Berlin : Freak aus Friedrichshagen - vor fünf Jahren

Vor fünf Jahren stand Alf Ator mit seiner Band Knorkator im Admiralspalast. Was Daniela Martens darüber schrieb.

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Gott wohnt eigentlich in Friedrichshagen. In einer großen unsanierten Altbauwohnung, in der im Flur eine abgewetzte Polyacryldecke an der Wand hängt. Das Motiv: ein Pferd. In der Küche brodelt eine billige Kaffeemaschine vor sich hin. Auf der Mikrowelle, neben der Müslipackung liegt eine CD von Knorkator.

Kein Wunder, schließlich lebt hier auch Alexander Thomas alias Alf Ator, Keyboarder, Komponist und Texter bei der Krawallband, zumindest bis zu deren Auflösung vor knapp zwei Jahren. Vor allem aber ist Alf Ator der „Vater von Gott“ – so steht es zumindest auf seiner Homepage, wenn auch nur in Klammern. „Ich will das eigentlich nicht so an die große Glocke hängen“, sagt Ator und gießt einen großen Becher voll Kaffee. Wenn solche Sätze aus seinem Mund kommen, wirkt er ziemlich ernst. Nur seine Mundwinkel zucken. In Alf Ators Leben vermischen sich Witze, absurde Einfälle, Übertreibungen und eine Prise Kitsch zu einem Gesamtkunstwerk.

Das sieht man auch an seiner Wohnung. Im Erkerzimmer mit Blick auf die Bahngleise schmücken alte Rheumadecken und vergilbte Schaumstoffteile die Wand. Kunst oder Schallschutz? Alf Ator lacht und zeigt stolz sein kleines Tonstudio mit dem halb kaputten Laptop. Hier entstehen neue Lieder und die Tonspur zu seiner „Ein-Mann-Playback-Theatershow“ mit dem leicht größenwahnsinnigen Namen „Das noch neuere Testament“ , mit dem Alf Ator am Sonnabend im Admiralspalast auftritt – in wallender Toga, den Schädel sorgfältig rasiert bis auf den Pferdeschwanz am Hinterkopf. Auf dem Couchtisch im Rheumadeckenzimmer steht ein kleiner weißer Porzellanbär mit der gleichen Frisur. „Er hat auch die gleiche Tätowierung auf dem Bauch“, Ator schiebt sein T-Shirt hoch, um sein Tattoo zu zeigen.

„Tipps und Tricks, um so zu werden wie Alf Ator“ lautet der Untertitel seins Theaterstücks. Die Tricks kommen aber gar nicht vor, denn beim Schreiben war ihm aufgefallen, dass er sie gar nicht verraten wollte. Da waren die Plakate aber schon gedruckt. Stattdessen gibt es etwa ein Gedicht, dass er mit einem „Schlüpper“ im Mund rezitiert, weil sich „Britta“ sonst nicht auf „Pizza“ reimt. Alles Playback natürlich. Das ist Ators Lieblingselement der Show: Die lauten Fußtritte vom Band, die jedes Mal zu hören sind, wenn er über die Bühne stapft: „Ich mag es, wenn die Leute genervt sind.“ Dafür gibt er alles. Und die Zuschauer müssen mitmachen: Er holt sie auf die Bühne, ohne groß zu fragen. Dort müssen sie den Mund bewegen – zu Ators Stimme vom Band: „Ja, großer Meister“, zum Beispiel.

„Das gibt einem schon so ein Machtgefühl.“ Wieder das Zucken im Mundwinkel. Andere Zuschauer sollen mit Spielzeuginstrumenten zu Knorkator-Liedern vom Band Musiker mimen. „Einer hat mal die Gitarre zerschlagen, der dachte, das muss so sein.“ Schließlich hat das Instrumentezertrümmern eine lange Tradition bei der Band. Und wann kann man das mal wieder live erleben ? Alf Ator trommelt nervös mit Mittel- und Zeigefinger auf die Stuhllehne. „Im nächsten Jahr“ , sagt er dann. Jetzt ist es also raus: Knorkator machen weiter. Dabei habe ihm die Managerin striktes Auskunftsverbot erteilt. Er grinst. „Sonst krieg ich den Arsch voll.“

Vielleicht gäbe es aber auch nur eine Standpauke. So eine habe er übrigens erst morgens seinem Adoptivsohn Gott gehalten. „Der ist ja gerade in der Pubertät und so hitzköpfig, der macht schon eine Menge Dinge, die Gespräche nach sich ziehen.“ Nur: „Er hört nicht auf mich.“ Man vergisst fast, dass „Der Vater von Gott“ nur ein Titel ist, den ihm die Knorkator-Fans mal verliehen haben. Alf Ator hat sich nicht groß gewehrt. Sein richtiger Sohn ist wesentlich pflegeleichter. Er geht ja auch erst in die Grundschule.

Sonnabend, 21 Uhr, Admiralspalast AP 101, Friedrichsstraße 101, Karten ab 10 Euro unter Tel. 4799 7499

Der Beitrag erscheint in unserer Rubrik "Vor fünf Jahren"

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