Freddy Leck sein Waschsalon : In Moabit wäscht man gemütlich

Laminatfußboden, Sechziger-Jahre-Tapete, Kronleuchter an der Decke und W-Lan-Zugang. In Moabit hat ein Waschsalon eröffnet, in dem man auch fernsehen, Kaffee trinken und historisches Pulver bestaunen kann.

Sebastian Leber
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Reinheitsgebot. Uwe Martens alias "Freddy Leck" (rechts) betreibt seinen Laden in der Gotzkowskystraße mit zwei Mitarbeitern. -Foto: Mike Wolff

BerlinMan denkt, da hat sich jemand einen Riesenscherz erlaubt. Ein Waschsalon mit Laminatfußboden, mit Sechziger-Jahre-Tapete und Kronleuchtern an der Decke – das kann doch nicht ernst gemeint sein. Aus den Lautsprechern kommt klassische Musik, ganz hinten an der Wand hängen Fotos von Prinz William und Königin Beatrix. Und dann dieser Name: „Freddy Leck sein Waschsalon“. Ist der Besitzer vielleicht nicht ganz dicht?

Doch, ist er. Und wer nicht gleich auf dem Absatz kehrtmacht, wird es verstehen. Den Laden findet man in der Gotzkowskystraße in Moabit, auf halber Strecke zwischen Turmstraße und Spree. Das Konzept: Im Salon soll der Kunde nicht bloß seine Zeit absitzen, bis sich die Trommel zu Ende gedreht hat. Er soll sich wohlfühlen. Am Eingang steht ein großer Holztisch, an den kann man sich setzen und sich mit den anderen Gästen unterhalten. Oder einen Milchkaffee bestellen. Oder fernsehen, an der Wand gegenüber hängt ein Flachbildschirm. Wer seinen Laptop mitbringt, kommt kostenlos ins Internet.

Ausgedacht hat sich das alles Freddy Leck, der Besitzer. Eigentlich heißt er Uwe Martens, aber im Salon nennen ihn alle Freddy. Und „Freddy Leck“ kann man sich merken, sagt der 44-Jährige.

Martens hatte früher schon einmal einen Waschsalon, der war so, wie man Waschsalons kennt. Da lief alles verkehrt, sagt er. Als er Freunden von seiner neuen Idee erzählte, rieten die ihm, es in Prenzlauer Berg zu probieren. Oder vielleicht in Friedrichshain, irgendwo, wo genug junge Leute leben, die schräge Projekte mögen. Aber Martens wollte „dahin, wo man mich am allerwenigsten erwartet“. Es hat funktioniert. Vormittags kommen die Hausfrauen, abends die Studenten. Auch außerhalb des Kiezes hat sich der Laden seit seiner Öffnung vor drei Monaten herumgesprochen. Ein Hotelier aus Teltow fährt zweimal die Woche in die Gotzkowskystraße, um eine Ladung Schmutzwäsche abzugeben.

Seine erste Freundin und ihre T-Shirts, die so gut nach Weichspüler rochen

Der Besitzer muss aus Charlottenburg anreisen, aber nicht mehr lange. „Die Menschen hier berühren mich“, sagt er. „Die sind ehrlich und verschleiern auch nicht, dass sie nicht unbedingt auf der Sonnenseite leben.“ Jetzt ist Martens auf Wohnungssuche in Moabit.

Angst, dass einer sein Konzept klaut und eigene Wohlfühl-Waschsalons aufmacht, hat er nicht. „Man muss saubere Wäsche lieben, sonst geht das nicht“, sagt er so überzeugt, dass man es ihm glauben will. Dann erzählt er von Marion, seiner ersten Freundin, und wie gut ihre T-Shirts nach Weichspüler rochen. Noch begeisterter ist Martens, wenn er einem Gast seine Schätze zeigen darf. Die lagern oben auf dem Regal: historische Waschpulverpackungen. Perwoll aus den Sechzigern, Sunil aus den Siebzigern.

Der Salon war erst der Anfang. Martens hat auch ein eigenes Pulver kreiert, das nennt er konsequenterweise „Freddy Leck seine Waschmittel-Edition“. Es gibt zwei Sorten: etwas herber für den Mann, etwas blumiger für die Frau. Ein großes Unternehmen produziert die Mischung für ihn, gestern war Martens in Dortmund und hat sein Produkt auf einer Messe vorgestellt. Es kam so gut an, dass es demnächst in 30 Städten in Nordrhein-Westfalen verkauft wird. „Berlin macht schön“, steht auf der Packung.

Auch hier will er es bald anbieten, in Geschenkeshops, als Souvenir für Touristen. „Damit Uschi aus Bielefeld ihren Freunden zu Hause etwas mitbringen kann“, sagt Martens. Später soll es auch Unterwäsche von Freddy Leck geben, aber das dauert noch, das muss gut geplant sein, wie alles in seinem Salon.

Die Hintergrundmusik zum Beispiel. Da hat Martens viel herumexperimentiert. Und am Ende festgestellt, dass es sich bei Walzern einfach am besten bügeln und mangeln lässt. Nur einmal im Jahr wird etwas anderes gespielt: Wenn Freddy Leck den Grand Prix überträgt.

Gotzkowskystraße 11, täglich 9–23 Uhr (sonntags 10–20 Uhr). Mehr Infos online: www.freddy-leck-sein-waschsalon.de.

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