Berlin : Freie Fahrt für acht neue Stadtälteste

Der Senat verleiht Barbara John und anderen heute wegen ihrer Verdienste die Ehrenbezeichnung

Sabine Beikler

Sie bekommen eine BVG-Jahresfreikarte, erhalten das Amtsblatt für Berlin ins Haus und werden als Ehrengäste zu repräsentativen Veranstaltungen des Landes eingeladen. Acht neue „Stadtälteste von Berlin“, darunter die frühere Ausländerbeauftragte Barbara John, ernennen der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und der Präsident des Abgeordnetenhauses Walter Momper am Mittwoch im Roten Rathaus. Für ihr Engagement in Wahl- und Ehrenämtern wird ihnen diese Ehrenbezeichnung verliehen.

Stadtälteste werden in Berlin seit der Steinschen Städteordnung von 1808 ernannt. Damit sollte der Gemein- und Bürgersinn belebt und die Mitwirkung der Bürger am politischen Leben gefördert werden. Die ersten Berliner Stadtältesten waren 1820 die Kommunalpolitiker Carl Christoph Natorp und Johann Ernst Meinhoff. Beide hatten drei Wahlperioden lang, das waren damals 18 Jahre, als unbesoldete Stadträte gearbeitet. Während des Ersten Weltkriegs und von 1930 bis 1948 fanden keine Ehrungen statt.

Der aus den Wahlen vom Oktober 1946 hervorgegangene Magistrat vergab die Stadtältestenschaft lediglich 1948 an den damaligen Bezirksbürgermeister von Spandau, Gottlob Münsinger. Erst 1953 wurde mit der Sozialdemokratin Anna Nemitz die erste Frau mit der Stadtältestenwürde ausgezeichnet. Während der Teilung Berlins verlieh der Ost-Berliner Magistrat die Würde nicht, Senat und Abgeordnetenhaus im Westteil führten die Tradition weiter.

225 Personen erhielten bisher die Stadtältestenwürde. Berlin hat zurzeit 27 lebende Stadtälteste. Vorschlagsberechtigt sind Senat, Abgeordnetenhaus, die Bezirksämter und BVV-Versammlungen. 1990 hatte man den Auszeichnungsmodus erweitert: Bis dato musste man für die Ehrung älter als 65 Jahre sein und mindestens 20 Jahre lang in Wahl- oder Ehrenämtern tätig gewesen sein. Letzteres aber hätte bedeutet, dass ein Teil der Stadtältesten weiterhin nur aus dem Westteil der Stadt gekommen wären. Der Senat beschloss damals, auch Berliner auszuzeichnen, die sich außergewöhnliche Verdienste um die Entwicklung und Festigung der Demokratie und um die Wiedervereinigung der Stadt erworben haben. Zu den in jüngerer Zeit zu Stadtältesten ernannten Bürgern zählen unter anderem Altbischof Martin Kruse, Ex-Parlamentspräsidentin Hanna-Renate Laurien, der frühere Regierende Bürgermeister Klaus Schütz sowie der im Dezember 2003 verstorbene letzte Ost-Berliner Bürgermeister Tino Schwierzina.

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