Freedom-Marathon in Berlin : Die Werbung startet, die Genehmigung fehlt

Für den Freedom-Marathon wird schon geworben. Dabei ist er noch gar nicht genehmigt, doch für den Veranstalter ist das kein Problem.

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Berlin ist ein beliebtes Pflaster für Langstreckenläufer
Berlin ist ein beliebtes Pflaster für LangstreckenläuferKitty Kleist-Heinrich

Sie tragen Schirmmützen, Stirnbänder oder nur Sonnenbrillen. Und sie laufen im Pulk, Langstreckenläufer in Berlin. Mit diesem Fotomotiv wirbt das Berlin-Portal für den Freedom-Marathon, geplanter Termin: 15. Mai. Geplant, noch fehlt die Genehmigung durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Diese Einschränkung steht auch im Text. Allerdings steht dort auch: „Am Pfingstsonntag werden zahlreiche Läuferinnen und Läufer an den Start gehen.“ Der Marathon wird also als Tatsache dargestellt, trotz fehlender Genehmigung.

Na und?, sagt Claus Frömming, Sprecher des Veranstalters Golazo Sports. „Der Berlin-Marathon im Herbst ist längst ausverkauft und hat auch noch keine schriftliche Genehmigung.“ Der Freedom-Marathon ergänzt 2016 erstmals den „BIG 25“, den ältesten deutschen City-Straßenlauf. 2015 fand der Lauf am 10. Mai statt, „und die schriftliche Genehmigung“,sagt Frömming, „lag am 29. April vor.“ Entscheidend sei, dass die Verkehrslenkung grundsätzlich zugestimmt habe. Allerdings habe diese Verkehrslenkung auf den Termin 15. Mai gedrängt. Golazo wollte den Lauf eigentlich am 8. Mai anbieten.

SCC Event, Veranstalter des Berlin-Marathons im Herbst, ist weniger zufrieden. „Keine Stadt, die Weltklasse-Marathons anbietet, hat zwei Marathonläufe“, sagt Geschäftsführer Jürgen Lock. Einziger Gesellschafter von SCC Event ist der SC Charlottenburg, und dessen Präsident heißt Andreas Statzkowski. Der Herr Präsident, dem das Wohl des SCC-Marathons am Herzen liegen muss, ist aber zugleich Sportstaatssekretär, und der ist dem Wohl der Stadt Berlin verpflichtet. Und Berlin wirbt mit dem Freedom-Marathon. Interessenkollisionen? Lock weist das zurück. „Er trennt die Ämter extremst. Uns bremst diese Doppelfunktion sogar, das muss man ganz deutlich sagen. Früher konnten wir einfacher mit einem Staatssekretär reden.“

Zum Freedom-Marathon will Statzkowski nichts sagen. Zum Thema Interessenkollisionen hatte er dem Tagesspiegel mal erklärt: "Es ist wichtig, alles transparent zu halten und sauber zu trennen. Deshalb habe ich am ersten Tag meiner Amtszeit einen Vermerk aufgesetzt. Da steht drin, dass ich hier im Haus nichts bescheide, entscheide oder Einfluss nehme auf etwas, das die Belange des SC Charlottenburg betrifft." Zum Beispiel Ausfallbürgschaften.
"Der SC Charlottenburg nutzt ja fast ausschließlich Sportanlagen des Bezirksamtes", sagte er. "Ich finde es wichtig, nicht nur ehrenamtlich engagiert zu sein, sondern auch Sportpolitik von unten zu erleben. Da kriegt man ein besseres Gespür dafür, wie was an der Basis ankommt."

Golazo-Geschäftsführer Bob Verbeeck sieht das Ganze eher gelassen. Er teilte dem Tagesspiegel mit: „Golazo Sports GmbH ist bestrebt, den BIG 25, den ältesten deutschen City Straßenlauf und damit eine der bekanntesten Berliner Traditionsveranstaltungen durch die neue Strecke des „Freedom Marathon“ weiter zu entwickeln. Wir sind überzeugt, dass dies auch im Sinne der Berliner Sportpolitik ist, Traditionsveranstaltungen zu halten und zu entwickeln. Die bisherigen Gespräche mit den zuständigen Behörden haben uns in dieser Überzeugung bestätigt."

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