsanwältin hatte sich stark für die Rechte muslimischer Frauen und gegen Zwangsheirat und Ehrenmorde eingesetzt. Die mehrfach ausgezeichnete Frauenrechtlerin hatte nach eigenen Angaben wegen ständiger Bedrohungen ihre Anwaltszulassung zurückgegeben und ihre Kanzlei aufgelöst.

Ates nehme ein Angebot an, das ihr djb und BAV unterbreitet hätten, hieß es weiter. Die Kompetenz, das Engagement und der Mut von Seyran Ates seien "für viele eine Ermutigung und ein Zeichen wahrer Integration", sagte djb-Vorsitzende Jutta Wagner. BAV-Chef Ulrich Schellenberg kündigte an, dass für Ates eine Anwaltssozietät gesucht werde, in der sie zu Beginn des kommenden Jahres ihre Arbeit weiterführen könne. Zuvor werde sie sich "von den Strapazen der vergangenen Wochen, auch mit ärztlicher Hilfe, erholen".

Bessere Schutzmaßnahmen gefordert

Politiker zollten Respekt für die Entscheidung der Frauenrechtlerin - und forderten gleichzeitig besseren Schutz für Frauen wie Ates. Die frauenpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Mieke Senftleben, betonte, sie habe "großen Respekt vor dieser mutigen Entscheidung". Frauen, die so für ihre und die Rechte anderer einträten wie Ates, müssten in einem Rechtsstaat ausreichend geschützt werden. "Wir fordern den Senat auf, unverzüglich alle notwendigen Maßnahmen einzuleiten, um Frau Ates selbst sowie ihre Kolleginnen und Mandantinnen vor weiteren Bedrohungen zu schützen", sagte Senftleben.

Auch Grünen-Fraktionschefin Sibyll Klotz sieht Polizei und Justiz in der Pflicht, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, Ates und anderen Frauen den notwendigen Schutz zu gewährleisten. Die Entscheidung von Ates sei für viele, vor allem von Gewalt und Zwangsheirat bedrohte Frauen ein "ermutigendes Zeichen". (tso/ddp)

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